Patienten verlassen das Haus

Seit 2008 ist die Krankenanstalt Dr. May in Kreuth schon geschlossen. Seitdem ist nur noch das KfH-Nierenzentrum in dem Gebäude – bis März 2012 – dann ist der Komplex endgültig leer. Foto: Oswald

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SELINA OSWALD, Kreuth – Versteckt liegt das imposante Gebäude der ehemalige Krankenanstalt Dr. May auf einer Anhöhe in Kreuth. Eine baufällige Straße führt zu dem Areal hinauf, welches umgeben von Wiesen und Wäldern ein Idyll für Patienten darstellt. Doch die Anlage ist gespenstisch leer. Aber nicht ganz, denn versteckt hat sich in dem Gebäude das KfH-Nierenzentrum gehalten. Doch am 31. März 2012 wird auch diese Einrichtung in dem Komplex ihren Betrieb einstellen. „Wir bedauern die Schließung des Zentrums natürlich sehr, doch der Zustand lässt es nicht zu, dort weiter Patienten zu empfangen“, sagt Monika Schimmel, Verwaltungsbereichsleiterin des KfH-Nierenzentrums. Bis 1985 war dieses Teil der May-Krankenanstalt, welche wegen Insolvenz schließen musste. Danach stemmte das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation die Stelle in Kreuth selbst. Doch jetzt gibt es laut Schimmel „keine realisierbare Perspektive“ mehr. 27 Jahre lang wurden in Kreuth Menschen mit Nierenschäden behandelt: Blutwäsche, nephrologische Sprech- stunden und Betreuung nach Nierentransplantationen. Doch nicht nur die Insolvenz der Krankenanstalt und die bis heute noch nicht geklärte Nachfolge am Standort lassen es nicht mehr zu, Patienten in Kreuth zu behandeln – besonders der marode Zustand der gesamten Anlage macht den Betrieb unmöglich. „Die Straßen und Gehwege sind sehr schlecht und das gesamte Gebäude ist in einem deutlich maroden Zustand. Letztes Jahr hatten wir einen schneereichen Winter und schon da mussten wir Angst haben, dass das Dach nicht hält“, erklärt Schimmel auf Nachfrage. Das KfH sein zwar zwischenzeitlich bereits für verschiedene Sanierungs- und Renovierungsarbeiten aufgekommen, doch um der Patientensicherheit wegen führe jetzt kein Weg mehr daran vorbei, die Einrichtung zu schließen. Die ausweglose Situation versteht auch Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider: „Die Gemäuer sind schon über 100 Jahre alt, das ist ein Problem. Auch der Käufer wird das erkennen, den kommt es dann sicherlich günstiger, wenn er das Gebäude abreißt und etwas Neues aufbaut.“ Doch wer dieser Käufer sein wird, das steht noch in den Sternen. Denn nicht nur die Gespräche der KfH mit potentiellen Interessenten, Partnern und Entscheidungsträgern vor Ort blieben erfolglos, auch bei der Gemeinde hat sich bis jetzt noch kein Käufer gemeldet. „Wir haben auch schon bei den Investorentagen der SMG für das Areal geworben, doch bis jetzt rührt sich nichts“, sagt Bierschneider. Das, obwohl die Gemeinde mit der zukünftigen Nutzung „sehr großzügig“ sei. „Wir wollen bloß keine Wohnbebauung“, betont der Bürgermeister. Doch was passiert mit den derzeitigen „Bewohnern“, den Patienten? „Die derzeit 22 ambulant behandelten Dialysepatienten können zur Weiterbehandlung in das KfH-Nierenzentrum Miesbach wechseln“, erklärt Schimmel. Seit 2002 werden im Zentrum in der Kreisstadt, das sich im Haus der Gesundheit befindet, Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen behandelt. Patienten mit endgültigem Nierenversagen stehen mit der Hämodialyse und der Peritonealdialyse zwei gleichwertige Behandlungsverfahren zur Verfügung. Außerdem kooperiert das Miesbacher Zentrum eng mit der internistisch-nephrologischen Facharztpraxis von Norbert Thaller. Er und Daniela Soreth-Rieke haben die ärztliche Leitung in Miesbach. Derzeit stehen in Miesbach 15 Plätze für die Behandlung zur Verfügung, wenn das Zentrum in Kreuth endgültig die Pforten schließt, wird die Zahl auf 21 Dialyseplätze erhöht. Auch die fünf Mitarbeiter des KfH-Zentrums Kreuth haben in Miesbach ihre berufliche Zukunft. Die Zukunft des Areals in Kreuth ist noch nicht gesichert. Ab März 2012 ist die ehemalige Klinik wie leergefegt, was auch Bierschneider bedauert: „Es kamen schon immer viele Patienten nach Kreuth und auch viele Gäste zur Feriendialyse.“ Das imposante Gebäude steht dann, genau wie seine natürliche Umgebung, still und verlassen auf der Anhöhe in Kreuth – wenn sich bis dahin nicht doch jemand dazu entscheidet diesen versteckten Ort der Erholung wieder mit Leben zu füllen.

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