Nach Kreuth schreitet weitere Gemeinde ein

Wie Rottach-Egern sich gegen Zweitwohnsitze einsetzen will

In Rottach-Egern wird über Maßnahmen gegen Zweitwohnsitze nachgedacht.
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In Rottach-Egern wird über Maßnahmen gegen Zweitwohnsitze nachgedacht.

Rottach-Egern – Geschlossene Jalousien und versperre Türen – dieser Anblick bietet sich oft in Rottach-Egern. Zu oft, wenn es nach dem Gemeinderat geht. Nach der Nachbargemeinde Kreuth will man auch dort nun gegen Nebenwohnsitze vorgehen.

Es geht um einen Grundsatzentscheid, ob Rottach-Egern diesen Schritt gehen will, erklärt Bürgermeister Christian Köck in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Bei rund 18 Prozent liege der Anteil, „wenn wir die Dunkelziffer mitrechnen, wohl bei fast 20 Prozent“. Ergo: Etwa jede fünfte Wohnung in Rottach-Egern ist ein Nebenwohnsitz.

Der Ratshaus­chef spricht sich in der Sitzung klar dafür aus, eine entsprechende Anti-Zweitwohnsitz-Satzung in Angriff zu nehmen, damit kein Missverhältnis entstehe. Jüngstes Beispiel für eine solche Satzung zur „Sicherung der Zweckbestimmung von Gebieten mit Fremdenverkehrsfunktion“ ist Kreuth. Auch Bad Wiessee, ebenfalls am populären Tegernsee gelegen, und Fischbachau denken darüber nach.

Das Problem: Die Gemeinden rund um den Tegernsee sind Touristenmagneten und ziehen daher viele Besucher an. Ortsfremde kaufen gerne Wohnungen zu hohen Preisen und melden diese dann als Nebenwohnsitz an. „Die örtliche Bevölkerung hat dann keine Chance, diese Preise zu bezahlen“, erläutert Bauamtsleiterin Christine Obermüller. Das heißt, Menschen, die vor Ort leben und sich hier eine Zukunft aufbauen wollen, finden kein bezahlbares Grundstück, Haus oder Apartment. Und das, obwohl andere Immobilien im Prinzip verfügbar wären als Hauptwohnsitz.

Bürgermeister: Auch Bauträger unter die Lupe nehmen

Mit dem Beschluss im Gemeinderat wird ein Prozess in Gang gesetzt, bei dem zunächst ermittelt wird, welche Gebiete in der Gemeinde überwiegend touristisch geprägt sind, erklärt Christine Obermüller. Dort werden die Nebenwohnsitze dann genehmigungspflichtig. Die Verwaltung würde eine entsprechende Satzung erarbeiten, über die der Gemeinderat dann abstimmen müsste.

„Wir sind auch gut beraten, die Tätigkeit der Bauträger unter die Lupe zu nehmen“, erklärt Bürgermeister Christian Köck. Oft seien in der Vergangenheit an Stellen, wo kleinere Objekte gestanden haben, größere Häuser mit Eigentums- oder Zweitwohnungen entstanden. So will die Gemeinde künftig auch einschreiten, wenn zum Beispiel ein Gästehausbetreiber keinen Nachfolger findet und seinen Betrieb aufgibt. Dann müsse entschieden werden, ob an der Stelle nicht Erstwohnsitze entstehen könnten.

Auf jeden Fall müsse sich etwas tun, denn mittlerweile falle sogar Besuchern auf, dass teilweise an ganzen Straßenzügen die Fensterläden dicht seien und sich Rottach-Egern verändert habe, wie die Bauamtsleiterin erklärt. „Es ist Wohnraum, der für die Bevölkerung nicht zur Verfügung steht.“ Daher hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, die Satzung anzugehen. ksl

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