Kult-Moped gerettet

Oldtimerfreunde Miesbach hauchen technischem Kulturgut neues Leben ein

Der Vorsitzende der Oldtimerfreunde Miesbach, Erhard Pohl (M.), sowie seine Stellvertreter Erich Sterrer (l.) und Reinhard Megele mit dem wieder erweckten Moped NSU Quickly.
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Der Vorsitzende der Oldtimerfreunde Miesbach, Erhard Pohl (M.), sowie seine Stellvertreter Erich Sterrer (l.) und Reinhard Megele mit dem wieder erweckten Moped NSU Quickly.

Miesbach – Ein Exemplar des Kult-Mopeds NSU Quickly haben die Oldtimerfreunde Miesbach in den vergangenen Monaten gerettet.

Zu Zeiten, wo ein privates Auto eher die Seltenheit war, stellte das Fahrrad ein selbstverständliches Verkehrsmittel dar. Als dann zu Beginn der Wirtschaftswunderzeit das Moped NSU Quickly zu einem erschwinglichen Preis von 465 DM auf den Markt kam, wurde auch für kleinere Geldbeutel ein Stück Freiheit und Aufbruch in eine neue Mobilität möglich.

So wurde dann auch dieses Moped mit Pedalen vom damals weltgrößten Zweiradhersteller NSU mit Sitz in Neckarsulm mit 1,5 Millionen produzierten Fahrzeugen zu einem Verkaufsschlager. Mit rasch steigendem Wohlstand landeten aber die meisten Quicklys bald herunter geritten auf dem Schrottplatz, wurden kaputt geschraubt oder zerlegt in alten Scheunen vergessen. Wie es ein glücklicher Zufall wollte, landete Anfang 2020 just ein solches Quickly-Exemplar bei den Oldtimerfreunden Miesbach, wo es vor Kurzem nach einer behutsamen Instandsetzung wieder die ersten Runden drehen durfte.

Wie Erhard Pohl, Vorsitzender der Oldtimerfreunde Miesbach, sagt, war die Vorgabe beim Restaurieren des aus dem Jahr 1957 stammenden Quickly-Puzzles, möglichst viel Patina zu erhalten und nur neuen Lack aufzutragen oder Neuteile zu verbauen, wo dies unbedingt nötig war.

Dieser Aufgabe hat sich René Steinbrecher von den Oldtimerfreunden Miesbach angenommen. In stoischer Ruhe und Gelassenheit hat er schließlich in seiner Schraubergarage in Hausham in etwa 65 Stunden wieder alle Einzelteile zusammengefügt und so ein funktionstüchtiges Oldtimermoped zum zweiten Leben erweckt.

Obwohl für diese Fahrzeugklasse keine Hauptuntersuchung nötig ist, hat es sich dann auch Vorstandsmitglied und Prüfingenieur David Kahl nicht nehmen lassen, persönlich eine technische Abnahme zu machen und die mängelfreie Verkehrstauglichkeit zu bestätigen.

Bis dahin aber war es ein weiter Weg, weil sich beim Sortieren herausstellte, dass einige Teile fehlten oder kaputt waren. Dank einer gut vernetzten Oldtimerszene konnten letztlich alle notwendigen Teile beschafft werden. Schwierig wurde es, wie Pohl berichtet, nur beim ebenfalls komplett zerlegten 49ccm-2-Gang-Motor. Schließlich wurde die Adresse eines Spezialisten ausfindig gemacht, der den Originalmotor wieder flott machen und generalüberholen konnte. Das war allerdings eine nicht ganz billige Angelegenheit, wie der Oldtimerfreunde-Chef sagt. Da aber der gesamte Vorstand von Anfang an hinter dem Projekt stand, war es auch keine Frage, die dafür erforderlichen Mittel aus der Vereinskasse bereitzustellen.

„Genau das gehört zu unserer Philosophie, technisches Kulturgut erhalten und die eigene Arbeitsleistung nicht in Euro, sondern in Zufriedenheit und Bestätigung umzurechnen, wieder Freude für sich und die Betrachter geschaffen zu haben“, erklärt Pohl und meint mit voller Begeisterung für die Sache: „Wenn jemand bei einem Oldtimertreffen so ein Fahrzeug sieht, in Jugenderinnerungen zurück schweift und darüber Erlebnisse erzählt, hat sich die Mühe doch schon mehr als gelohnt.“

Nach Hanomag und Lanz war die Quickly nun das dritte Projekt der Oldtimerfreunde. Bei dem Enthusiasmus des Vorstands und seiner Mitglieder wird es vermutlich nicht dabei bleiben und man darf gespannt sein, was für eine Überraschung als nächstes präsentiert wird. hac

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