Das Pokern lohnt sich im Tollhaus am Ufer

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JÖRG WEDEKIND, Rottach-Egern – „Wer heute nicht dabei war, hat echt was verpasst!“ Franz Sollacher, Organisator des 3. Internationalen Rottacher Stabhochsprung-Meetings, strahlte zu Recht über beide Ohren und wollte am liebsten jeden einzeln umarmen. Auch die dunklen Gewitterwolken, die zwischenzeitlich den Wallberggipfel verhüllten, konnten die ausgelassene Partystimmung der über 500 Zuschauer entlang der Hochsprunganlage im Kurpark nicht stoppen. Zu spannend und zu spektakulär waren die Spitzenleistungen des top-besetzten Starterfeldes. Dass U 23-Europameister Raphael Holzdeppe dann auch noch mit 5,80 Metern eine neue Meeting-Bestleistung aufstellte, war quasi das berühmte Tüpfelchen aufs „i“. Für die deutschen Stars galt es natürlich in erster Linie, die vom DLV festgelegte EM-Norm von 5,70 Metern zu bewältigen. „Das Saisonziel ist logischerweise Barcelona“, grinste Modellathlet Holzdeppe umso verschmitzter angesichts seiner eingestellten Bestleistung. Dabei sah das Ganze zu Beginn noch gar nicht gut aus. „Ich fühlte mich irgendwie unwohl!“ Erst im dritten Versuch übersprang Holzdeppe seine Anfangshöhe von 5,55 Metern, und man fühlte regelrecht die Befreiung danach. US-Meister Mark Hollis, Vorjahressieger Jason Colwick und der mit 2,09 Meter längste Hochspringer der Weltklasse, Jeremy Scott, konterten prompt mit 5,65 Metern. Richard Spiegelburg, vor zwei Jahren noch erster Sieger am Tegernsee, schaffte diesmal nur 5,45 Meter. Der Dormagener Karsten Dilla, der Grieche Filippidis und der Mexikaner Lanaro blieben bei übersprungenen 5,55 Meter hängen. Als die Latte schließlich auf 5,70 Metern lag, war die Spannung fast schon mit Händen zu greifen. Fabian Schulze von der LG Stadtwerke München schaffte mit lautem Jubelschrei als erster die Qualihöhe für Barcelona. Unterstützt vom rhythmischen Klatschen der hellauf begeisterten Zuschauer und dem Beat der Black Eyed Peas folgte ihm Raphael Holzdeppe postwendend. Da wollte der vierte der Weltjahresliste, Mark Hollis, nicht nachstehen. Der symphatische US-Boy ließ sich vom Zillertaler Hochzeitsmarsch stimulieren und überquerte im dritten Versuch ebenfalls die Latte. 5,75 Meter wurde dann von Raphael Holzdeppe zur „Pokerrunde“ erklärt – er ließ diese Höhe einfach aus. Während Hollis die Spannung aufrecht erhielt, diese Höhe ebenfalls meisterte und damit in Führung ging, scheiterte Schulze leider dreimal klar. „Bei Fabi war nach Erreichen der EM-Norm die Spannung einfach draußen“, zeigte sich Papa Günther trotzdem mehr als zufrieden mit seinem Filius. „Ein perfekter Sprung“, so Holzdeppe selbst, sollte schließlich die Entscheidung eines außergewöhnlichen Wettbewerbs bringen. Mit seiner fast schon aufreizenden Lockerheit, gepaart mit der für einen 20-Jährigen bereits sensationell ausgereiften Sprungtechnik, überquerte er gleich im ersten Versuch die neue Rekordmarke und verwandelte die Rottacher Seestraße endgültig zum Tollhaus. „Mit solchen Leistungen gehören wir absolut zu den großen Events“, war sich Franz Sollacher sicher, vergaß aber nicht die vielen fleißigen Bienen, die bereits ab 4 Uhr früh dafür gesorgt hatten, dass die Veranstaltung perfekt ablaufen konnte. „Was der Stefan Buchberger mit seinen Helfern da hingezaubert hat, ist genauso Weltklasse!“ US-Meister Mark Hollis und Raphael Holzdeppe werden im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder kommen. Und wer sich im Landkreis so was dann wieder entgehen lässt, dem ist dann einfach nicht mehr zu helfen.

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