„Wir waren erfolgreich“

Positive Bilanz nach zwei Jahren Krisendienst Psychiatrie in der Region Miesbach

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Josef Mederer (2.v.l.) zog zusammen mit (v.l.) Waltraud Frank, Michael Landgrebe und Günter Kottek eine positive Bilanz nach zwei Jahren Krisendienst Psychiatrie.

Agatharied – Wer in eine seelische Notlage gerät, benötigt schnell Hilfe. Kompetent und unkompliziert. Das bietet der Krisendienst Psychiatrie des Bezirks Oberbayern. Über die Rufnummer 0180/6553000 ist der Dienst rund um die Uhr erreichbar. In der Region startete das Hilfeangebot im April 2017. Bezirkstagspräsident Josef Mederer zog am vergangenen Dienstag bei einem Pressetermin in der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied eine durchweg positive Bilanz.

„Es bestätigt sich, dass Betroffene allein durch ein Telefonat wieder zur Ruhe finden können“, sagte Mederer. Die Anrufer, eben Betroffene selbst sowie Angehörige, landen zunächst bei der zentralen Leitstelle des Krisendienstes. Diese wiederum arbeiten mit Netzwerkpartnern vor Ort zusammen. Ist mehr als telefonische Hilfe nötig, machen sich mobile Einsatz-Teams auf den Weg. Ob am Telefon oder vor Ort, die Helfer versuchen, deeskalierend zu wirken. So können Zwangseinweisungen häufig vermieden werden,

Mederer sprach von einem „Meilenstein“, der erreicht wurde. Denn „Zwangseinweisungen sollen die Ausnahme von der Ausnahme bleiben“, betonte der Bezirkstagspräsident. Auch Michael Landgrebe, Chefarzt der kbo-Lech-Magfall-Klinik Agatharied freut sich über das Angebot. „Wir waren von Anfang an als Netzwerkpartner dabei“, erzählte er. Dass es nun einen Dienst gibt, der auch vor Ort helfen und beraten kann, sieht Landgrebe als „großen Fortschritt“. Denn „als Arzt kann ich ja die Klinik nicht einfach verlassen“. Zudem sei beim Krisendienst Psychiatrie „die Schwelle sehr viel niedriger“. Zum Telefonhörer zu greifen fällt leichter, als einen Arzt oder eine Klinik aufzusuchen. Es sei bereits viel erreicht, Landgrebe erwartet darüber hinaus noch große Fortschritte.

„Wir waren erfolgreich“, fasste Mederer zusammen und bekräftigte, dass die Entwicklung des Angebots noch lange nicht beendet ist. So ist der Krisendienst Psychiatrie rund um die Uhr erreichbar, eine persönliche Beratung durch den sozialpsychiatrischen Dienst ist von Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr möglich. Und mobile Einsatzteams stehen werktags von 9 bis 21 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen zwischen 13 und 21 Uhr zur Verfügung. „Ziel ist auch hier, den mobilen Einsatzdienst rund um die Uhr vorzuhalten“, sagte Mederer. Dafür ist schon jetzt ein großes Netzwerk nötig. Derzeit, sagte Mederer,“ brauchen wir für den Bereich Miesbach 60 Menschen, die parat stehen“. Rund die Hälfte sind Mitarbeiter der Caritas, die mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) als Partner dabei ist. In den vergangen zwei Jahren waren es nur zwei Menschen, „die wirklich in eine Klinik mussten“, berichtete Waltraud Frank über die erfolgreiche Arbeit des SpDi. In allen anderen Fällen sei es gelungen, eine Einweisung zu vermeiden. Frank lobte die Qualität des Angebots, sprach aber zugleich von einem Spagat für die Mitarbeiter. Sie müssen neben ihrer normalen Arbeit abrufbereit sein“.

117 Anrufe aus dem Landkreis Miesbach verzeichnete der Krisendienst Psychiatrie im vergangenen Jahr, 21 Mal war eine persönliche Beratung durch den SpDi nötig. Wenn ein mobiles Einsatzteam einen Betroffenen aufsucht, dauert die Beratung durchschnittlich 100 Minuten. Wie wichtig es ist, sich im rechten Moment beraten zu lassen, weiß Günter Kottek vom Vorstand der Oberbayerischen Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener aus eigenem Erleben. Er appellierte eindringlich, Psychiatrie nicht mit Gewalt gleichzusetzen. „Anti-Stigma-Projekte sind wichtig“, stimmte ihm Professor Landgrebe zu. „Die Krankheit kann fast jeden treffen“, sagte Kottek und forderte „viel mehr Aufklärung“. Den Krisendienst nannte er „gut und wichtig“. 7,4 Millionen Euro gibt der Bezirk jährlich für das Angebot aus.ft

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