Polizei warnt vor Betrug

Mehr Betrugsfälle: Fast 500.000 Euro Schaden in drei Monaten in der Region

Kriminalrat Gerrit Gottwald
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Kriminalrat Gerrit Gottwald, Präventionsbeauftragter des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd, warnt vor Trickbetrug.
  • VonKatja Schlenker
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Landkreis – Die Zahl der Betrugsfälle mittels rechtswidrig erlangter Daten im Online-Banking steigt enorm an, teilt das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd mit.

Enorme Schadenssummen und steigende Fallzahlen im Bereich Online-Banking bereiten Banken, Sparkassen und der Polizei derzeit Grund zur Sorge. Vermehrt versuchen Straftäter offenbar kontaktlos an Erspartes zu kommen und starten eine regelrechte Betrugsoffensive. Geschickt entlocken sie ihren Opfern sensible Daten und Transaktionsnummern.

Knapp 500.000 Euro Vermögensschaden mussten Opfer alleine in den vergangenen drei Monaten von November 2020 bis einschließlich Januar 2021 im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd hinnehmen. „Das Phänomen ist grundsätzlich nicht neu und unterläuft die sehr guten technischen Sicherheitsmaßnahmen des Online-Bankings, indem es nicht bei der Technik, sondern beim Menschen ansetzt“, teilt Andreas Guske vom Sachgebiet Kriminalitätsbekämpfung-Prävention mit. „Die Täter haben ihre Vorgehensweise in den vergangenen Monaten jedoch deutlich professionalisiert, was ein Grund für die enorm steigenden Schadenssummen sein dürfte.“ Ein weiterer Grund dürfte sein, dass Telefon- und Online-Betrügereien pandemie-bedingt derzeit den effektivsten Weg darstellen, um an das Vermögen anderer Leute zu kommen.

Die Vorgehensweise der Täter

Oftmals wird der Betrug per E-Mail eingeleitet. So in die Irre geführte Kunden befüllen gefälschte Internetseiten, die den Originalseiten ihrer Hausbank zum Verwechseln ähnlich sehen, woraufhin sich die Täter per Telefon melden. „Natürlich erscheint im Display des Kunden auch die Telefonnummer der eigenen Bank, was heutzutage über das sogenannte Spoofing kein Problem mehr darstellt“, erklärt Andreas Guske. „Der nette, aber falsche Bankmitarbeiter fragt dann weitere Daten und TAN ab und kann im Anschluss wie der Kontoinhaber agieren.“

Die ältere und ebenfalls immer noch sehr erfolgreiche Methode ist die, dass Opfer von falschen Bankmitarbeitern kontaktiert und zur Preisgabe von Daten unter Druck gesetzt werden. So heißt es im Telefonat, dass es Unstimmigkeiten mit dem Konto gebe, möglicherweise sei es gehackt worden oder etwas ähnliches. Und nun bräuchte man die Login-Daten und auch TAN, um alles wieder in Ordnung zu bringen und den Kunden zu verifizieren.

„Alleine in der ersten Woche des Jahres 2021 gelang es Tätern, einen Mann aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen um knapp 60.000 Euro per Überweisung zu betrügen und einer Frau aus dem Landkreis Rosenheim sogar 90.000 Euro zu entziehen“, erklärt Kriminalrat Gerrit Gottwald, Präventionsbeauftragter des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd. „Ebenfalls über 60.000 Euro Verlust musste ein Mann aus Freilassing hinnehmen und einen Chiemgauer setzten die Betrüger während einer Autofahrt wegen seines angeblich gehackten Kontos so unter Stress, dass er nach Übermittlung seiner Daten knapp 30.000 Euro verlor.“ In all diesen Fällen schafften es die Täter, nur durch das sehr geschickte Entlocken von Login-Daten oder Transaktionsnummern enormen Vermögensschaden zu verursachen. Dagegen helfe auch die beste technische Sicherung nicht.

„Unsere wesentliche Botschaft an alle Nutzer des Online-Bankings lautet: Ihre Bank wird von Ihnen nie telefonisch oder per E-Mail die Herausgabe von Login-Daten oder TAN verlangen“, erklärt der Kriminalrat.

Diese Tipps hat die Polizei:

  • Vergewissern Sie sich, mit wem Sie es zu tun haben. Überprüfen Sie die Adressleiste in Ihrem Browser genau.
  • Übermitteln Sie keine vertraulichen Daten wie Passwörter oder TAN per E-Mail oder Telefon. Auch ein Bank- oder Sparkassenmitarbeiter wird Sie niemals nach einer TAN fragen.
  • Folgen Sie keinem Link, insbesondere nicht aus einer E-Mail. Öffnen Sie Seiten immer nach selbständiger Suche. Gehen Sie den gewohnten Weg zu Ihrem Online-Banking-Konto.
  • Geben Sie persönliche Daten nur bei gewohntem Ablauf innerhalb der Online-Banking-Anwendung Ihres Kreditinstituts an. Sollte Ihnen etwas merkwürdig vorkommen, beenden Sie die Verbindung und kontaktieren Sie Ihre Bank.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen! Legen Sie auf und kontaktieren Sie Ihre Bank mit selbst gewählter Nummer.
  • Verständigen Sie die Polizei über 110! Sie haben den Verdacht, dass etwas nicht richtig läuft? Scheuen Sie nicht, die Polizei anzurufen.

ksl

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