Pakt gegen die Einsamkeit

Holzkirchen und Otterfing gründen Besuchsdienst „Wir schaun vorbei“

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Einfach mal auf den Christkindlmarkt gehen oder gemütlich ratschen. Viele einsame Menschen trauen sich das alleine nicht mehr zu oder haben dafür niemanden. Mit „Wir schaun vorbei“ soll sich das ändern.

Holzkirchen/Otterfing – Vereinsamung ist ein trauriges Phänomen, das nicht nur in großen Städten auftritt. Neben älteren Menschen trifft sie oft Alleinerziehende und Menschen mit Behinderung. Vereinsamung kennt auch keine Grenzen, weshalb sie leider auch in Holzkirchen und Otterfing gleichermaßen anzutreffen ist. Um dem entgegenzuwirken, haben die beiden Gemeinden jetzt mit dem BRK-Kreisverband Miesbach als Koordinierungsstelle und ersten engagierten Ehrenamtlichen den Besuchsdienst „Wir schaun vorbei“ gegründet. Dieser kann natürlich auch eine Entlastung für Angehörige sein, die meinen, dass sie alles alleine stemmen müssen, aber irgendwann selbst nicht mehr können und einfach mal ein wenig Zeit für sich brauchen. Die Bürgermeister der beiden Gemeinden, Olaf von Löwis und Jakob Eglseder, luden kürzlich ins Holzkirchner Rathaus, um über das neue soziale Netzwerk zu informieren.

Die Idee hinter „Wir schaun vorbei“ ist an und für sich nicht neu. Dass sie aber jetzt in den beiden Gemeinden Fahrt aufnimmt, ist einem eher zufälligen Treffen zwischen Manfred Doll vom Otterfinger Arbeitskreis Soziales und Holzkirchens Vizebürgermeisterin Elisabeth Dasch zu verdanken. „Es sind meist nicht die extrovertierten, sondern die stillen Menschen, die aus ihrer Einsamkeit abgeholt werden müssen. Das braucht Zeit, einen langen Atem, aber auch eine Organisation im Hintergrund, die das leisten kann“, sagt Doll. „Gemeinsam und mit einem guten Netzwerk im Hintergrund geht das natürlich viel leichter“, betont er. Dass der Bedarf da ist, hat Dasch bei vielen Apotheken, Ärzten, Physiopraxen und ambulanten Pflegediensten erfahren, die oft die einzigen Gesprächspartner für einsame Menschen sind: „Da habe ich mit unserer Idee offene Türen eingerannt und viele haben sich sofort bereit erklärt, als Projektpartner mitzumachen.“

Als Koordinationsstelle von „Wir schaun vorbei“ agiert der BRK-Kreisverband mit geschultem Personal. Dort sollen sich sowohl Besuchende melden als auch solche, die sich Besuche wünschen. In einem ersten Gespräch wird dann herausgefunden, wo die Chemie am besten passt. Schließlich sollen ja beide Seiten Freude an den Treffen haben. Dabei ist vieles möglich, das kann ein gemütlicher Ratsch, die Teilnahme an Veranstaltungen der Gemeinde oder ein Museumsbesuch sein. Wichtig ist zu wissen, dass „Wir schauen vorbei“ keine Konkurrenz zu bestehenden Diensten ist und auch keine professionelle Hilfe ersetzt.

Ganz kostenfrei funktioniert „Wir schaun vorbei“ allerdings nicht: Pro Stunde sind für den Besuchsdienst acht Euro Aufwandsentschädigung zu berappen. Die gehen komplett an den ehrenamtlichen Helfer. Verzichtet der allerdings darauf, geht der Betrag in einen Topf, aus dem dann Besuche für finanzschwächere Mitbürger gezahlt werden. Als Anschubfinanzierung gibt es von beiden Gemeinden zusammen erstmal 700 Euro.

Das erste Treffen für die Helfer ist am Freitag, 11. Januar, von 10 bis 14 Uhr im Batusa-Stüberl in Holzkirchen. Dabei wird unter anderem über die Initiative selbst und die rechtliche Absicherung informiert. Mittels eines kurzen Erste-Hilfe-Kurses wird zudem erklärt, wie die Ehrenamtlichen schnell und einfach erkennen können, ob nicht doch professionelle Hilfe notwendig ist. Die Koordinierungsstelle von „Wir schaun vorbei“ ist für Besucher und Besuchte ab sofort besetzt (Telefon 08024/4748600) und an 365 Tagen Jahr 24 Stunden geschaltet. Werktags, von 8 bis 17 Uhr, werden die Gespräche persönlich angenommen, ansonsten werden die Anrufe aufgenommen und schnellstmöglich beantwortet. hac

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