Aus dem Gemeinderat

Warum Rottach-Egern den neuen 5G-Mobilfunk ablehnt

Mit 5G drohen viele weitere Mobilfunkmasten – wie hier in Waakirchen.
+
Mit 5G drohen viele weitere Mobilfunkmasten – wie hier in Waakirchen.

Rottach-Egern – Bedenken wegen 5G hat der Gemeinderat und diskutiert über die Strahlung. Das Gremium lehnt den neuen 5G-Mobilfunk zunächst ab.

Der Ausbau und die Standortsuche für den neuen Mobilfunkstandard 5G soll auf Wunsch des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger (Freie Wähler) auch von der Kommune Rottach-Egern aktiv vorangetrieben werden. Doch die will nicht, solange die Folgen dieser neuen Form der Strahlung nicht abgeklärt sind.

Grünen-Gemeinderat Thomas Tomaschek hatte den Antrag gestellt, sich in der jüngsten Sitzung zum geplanten Ausbau des Mobilfunkstandards 5G zu positionieren. Auch Bürgermeister Christian Köck treibt das Thema um. Er habe bislang zurückhaltend auf den Aufruf reagiert, Standorte für 5G-Sendemasten zu melden – ähnlich wie seine Amtskollegen im Tegernseer Tal, erklärte er. „Ich will erst geklärt haben, welche Gefahren es für Mensch und Tier gibt“, sagte der Rathaus­chef in der Sitzung. „Wir sind heilklimatischer Kurort und dann ist die Strahlenbelastung eventuell so hoch, dass es schwer wird, das Prädikat zu halten.“ Er wolle sich mit diesem Schritt nicht komplett gegen den Fortschritt verweigern, betonte er, die Thematik aber doch lieber vorsichtig angehen.

Sogar das Bundesamt für Strahlenschutz rate zu einem umsichtigen Ausbau, erläuterte Thomas Tomaschek. Städte wie Brüssel, Florenz und Rom sowie die Schweizer Kantone Genf, Waadt und Jura hätten 5G nach einer Testphase sogar komplett gestoppt. Einer seiner Kritikpunkte: In Deutschland sei eine tausendfach höhere Strahlungsmenge erlaubt als zum Beispiel in Österreich. „Es ist nicht so, als würde man von einem 4er- auf einen 5er-Golf umsteigen“, verglich er den bisherigen 4G-Standard mit der neuen 5G-Technologie.

Für 5G spreche, dass Datenmengen schnell verschickt werden können. Für große Unternehmen – die es aber kaum am Tegernsee gebe – ein entscheidender Vorteil, aber für Privatleute kaum von Nutzen. Doch diese wären der Strahlung flächendeckend ausgesetzt, da viele kleine Antennen mit einer Reichweite von zehn bis 30 Metern geplant seien, die an Laternen, Bushaltestellen und Wänden montiert werden sollen, erklärte Tomaschek. „Wir sollten uns daher folgende Fragen stellen: Passt diese Technologie zu unserem Ort? Brauchen wir diese Technologie in unserem Ort? Und können wir den Ausbau von 5G verantworten?“

Die Gemeinderäte zeigten sich dankbar für die zusammengetragenen Informationen und teilten die Einstellung. Am Ende folgte einstimmig der Beschluss, dass Rottach-Egern den ungeprüften Ausbau von 5G wegen der unklaren Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie das Ortsbild kritisch sieht und sich verpflichtet, bei künftigen Anfragen von Mobilfunkunternehmen zum 5G-Ausbau den Gemeinderat zu informieren und in öffentlicher Sitzung darüber zu beraten. ksl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Wanderausflug: Mann (54) bricht in Tegernseer Bergen zusammen
Tödlicher Wanderausflug: Mann (54) bricht in Tegernseer Bergen zusammen
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Zwei weitere Schulklassen in Quarantäne
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Zwei weitere Schulklassen in Quarantäne
Führungswechsel im Medical-Park St. Hubertus in Bad Wiessee
Führungswechsel im Medical-Park St. Hubertus in Bad Wiessee
Betriebsunfall in Gmund: Bauarbeiter (23) in Klinik notoperiert
Betriebsunfall in Gmund: Bauarbeiter (23) in Klinik notoperiert

Kommentare