Zum 100. Todestag des Schriftstellers

Wie Rottach-Egern das Erbe Ludwig Ganghofers ehrt

Auch Mitglieder der Familie Ganghofer haben ihrem Vorfahren Ludwig Ganghofer an dessen 100. Todestag in Rottach-Egern gedacht.
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Auch Mitglieder der Familie Ganghofer haben ihrem Vorfahren Ludwig Ganghofer an dessen 100. Todestag in Rottach-Egern gedacht.

Rottach-Egern – Gedenken am Tegernsee: Kunst- und Kulturverein würdigt den Dichter und Schriftsteller Ludwig Ganghofer (1855–1920) zu dessen 100. Todestag.

„Ich bin so glücklich“ – das waren die letzten Worte des Dichters und Schriftstellers Ludwig Ganghofer. Dessen Todestag hat sich am Freitag (24. Juli) zum 100. Mal gejährt. Er verstarb 1920 im Alter von 65 Jahren in Tegernsee und fand auf dem Egerner Friedhof seine letzte Ruhestätte. Ganghofer galt im Kindesalter als Lausbub, gesegnet mit einem Ausmaß an Intelligenz, vielseitigen Interessen und kreativen Fähigkeiten, die sich in seinem späteren Leben voll entfalteten.

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Ihm zu Ehren waren seitens des Kunst- und Kulturvereins Rottach-Egern dieses Jahr einige Veranstaltungen geplant, die der Corona-Krise zum Opfer fallen mussten. Dennoch ist der Verein optimistisch, im November das Stummfilm-Projekt „Der Klosterjäger“ mit der eigens von Thomas Rebensburg komponierten Musik aufführen zu können. Am 100. Todestag ist nun an Ludwig Ganghofer erinnert worden. Er war nicht nur berühmt durch seine Romane und Erzählungen wie „Der Herrgottschnitzer von Ammergau“, „Die Martinsklause“ und „Das Schweigen im Walde“, sondern war auch Fotograf, Zeichner, Zitherspieler, Rad- und Tennissportler sowie Segler, Theaterregisseur, Reitersmann und Jäger.

Vertreter der Ganghofer-Familie und des Rottach-Egerner Gemeinderats sowie Bürgermeister Christian Köck versammelten sich am Freitag in der Kirche St. Laurentius zu einem Gedenkgottesdienst. Musikalisch umrahmt wurde dieser vom Trio Halmbacher-Höß und der Jagdhornbläsergruppe des Bundes bayrischer Berufsjäger. Anschließend wurde ein Kranz am Grab Ganghofers niedergelegt.

Zuvor ergriff Gemeinderat Georg Höß das Wort, der mit Barbara Winkler dem Kulturverein vorsteht: „Wenn man sich mit Ludwig Ganghofer beschäftigt, verschlägt einem zunächst das Ausmaß seines künstlerischen Erfolgs den Atem.“ Bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden geschätzt 35 Millionen seiner Bücher verkauft. Es folgten 50 Verfilmungen seiner Romane. „Ludwig Ganghofer war ein Massenphänomen, was leider in Vergessenheit geriet, weshalb nur das Klischee eines Heimatschriftstellers übrig blieb.“ Dieses Klischee gebe es aber nur in der Vorstellung jener, die über sein Leben zu wenig wissen.

Ludwig Ganghofer habe seinen Erfolg mit einem großen Freundeskreis genossen, für die er legendäre Feste gab. Alles sei bei ihm zusammengekommen, was in Kunst und Literatur seinerzeit Rang und Namen hatte. Er protegierte junge Künstler, setzte sich als Gutachter und Sachverständiger in Zensurverfahren ein. Ganghofer genoss als Vorsitzender der von ihm gegründeten literarischen Gesellschaft in München höchsten Ruf. Die Richter wussten, dass selbst Kaiser Wilhelm II. den Dichter und Schriftsteller über alle Maßen schätzte.

Der politische Ganghofer, 1855 in Kaufbeuren geboren, wird bisweilen auf diese persönliche Nähe zum Kaiser reduziert. In der Tat stand er zum Kaiserreich. Aber dies hinderte ihn nicht daran, eine demokratische Gesinnung zu vertreten und Sozialstaatsutopien zu entwerfen. „Ganghofer war ein Patriot, was ihn nicht daran hinderte, gegen Antisemitismus einzutreten und in seinem Roman Waldrausch dumpfe Fremdenfeindlichkeit bloßzustellen“, berichtete Georg Höß.

Als Schriftsteller sah Ludwig Ganghofer unbestritten seine Aufgabe darin, die Schönheit der Welt, insbesondere der von ihm geliebten Wälder und Gebirgslandschaften in Worte zu fassen – nicht ohne die Katastrophen und Abgründe menschlichen Daseins auszusparen. iv

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