Deutliche Worte

Otterfing: Eglseder fordert Bürger und Gemeinderat zu mehr Zusammenhalt auf

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In der Schulaula fand Bürgermeister Jakob Eglseder klare Worte. Die Otterfinger und den Gemeinderat bat er um Einsatz nicht nur vor der eigenen Haustür, sondern für das ganze Dorf.

Otterfing – Eigentlich verkündete Otterfings Rathauschef Jakob Eglseder bei der Bürgerversammlung in der Schulaula recht viel Positives. So sei die Auslastung der zwölf Klassenzimmer der Schule recht gut und auch finanziell stehe die Gemeinde trotz der zu erwartenden hohen Ausgaben nicht so schlecht da. Was Eglseder aber gewaltig ärgert, ist die Zwietracht, die im Ort herrsche und gesät werde.

Seit 2002 sitzt Eglseder (61) auf dem Otterfinger Bürgermeisterstuhl. Nächstes Jahr wird er den Platz räumen: „Das ist meine vorletzte Bürgerversammlung, ich brauche also kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen“, stimmte Eglseder die gut 70 Zuhörer auf seinen Vortrag ein.

Zur Finanzlage erklärte er, dass die Schulden der Gemeinde seit 2014 kontinuierlich von rund 1,5 Millionen Euro auf geschätzt 444.440 Euro zum Jahresende abgebaut werden konnten. Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt dann 93 Euro. Als ärgerlich bezeichnete er die hohe Kreisumlage, die heuer 3,3 Millionen Euro beträgt. Die Prognose für die wichtigsten Steuereinkommen liegen bei circa 6,38 Millionen Euro und fallen trotz Wegzug von Gewerbetreibenden nur geringfügig niedriger als im vorherigen Jahr aus. „Die gute Prognose haben wir nicht zuletzt unseren fleißigen und gut verdienenden Bürgern zu verdanken“, stellte Eglseder fest.

Mit dem noch unklaren Ausgang des Wassereinbruchs in der Schule und den überraschenden Forderungen der Bahn für das „Wegerecht“ der von der Gemeinde selbst gebauten beiden Überführungen (wir haben berichtet), kommen auf Otterfing aber auch hohe Ausgaben zu. Außerdem gibt es in Otterfing seit über zehn Jahren die Idee, ein Seniorenwohn-Projekt zu starten. Wie Eglseder sich so etwas vorstellen könnte, führte er anhand

eines BR-Filmbeitrages einer solchen Appartement-Anlage in Rosenheim aus. Dafür gab es spontanen Applaus. Wie Gemeinderätin Susanne Weitl am Ende der Bürgerversammlung ankündigte, wird die CSU bei der nächsten Gemeinderatssitzung einen Antrag auf Realisierung eines solchen Projektes auf der Thomawiese stellen. Wie Eglseder sagte, gäbe es dafür eventuell sogar einen Investor, der so etwas zusammen mit einem Vollsortimenter auf der Wiese gegenüber vom Penny-Markt bauen würde. Da er aber selbst dort Nachbar ist, sei er hier von den Planungen ausgeschlossen. Er hofft, dass sich der Gemeinderat dazu bald öffentlich äußert.

Ein weiterer schon lange verfolgter Meilenstein ist das rund sechs Millionen Euro schwere Sportzentrum am Skaterplatz. Zudem würde das Sanitärgebäude am Altstandort etwa nochmal eine Millionen Euro kosten. Das ewige Gezänk über das Wie und Wo des neuen Sportzentrums nahm Eglseder dann auch zum Anlass, über eine, wie er sagte, „besondere Gemeinheit“ zu berichten. So wurde ihm erst vor kurzem ein Plan zugespielt, aus dem deutlich hervorgeht, dass im Rathaus bei der Verlegung der Tennisplätze schon 1997 über ein Konzept für ein neues Sportzentrum am Altstandort nachgedacht wurde. „Davon habe ich bis dato nie etwas erfahren. So geht man in einem Ort nicht miteinander um!“ Wie er meinte, könnte auf Grundlage dieser verschwiegen gehaltenen Planungen längst etwas passiert sein. „Neulich hat mir eine Mutter erzählt, dass sie mit ihren Kindern zum Sport schon lange nach Holzkirchen fährt. So blutet unser Ort aus.“

Dem ließ Eglseder dann auch sehr klare Schlussworte folgen: „Unterschiedliche Meinungen müssen vernünftig beraten werden, um gute Entscheidungen zu treffen.“ Das gelte für den Gemeinderat und den ganzen Ort. „Bitte folgen Sie da aber nicht populistischen Marktschreiern, Besserwissern und selbst ernannten Internetstudierten. Informieren Sie sich bei den Fachleuten und gerne auch bei uns in der Verwaltung und bilden Sie sich eine eigene Meinung“, sagte Eglseder und erinnerte: „Ein bisschen mehr Altruismus als Egoismus tut uns allen, und vor allem unserem schönen, interessanten und liebenswerten Otterfing gut.“ Zur Kommunalwahl forderte Eglseder die jungen Otterfinger auf, sich zu engagierten: „Wir brauchen vernünftige junge Männer und Frauen, die im Gemeinderat kluge Entscheidungen für die Zukunft treffen.“hac

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