Pleite des „Premium-Produkts“

Mit idyllischen Bildern – wie hier beim Ausritt durch das Leitzachtal – warb der Tourismusverband München-Oberbayern. Nun ist er pleite, ein Nachfolgeverband soll gegründet werden. Foto: Hermann Meier/Tourismusverband München-Oberbayern e.V.

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TOM KLOTZ, Landkreis/Fischbachau – Der Tourismusverband München-Oberbayern (TV) ist pleite. Bei einer Überprüfung der Verwendung von Fördermitteln wurden Falschverbuchungen der früheren Geschäftsführerin entdeckt, woraufhin die Fördermittel sofort gestrichen wurden. Der Tourismusverband geriet dadurch in Geldnot. Auch die finanzielle Unterstützung, die einige Kommunen – wie beispielsweise Fischbachau – dem Verband gewährten, konnte eine Insolvenz nicht abwenden. Schon Mitte des Jahres war der Tourismusverband München-Oberbayern kurz vor der Pleite gestanden. Die Bayerische Staatsregierung hatte die Auszahlung von Fördermitteln eingestellt, weil es Ungereimtheiten in den Abrechnungen gegeben hatte. Einige Gemeinden entschieden sich dazu, dem Verband unter die Arme zu greifen, damit er weiterhin zahlungsfähig bleiben konnte. Fischbachau tat das zum Beispiel mit 723,95 Euro. Insgesamt gaben Kommunen rund 250.000 Euro, von denen jetzt noch etwa 100.000 Euro übrig sind. Fischbachau hofft, wenigstens einen Teil zurückzubekommen, wie der Geschäftsführer der Gemeinde, Johann Neundlinger, dem Gelben Blatt sagte. Die Kommune sei sich des Risikos durchaus bewusst gewesen, dass der Verband pleitegeht und das Geld weg ist. Förderprojekte seien vom Aus des Verbandes nicht betroffen. Die Gemeinde achte da sehr genau darauf, erklärte Neundlinger. Anders ging es offenbar beim TV zu: Die EU-Fördermittel, die zugesprochen wurden, sind offenbar nicht zweckmäßig verwendet worden, analysiert der Gemeinde-Geschäftsführer das Problem. Das sei „wie immer mit Fördermitteln: schön, wenn man sie hat, aber sie müssen zweckmäßig verwendet werden. Weil es kommt die Prüfung – und da sieht man ja jetzt, was rauskommen kann“, sagte Neundlinger. Fischbachau und sämtliche anderen Gemeinden des Landkreises sind aus dem TV ausgetreten. Nur die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) und der Landkreis sind noch mit dabei. TTT-Geschäftsführer Georg Overs sagte im Gespräch mit dem Gelben Blatt, dass die TTT deswegen bis auf weiteres im Verband bleibt, weil „Vertragsbeziehungen bestehen“. Außerdem sei man mit dem Prüfungsfortschritt im TV nicht zufrieden. Es wird über eine Neugründung des Tourismusverbandes München-Oberbayern verhandelt. Mögliche Varianten gibt es viele, wie zum Beispiel die Idee einer Aufspaltung in vier kleine Verbände. Der TV München-Oberbayern war der größte deutschlandweit. Als nahezu sicher gilt, dass es einen Nachfolgeverband geben wird. Overs sagte: „Wir brauchen einen Verband auf oberbayerischer Ebene.“ Das sieht Neundlinger genauso. Und auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (CSU). In einer Pressemitteilung sieht Zeil die Chance zum Neuanfang: „Die Destination Oberbayern ist ein touristisches Premium-Produkt, das seit Jahren beeindruckende Wachstumszahlen aufweist und 2012 auf ein Rekordergebnis zusteuert. In den ersten acht Monaten 2012 stieg die Zahl der Ankünfte nach Angaben des Statistischen Landesamtes mit 9,4 Millionen um weitere 5,7 Prozent gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres. Vor dem Hintergrund dieser Stärke bin ich zuversichtlich, dass der Neuanfang gelingen wird. Die Insolvenz bedeutet nicht das Ende des traditionsreichen oberbayerischen Tourismusverbands.“

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