Energienutzungsplan erarbeitet

Was Rottach-Egern gegen den Klimawandel machen kann

+
Auch über das moderne Seeforum in Rottach-Egern ist diskutiert worden.

Rottach-Egern - Das Thema Klimawandel ist derzeit in aller Munde. Auch Rottach-Egern möchte bis 2035 klimaneutral werden.

Bis 2035 klimaneutral werden: Um dieses Ziel zu erreichen, ist in der Gemeinde Rottach-Egern jüngst ein sogenannter Energienutzungsplan vorgestellt worden. Energiemanager Andreas Scharli und Projektmitarbeiterin Christiane Regauer von der „Energiewende Oberland – Bürgerstiftung für Erneuerbare Energien und Energieeinsparung“ sowie Energietechniker Franz Hagn haben dem Gemeinderat in einem ersten Entwurf die wichtigsten Eckdaten vorgestellt.

In Rottach-Egern wird mit knapp 54 Prozent am meisten im Bereich Wärme Energie verbraucht – danach folgen Verkehr mit rund 30 und Strom mit etwa 17 Prozent. Betrachtet man den letzteren Sektor genauer, zeigt sich, dass mit etwa 56,5 Prozent der Großteil an Strom in privaten Haushalten verbraucht wird. Rund 39 Prozent macht das Gewerbe aus, fast drei Prozent die kommunalen Liegenschaften und nicht einmal ein Prozent die Straßenbeleuchtung. Die gute Nachricht: Tendenziell sinkt der Stromverbrauch leicht, erklärte Regauer. Eine Tendenz ,die sich hoffentlich fortführen wird.

Insgesamt werden pro Jahr in der Gemeinde ungefähr 30 Gigawattstunden verbraucht. Zum Vergleich: Ein Drei-Personen-Haushalt verbraucht in Deutschland im Durchschnitt rund 4246 Kilowattstunden pro Jahr. Die 30 Gigawattstunden entsprechen also etwa 7000 Drei-Personen-Haushalten. Laut den Experten gibt es da durchaus Potenzial. Denn der Anteil an erneuerbaren Energien liegt bei gerade einmal 1,2 Prozent, die über Photovoltaikanlagen generiert werden. Der Großteil an Strom wird über Blockheizkraftwerke erzeugt. Auch im Bereich Wärme liegt der Anteil erneuerbarer Energien lediglich bei 6,7 Prozent. Folglich gibt es noch Luft nach oben, um klimaneutral zu werden.

Wo gehandelt werden muss und wie genau es weitergehen kann, haben die Experten dann an einigen Beispielen aus kommunalen Liegenschaften aufgezeigt. So ist der Stromverbrauch bei Kutschenmuseum und Café Gäuwagerl, Feuerwehr und Falianhaus sowie beim Rathaus selbst recht hoch. Im Bereich Wärme stechen vor allem Grund- und Mittelschule, Kita, Bauhof und erneut das Rathaus sowie Seeforum, See- und Warmbad heraus. Die hohen Werte verwunderten dann doch einige Gemeinderäte. Immerhin sind ein paar der genannten Gebäude erst vor Kurzem saniert worden. Zum Beispiel das Radolinhaus, wie CSU-Rätin Anastasia Stadler anmerkte. „Das haben wir doch gerade erst hergerichtet“, meinte sie. Auch der hohe Stromverbrauch beim Kutschenmuseum erstaunte sie: „Das ist ja der Wahnsinn.“

Jedoch sind die kommunalen Liegenschaften nur die eine Baustelle. Den Großteil verbrauchen die privaten Haushalte in Rottach-Egern. Da hat die Gemeinde weniger Einflussmöglichkeiten. Motivieren könnte zum Beispiel eine Art Abwrackprämie für alte Heiz­anlagen und ein Wettbewerb, wer den ältesten Heizkessel hat, erklärt Andreas Scharli. Auch in Sachen Photovoltaikanlagen gebe es noch viele ungenutzte Flächen, um Ökostrom zu erzeugen. Bis Ende Oktober soll der Energienutzungsplan nun fertiggestellt werden. Dieser beinhaltet dann einen Maßnahmenkatalog und auch einige Was-wäre-wenn-Szenarien, zum Beispiel beim Einsatz verschiedener Brennstoffe und welches Einsparpotenzial sich daraus ergeben könnte.

Nach der Präsentation zeigten sich die Gemeinderäte generell zufrieden. „Ich bin froh, dass die Analyse da ist und wir Fakten haben“, sagte Thomas Tomaschek (Grüne). Aber es gab auch kritische Stimmen, vor allem was die erhobenen Daten angeht. Zum einen sollten diese nochmal überprüft werden, forderte Stadler. Zum anderen stellte sich die Frage, wo diese bei den privaten Haushalten herkommen und wie genau die Werte dann sein können. Zum Teil seien die Daten geschätzt, räumte Energiemanager Scharli ein: „Wir haben am Anfang eine Umfrage gemacht, aber heute will keiner mehr gerne Daten herausgeben.“ Daher sind sowohl anonymisierte Daten der Kaminkehrer, als auch alte Baupläne genutzt worden, anhand derer die Experten den Energieverbrauch in etwa abschätzen können. Dennoch sei die Vorgehensweise recht genau. ksl

Auch interessant

Meistgelesen

So schön war die Leonhardifahrt in Hundham – mit Bildergalerie
So schön war die Leonhardifahrt in Hundham – mit Bildergalerie
Bildergalerie: Markus Söder und Ilse Aigner bei der Leonhardifahrt in Kreuth
Bildergalerie: Markus Söder und Ilse Aigner bei der Leonhardifahrt in Kreuth
Verfolgung wie im Film: Chef der Kreissparkasse schnappt Randalierer
Verfolgung wie im Film: Chef der Kreissparkasse schnappt Randalierer
Kfz-Zulassung und Führerscheinstelle des Landratsamtes geschlossen
Kfz-Zulassung und Führerscheinstelle des Landratsamtes geschlossen

Kommentare