Der Bahnplaner

Tüftler und Bastler: Peter Tschiesche pflegt Reitplatzböden mit eigener Erfindung

Bahnplaner in Otterfing
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Mit der Eigenkonstruktion am Traktor kann Stallbesitzer Peter Tschiesche seinen Reitplatz in Otterfing einwandfrei begradigen.

Otterfing – Weil die gängigen Modelle Peter Tschiesche von der Reitsportanlage Otterfing nicht gefielen, hat er einen eigenen Bahnplaner konstruiert.

Irgendwann hatte Peter Tschiesche die Faxen dicke. „Die handelsüblichen Bahnplaner, die ich ausprobiert habe, blieben hinter meinen Erwartungen zurück“, bemüht der 64-Jährige sich um eine diplomatische Erklärung. Dabei lächelt er verschmitzt. Tschie­sche, der zusammen mit seinem Sohn Severin und seiner Frau Andrea die Reitsportanlage in Otterfing betreibt, fährt jeden Morgen gegen 7.30 Uhr los, um den Boden der 20 mal 60 Meter großen Reithalle in Schuss zu bringen. Danach sind die kleine Halle mit 15 mal 30 Meter und der Außenplatz mit 30 mal 70 Meter dran.

„Das Problem bei Reitplatzböden: Der Sand wandert“, sagt Tschiesche. Heißt: Durch die Pferdehufe wird der Boden in Richtung Bande katapultiert, also von innen aus der Hallenmitte nach außen an den Rand, die Bande. Ein Grund, warum am Ende des Reittages ein kleiner Graben entstanden ist – der Hufschlag. „Ich muss also sehen, dass ich den Boden nicht nur auflockere, sondern auch schauen, dass ich den Sand wieder von außen nach innen befördere.“ Mit den Bahnplanern, die Peter Tschiesche bislang ausprobiert hat, gelang das aber nur bedingt, sagt er.

Doch Peter Tschiesche – leidenschaftlicher Tüftler und Bastler – wäre nicht Peter Tschiesche, würde er sich mit derlei Unwägbarkeiten abfinden. Immerhin: Einen Heutrockner hat er selbst konstruiert, das Digi-Reitbuch für den Reitbetrieb programmiert und das Fundament des neuen großen Außenplatzes selbst gebaut. Tschie­sche begann also vor etwa fünf Jahren, einen eigenen Bahnplaner zu entwerfen.

Raffinierte Konstruktion am Otterfinger Bahnplaner

An seinen Bulldog – ein grün-rostiger Deutz-Traktor aus den 1970er Jahren – befestigte er eine normale Pferdeanhängerkupplung, außerdem über den Vorderrädern zwei Rückspiegel: „So kann ich immer millimetergenau sehen, wo mein Planer lang rutscht“, sagt er. Am Schlepper hat er 20 sogenannte Striegelzinken zum Auflockern des Bodens mit einem Durchmesser von 13 Millimetern und etwa 50 Zentimeter Länge angebracht. Höhenverstellbar versteht sich. Die gibt es in jedem Landmaschinenhandel, sagt Peter Tschiesche. „Pro Tag verschleißen die um einen Millimeter.“ Heißt: Einmal im Jahr müssen neue her. „Das ist wenig. Bei vielen gängigen Bahnplanern müssen die alle Vierteljahr gewechselt werden.“

Das Raffinierteste an seiner Planer-Konstruktion kommt aber erst jetzt: 6 Abschieber, 26 Zentimeter breit und 12 Zentimeter hoch, alle nach links und rechts verstellbar. Je nach Bedarf, ob Tschiesche die Halle links oder rechts herum fährt. „Für die Begradigung des Hufschlags ist das eine super Sache“, schwärmt Peter Tschiesche. Das Prinzip: Der äußere Abschieber steht im 45 Grad-Winkel am steilsten ab und holt den an der Bande angehäuften Reitboden nach innen. Er wird dann von den weniger schräg stehenden Abschiebern gleichmäßig verteilt. Etwa vier mal muss Tschiesche so an der Bande entlang fahren, dann ist der Sand auch dort wieder plan und vom Hufschlag des Vortags nichts mehr zu sehen.

2.000 Euro hat die Konstruktion Marke Eigenbau gekostet

Der sich an der Bande angesammelte Reitboden führt indes zu einem Problem: „Durch den Sand entsteht ein enormer Druck, sodass der Planer bei den ersten Malen von der Bande nach innen weggedrückt wird.“ Eigentlich. Denn um das zu verhindern, hat Tüftler Tschiesche vier zuschaltbare Bremsrechen hinter den Striegelzinken angebracht. Die beiden äußeren sind im Einsatz stets oben, die inneren bleiben unten und verhindern, dass der Bahnplaner ins Schlingern gerät. Sie schieben ihn einfach wieder in Richtung Hallenbande. Eine Art Druckausgleich.

Eine Planierplatte, 2,60 Meter breit, am Ende des Hallenplaners zieht den Boden schließlich gerade. „Der ist aus Edelstahl, damit kein Dreck kleben bleibt.“ Gut 2.000 Euro habe ihn seine Konstruktion Marke Eigenbau bisher gekostet. „Aber ich optimiere das ja immer weiter“, sagt er. Da wirkt er dann wie ein kleiner Junge vorm Weihnachtsbaum: „Faszinierend, oder?“ Auch sonst denkt Peter Tschiesche in Details: Weil es auf seinem Deutz häufig staubig ist, hat er einen roten Handfeger dabei, mit dem er Hose und Jacke grob säubern kann. Das Werkzeug ist allerdings im Supermarkt gekauft. cam

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