Ohne Schwoaga-Mess ging nix

Zeitzeugenabend zur Ausstellung 40 Jahre Gemeindegebietsreform in Sauerlach

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„Vernunftehe oder Liebesheirat?“, fragt das Veranstaltungsplakat, das Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner hoch hält. Wie damals die Gefühlslage in den Gemeinden war, erzählten die Zeitzeugen.

Sauerlach – War der Zusammenschluss von Arget, Eichenhausen und Sauerlach zu einer Verwaltungsgemeinschaft eine „Vernunftehe“ oder doch eine „Liebesheirat“? Acht Zeitzeugen aus der Kommunalpolitik der betroffenen Gemeinden sprachen darüber kürzlich im Sitzungssaal der Gemeinde. Zusammen mit Bürgermeisterin Barbara Bogner als Moderatorin erlebten die zahlreichen Zuhörer dabei einen kurzweiligen und vergnüglichen Abend. Und sie wissen jetzt auch, was die berüchtigte „Schwoaga-Mess“ war.

Alleine schon die eingangs kurze und trockene Darstellung von Oskar Zimmermann, wie denn eine Gemeinderatssitzung in Arget früher abgelaufen ist, versetzte das Auditorium in eine längst vergangene Zeit und ins Schmunzeln: „Die Sitzungen waren im Gasthof Streicher im Nebenzimmer. Da ist es immer g‘mütlich runtergegangen weil wir unsere Gemeindeprobleme ohne weiteres selbst lösen konnten.“ Otto Löffler fügte noch hinzu: „Nur wenn der Feuerwehrkommandant bei der Sitzung meine Herren gesagt hat, ist es kritisch geworden. Dann hast du genau luren, müssen was da kommt.“ Ortschronist Helmut Berthold wusste aber noch von einer konspirativeren Variante zu berichten: Stand der sonntägliche Kirchgang an, seien viele Gemeinderäte und der Bürgermeister draußen stehen geblieben und haben sich zur „Schwoaga-Mess“ getroffen. „Da sind dann schon die Punkte besprochen und die Richtung der kommenden Sitzung festgelegt worden.“ Der Name Schwoaga kommt, wie er erklärte, vom Hausnamen der Familiendynastie Ücker in Gumpertsham.

Auch für Walter Gigl als jungen Kommunalpolitiker von außerhalb war die Teilnahme Pflicht. Anfangs wurde er aber, wie er feststellte, oft gefragt: „Muast Du heut ned in d Kirche nei?“ Ganz und gar nicht begeistert war von dieser besonderen Messe der Pfarrer. Der hat einmal sogar einen Lautsprecher zum Kirchenfenster hinausgehängt und über die Abtrünnigen da draußen furchtbar gewettert. Es wurde aber auch die Gefühlslage in den jeweiligen Gemeinden aufgezeigt. So erzählte Josef Portenlänger, dass der Gemeinderat in Eichenhausen 1972 einhellig gegen Sauerlach war: „Als reine Landgemeinde waren wir der Meinung, dass das einfach nicht zu uns passt.“ Bekanntlich kam es aber dann doch zur Vereinigung – ein neues Wappen musste her. Über die Gestaltung waren wiederum die Argeter verschnupft, weil sie sich darin nicht wiederfanden. Auch bei der Erinnerung an den „Schildbürgerstreich“ von 1982, der zu größter Entrüstung führte, konnte die Runde im Rückblick herzhaft lachen. Damals wurden in allen Ortsteilen die Ortstafeln durch solche mit der Aufschrift „Sauerlach“ ersetzt. Vielleicht war es also damals wirklich keine reine Liebesheirat. Aber dass in den 40 „Ehejahren“ wirklich viel gegenseitige Zuneigung gewachsen ist, war an dem Abend doch recht deutlich zu spüren. Zu sehen ist die Ausstellung mit vielen Hintergrunddetails noch bis 26. Oktober im Rathaus. Dazu gibt es auch eine informative Broschüre. hac

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