Politiker, Unternehmer und Medien plauschen über Zukunftsfragen

Mehr „Maß und Ziel“

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Über die Herausforderungen im Bereich Digitalisierung diskutierten (v.l.) Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Gabi Zedlmayer (Vicepresident von Hewlett Packard), Michael Kerkloh (Arbeitsdirektor der Flughafen München GmbH) und Moderator Wolfram Weimer.

Rottach-Egern – Die Gästeliste des ersten Ludwig-Erhard-Gipfels im Rottacher Seeforum las sich wie das „Who‘s who“ der oberen 10.000. Politiker und Professoren, Unternehmer, Finanzprofis und Medienvertreter diskutierten im Geiste von Erhards Sozialer Marktwirtschaft über die Zukunft.

 Weniger Pessimismus und mehr „Maß und Ziel“ sollen Deutschland rüsten. Medienunternehmerin Christiane Goetz-Weimer begrüßte beim ersten Ludwig-Erhard-Gipfel zum „Neujahrsempfang der Freigeister“. Es gehe vor allem darum, hier ins Gespräch zu kommen. Dazu gab es einige Vorträge, die zur Diskussion anregen sollten. So blickte der Zukunftsforscher Professor Ulrich Reinhardt auf das, was Deutschland bevorsteht. „Die Zukunft wird durchweg besser sein als die Gegenwart“, behauptete er im Hinblick auf die finanzielle Stellung der Bevölkerung. Jedoch gebe es vier gravierende Zukunftsprobleme, derer man sich annehmen müsse. Dazu gehören der demographische Wandel, der Klimawandel, die Schere zwischen Arm und Reich sowie die neuen Medien. Hierzu wusste auch Jungunternehmer Philipp Riederle, von der Bundesregierung als einer der führenden „Digitalen Köpfe Deutschlands“ ausgezeichnet, zu berichten. Der 21-Jährige forderte: „Das Thema Medienkompetenz sollte massiv vorangetrieben werden.“ Weil das Thema neue Medien und Digitalisierung der Gesellschaft als so wichtig erachtet wurde, versprach Bundesminister Alex­ander Dobrindt (CSU) eine Digitalisierungsoffensive in naher Zukunft. Denn da „steckt der Wohlstand drin“, befand der CSU-Politiker im Hinblick auch auf Erhards Soziale Marktwirtschaft.

Ebenso zeigte sich die bayerische Wirtschaftsministerin und CSU-Kollegin Ilse Aigner für das Thema aufgeschlossen. „Es geht natürlich um Infrastruktur, aber auch um Knowhow“, erklärte Aigner die 20 neuen bayernweiten Professuren im Forschungsbereich Digitalisierung. Darüber hinaus sprach sie auch über die Flüchtlingsproblematik. Die derzeitige Situation sei unbefriedigend, vor allem, weil bestehendes Recht, wie das Dublin-III-Abkommen, keine Anwendung fände. Um eine Bildung von Parallelgesellschaften zu vermeiden, müsse in Integration investiert werden. „Der Handschlag funktioniert aber nur, wenn beide Seiten die Hand geben“, betonte Aigner. Und: China, Iran und Russland dürfe man nicht als politische und wirtschaftliche Partner vernachlässigen, denn „ohne diese Länder wird es keine Lösung geben in einer der größten Herausforderungen, die wir zu lösen haben: die Flüchtlingsproblematik“. Bei den Vorträgen und Podien wurde immer wieder betont: Wohlstand muss erst verdient werden, um dann umverteilt werden zu können. Dem konnte Luise Gräfin von Schlippenbach, Erhards ehemalige Pressereferentin, nur beipflichten. Er „war gegen jede Erweiterung seines eng gesetzten Sozialstaates“ gewesen, sagte die 93-Jährige und klärte über die heutige Fehlinterpretation von „Wohlstand für alle“ auf. Sie forderte: „Maß halten bei den Löhnen, Maß halten bei den Preisen. Und vor allem: Maß halten bei den Ansprüchen.“ Bevor Professor Horst Teltschik seine Laudatio auf Michail Gorbatschow hielt, der vor einigen Tagen aus gesundheitlichen Gründen den Freiheitspreis der Medien in Moskau und nicht am Tegernsee überreicht bekommen hatte, diskutierte ein hochkarätig besetztes Podium über den Wert der Freiheit. Hierbei befand Wolfgang Kubicki (FDP), dass sowohl Unternehmern als auch Verbrauchern mehr Souveränität zugestanden werden sollte. „Ich bin Nichtraucher. Aber wenn es grundsätzlich verboten wird, fange ich an“, witzelte der Kieler, was sogar von kirchlicher Seite beklatscht wurde. Abtprimas Notker Wolf erklärte: „Ich möchte in unserer Gesellschaft den Respekt und die Freiheit des anderen wahren.“ Der Staat könne niemanden vor allen Gefahren schützen: „Sicher bin ich dann, wenn ich die Freiheit habe, auch noch selber zu denken.“ Schlussendlich waren also sowohl Politiker als auch Kirchenvertreter, Finanzjongleure und Medienschaffende überzeugt: Jeder hat es zunächst selbst in der Hand, wie er die Zukunft gestaltet – ganz im Sinne Erhards.   tk

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