Perspektiven mit Schulschach

Eindrucksvoller Aktionstag auf Gut Kaltenbrunn / Uli Hoeneß zu Gast

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FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß (Mitte) stand dem Schachspieler-Nachwuchs Rede und Antwort.

Landkreis/Gmund – Kinder und Jugendliche nachhaltig zu fördern, das hat sich der Schulschachverein Landkreis Miesbach – er wurde vor sieben Jahren ins Leben gerufen – auf die Fahne geschrieben. Inzwischen nehmen jährlich etwa 700 Schüler an den Kursen zum königlichen Spiel teil. Bei einem Aktionstag am vergangenen Sonntag auf Gut Kaltenbrunn wurde das erfolgreiche Schulschach-Projekt mit Familien, Freunden und zahlreichen Ehrengästen gefeiert. Mit von der Partie: Uli Hoeneß.

„Wir freuen uns riesig, den Präsidenten des FC Bayern München bei uns begrüßen zu dürfen“, sagte Diana Steiner, Geschäftsführerin des Schulschachvereins, und hob hervor, dass Hoeneß das besagte Projekt finanziell „sehr großzügig“ unterstütze. Sie machte deutlich, dass der Aktionstag Schulschach vor allem Bewegung bedeute. „Wir bewegen nicht nur die Schachfiguren auf dem Brett, wir wollen etwas bewegen in unserem Landkreis, wir wollen aktiv Perspektiven für unsere Jugend schaffen“, erklärte die Vereins-Geschäftsführerin und fuhr erläuternd fort: „Das war auch das Ziel, als Horst Leckner Anfang 2011 zusammen mit unserem Ersten Vorstand Arnfried Färber unseren Schulschachverein gegründet hat.“ Heutzutage würde vieles in sozialen Netzwerken geteilt. Leckner suche man dort jedoch vergeblich, dafür teile er mit der Jugend wichtige und grundlegende Werte. „Schach ist eine ‚Sprache‘, die auf der ganzen Welt verstanden wird und keine Grenzen kennt. Es ist ein Spiel, das klassenlos ist und über Länder und Generationen hinweg gespielt wird – mit Respekt und Toleranz“, zeigte Steiner weiter auf. Vor dem Schachbrett sei jeder gleich, unabhängig von Herkunft und Umfeld. Fair zu gewinnen gehöre ebenso zum guten Stil, wie dem Schachpartner nach einer Niederlage anständig zu gratulieren. „Unsere Kinder und Jugendlichen lernen, auch mit Rückschlägen umzugehen, erfahren aber auch gleichzeitig Erfolgserlebnisse und diese steigern ihr Selbstbewusstsein enorm“, machte Steiner deutlich.

Die positive Wirkung des Schulschach-Programms spüre man ganz besonders beim neuen Mittelschulprojekt, das im Januar auf Initiative des Lions Clubs am Tegernsee ins Leben gerufen wurde. Wie berichtet, erhielten aus den Mittelschulen Rottach-Egern, Miesbach und Holzkirchen jeweils fünf Schüler ein Stipendium, das sich über einen Zeitraum von vier Jahren erstreckt. Das Stipendium beinhaltet sowohl einen kostenlosen Unterricht in Kleingruppen als auch ein Tablet und individuelle Fördermaßnahmen. „Wir würden dieses Angebot gerne auf alle Mittelschulen im Landkreis Miesbach ausweiten. Leider fehlen uns dafür noch die finanziellen Mittel“, rührte Steiner kräftig die Werbetrommel.

Der Aktionstag Schulschach erfreute sich großer Resonanz.

Hauptsponsor des Schulschach-Projekts ist die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Ebenfalls von Anfang an dabei ist der Lions Club am Tegernsee. Als weitere Fördermitglieder, Sponsoren und Unterstützer nannte Steiner die Fritz- und-Thekla-Funke-Stiftung, die Hubertus-Altgelt-Stiftung sowie den Großteil der Landkreis-Gemeinden.

Schulschach trifft Fußball: Auf Krücken gestützt humpelte der 18-jährige Szymon Tupta aufs Podium. Der erfolgreiche Schachspieler – er widmet sich seit elf Jahren diesem Hobby – hatte sich beim Fußball am Bein verletzt. Tupta erklärte, dass er sich durchs Schachspielen verändert habe. Von einem hyperaktiven Kind sei er zu einem geduldigen und entspannten Menschen herangewachsen. „Schach hat mich geprägt“, erklärte der sympathische Abiturient.

Dann kam Uli Hoeneß auf die Bühne. 54 Titel habe er im Profi-Fußball geholt, ließ Egid Beilhack, der an der Seite von Sabine Kirchmair die Veranstaltung moderierte, Revue passieren. Hoeneß hätte sich in jeder Schlacht geschlagen, sowohl „als Läufer, König und nun als Turm“.

Dass Hoeneß für das Projekt Schulschach gewonnen werden konnte, obwohl er selbst kein Schach spielt, ist Horst Leckner zu verdanken, der für den entscheidenden Impuls gesorgt hat. „Wer akribisch, ehrgeizig und gewissenhaft ist, nicht nachgibt und Rückschläge verkraften kann, wird seine Visionen auch umsetzen“, fasste Hoeneß zusammen. Der Präsident des FC Bayern sah zwischen dem Brettspiel und dem Fußball auch folgende Gemeinsamkeit: „Wenn unsere Trainer ein Spiel vorbereiten oder analysieren, ist das durchaus mit Rasen-Schach vergleichbar.“ Beifall erntete Hoeneß auch für seine Aussage: „Ups und Downs gehören zum Fußball dazu.“

Nach dem Festakt, den die Chorklasse der Realschule Tegernseer Tal musikalisch umrahmte, nutzten die Gäste das mit vielen Attraktionen rund ums Thema Schach gespickte Programm. 

rei

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