Bundesweite Aktion

Warum ein Landwirt in Otterfing ein grünes Kreuz auf sein Feld stellt

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Kathrin und Michael Schlickenrieder mit Söhnchen Michael sind mit Leib und Seele Landwirte und wollen das auch bleiben.

Otterfing - Grüne Kreuze werden momentan deutschlandweit aufgestellt auf Wiesen- und Ackerflächen. So auch in Otterfing. Das steckt dahinter:

In ganz Deutschland werden seit einiger Zeit auf Wiesen- und Ackerflächen grüne Kreuze aufgestellt. Die vom nordrhein-westfälischen Bauer Willi Kremer-Schillings ins Leben gerufene Aktion soll der Gesellschaft den Wert der heimischen Landwirtschaft stärker ins Bewusstsein rufen. Vor Kurzem haben auch Michael und Kathrin Schlickenrieder am nördlichen Ortsausgang von Otterfing ein solches Mahnmal aufgestellt.

„Es ist nicht unsere Art, Parlamentsgebäude mit Gülle zu bespritzen, aber wir wollen auch nicht einfach so hinnehmen, dass das Ansehen der Landwirte immer mehr sinkt, die Auflagen immer höher werden und damit das Überleben für die Höfe immer schwieriger wird“, sagt Kathrin Schlickenrieder, die mit Ehemann Michael den Lukasschusterhof in Otterfing bewirtschaftet. Sie erzeugen dort Fleisch in Mutter­kuhhaltung mit Deutsch-Angus-Rindern und weißen italienischen Chianinas, der größten Rinderrasse der Welt.

Vermarktet wird das Fleisch in Bio-Qualität auf dem Hof. „Unsere Rinder können das ganze Jahr über auf die Weide, werden hier geboren, wachsen hier auf und werden auch hier geschlachtet“, erklärt Schlickenrieder. Sie legt aber auch darauf Wert, dass nicht nur Bio-Bauern sondern auch konventionelle Landwirte auf das Wohl ihrer Tiere größten Wert legen. „Das kostet natürlich auch Geld, ist aber genau das, was nahezu alle Verbraucher sagen, dass sie haben wollen. Nur kaufen tun es leider nur ein paar wenige. Wenn das Kilo Schweinefleisch im Discounter nicht mehr als 4,99 Euro kosten darf, sollte jedem klar sein, dass die Sau nicht einmal im Leben Gras gesehen hat“, sagt Schlickenrieder enttäuscht.

Ein Auslöser für die Aktion war, wie Michael Schlickenrieder erklärt, auch das Anfang September vorgestellte neue Agrarpaket, das die Düngeverordnung und den Pflanzenschutz weiter verschärft: „Das erschwert den Bauern die Arbeit zusätzlich. Zwar hat der Bauernverband interveniert, aber nur soweit, dass es uns nicht mit voller Härte trifft“, beklagt der Landwirt.

Er wirft dem Verband auch vor, mit daran Schuld zu sein, dass sich das Ansehen der Bauern in den vergangenen zehn Jahren so verschlechtert hat. „Die von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber angekündigte teure Imagekampagne hätte man sich sparen können, wenn der Bauernverband und die Politik in der Vergangenheit hinter den Bauern gestanden wären. Auch lässt sich kein Bauer gerne nachsagen, dass er von Subventionen und Förderungen lebt, aber ohne ist es nicht zu schaffen“, legt Kathrin Schlickenrieder nach und rechnet vor, dass ein mittelständischer Milchviehbetrieb auf einen Stundenlohn von unter fünf Euro kommt und dafür 365 Tage im Jahr hochwertige Lebensmittel produziert.

„Darüber sollten wir miteinander reden und nicht streiten. Unser grünes Kreuz soll dazu eine Einladung sein“, wirbt Schlickenrieder für einen fairen Dialog mit den Verbrauchern. hac

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