Beschluss im Gemeinderat

Wende bei Seniorenwohnen auf Thomawiese in Otterfing

So könnten die Pläne für das Seniorenwohnprojekt auf der Thomawiese in Otterfing aussehen.
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So könnten die Pläne für das Seniorenwohnprojekt auf der Thomawiese in Otterfing aussehen.

Otterfing – Nach heftiger Diskussion entscheidet sich der Gemeinderat beim Punkt Seniorenwohnen auf der Thomawiese um. Das Bauprojekt soll nun eine andere Richtung nehmen.

Mit großer Euphorie hat der Otterfinger Gemeinderat vor rund sechs Monaten beschlossen, auf einem Teil der Thomawiese ein Seniorenwohnprojekt zu realisieren. Es sollte auch jungen Familien und Alleinerziehenden offen stehen. In der jüngsten Sitzung wurde darüber allerdings heftig diskutiert. Nun soll die Thomawiese nicht mehr alleiniger Standort und der bisherige Arbeitstitel von „Älter werden in Otterfing“ in „Wohnen in Otterfing“ geändert werden.

Das einstimmige Bekenntnis des Gemeinderates für das Seniorenwohnprojekt auf der Thomawiese ist Schnee von gestern. Woher die Wende aus den Reihen von SPD und Grünen kam, blieb bei der Debatte unklar. Die Diskussion nahm ihren Lauf, nachdem Sabine Wenng von der Koordinierungsstelle „Wohnen im Alter“ zwei Konzepte für das Otterfinger Projekt mit rund 25 Wohnungen vorstellte.

Wie Wenng auf Nachfrage von Vize-Bürgermeisterin Ulrike Stockmeier (FW) erklärte, erfolge die Beratung im Auftrag des bayerischen Familienministeriums und sei für die Gemeinde kostenlos. Wie Wenng nach Auswertung der Vorgaben meinte, wäre in Otterfing eine reine Seniorenwohnanlage oder ein Mehrgenerationenhaus möglich.

Die Königsklasse wäre, ein sogenanntes Quartierskonzept einzurichten. Dabei würde sich ein fest angestellter Kümmerer der Belange aller Senioren der Gemeinde annehmen. „Vergessen sie nicht, dass in Otterfing rund 1.000 Senioren leben, die auch Unterstützung in Sachen Wohnen, Pflege und Soziales brauchen“, sagte Wenng. Wegen der voraussichtlich hohen Kosten fand der Vorschlag allerdings keine große Zustimmung.

Als vergleichbare Anlage hatte Bürgermeister Jakob Eglseder kurz die Seniorenwohnanlage in Schechen im Landkreis Rosenheim vorgestellt. Rund 4,4 Millionen Euro hat sich die Gemeinde die Anlage mit 18 Wohneinheiten kosten lassen, davon wurden 1,5 Millionen Euro bezuschusst. Wie Eglseder sagte, gebe es die staatlichen Zuschüsse noch, weshalb das auch für die Pläne in Otterfing eine attraktive Sache wäre: „Als Eigentümer hätte die Gemeinde bei der Wohnungsvergabe das alleinige Sagen.“

Max Ruf (SPD) und Thomas Hogger (Grüne) würden hingegen einen genossenschaftlichen Bauträger bevorzugen. Außerdem möchten beide, dass explizit auch alle jungen Otterfinger ein Recht haben sollen, in die Anlage einzuziehen. Das gipfelte darin, dass Ruf verlangte: „Das Wort Alt muss aus dem Arbeitstitel gestrichen werden.“

Zum Standort Thomawiese informierte Geschäftsleiter Markus Stark, dass ein Anwohner eine Unterschriftenaktion gegen das Projekt gestartet habe. Mehr als „Das nehmen wir zur Kenntnis,“ hörte man dazu aus dem Gremium aber nicht. Michael Falkenhahn (SPD) ist überzeugt, dass es ohnehin noch nicht sicher und abschließend geklärt sei, dass die Thomawiese als Standort gesetzt ist. Diese Meinung teilte auch Hogger. Dem entgegnete Robert Schüßlbauer (CSU): „Wer sich in Otterfing auskennt, weiß, dass wir in zentraler Lage ansonsten wenig gemeindeeigene Grundstücke für so ein Projekt zur Verfügung haben. Und am Ortsrand macht das ja keinen Sinn.“ Auch er plädierte für ein Mehrgenerationenprojekt und verstand die darüber aufkeimende Diskussion nicht: „Das haben wir doch vergangenes Jahr alles schon festgeschrieben.“

Dass der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen da ist, hat schon eine Umfrage im Jahr 2011 ergeben: „Damals hatten sich 30 Senioren gemeldet, es dürften heute kaum weniger sein“, stellte Thomas Doll vom Arbeitskreis Soziales fest. Einstimmig wurde beschlossen, erneut die Otterfinger zu Wort kommen zu lassen. Dazu plant die Unterstützungsstelle eine offene Veranstaltung, bei der ein qualitatives Stimmungsbild entstehen soll. „So erfahren wir, was tatsächlich und wo gewünscht wird“, sagte Sabine Wenng von der Koordinierungsstelle, die mit dieser Form der Bürgerbeteiligung gute Erfahrung gemacht habe. Ob danach noch zusätzlich Fragebögen verteilt werden, würde noch entschieden. Als scheidender Bürgermeister bat Jakob Eglseder eindringlich darum, das Projekt nicht in einer Endlosdiskussion zu zerreden, sondern zügig auf den Weg zu bringen. hac

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