Rufbus contra AST

Warum die Holzkirchner FWG mehr Mitsprache bei ÖPNV haben will

Haltestelle Marktplatz Holzkirchen
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Dass ein modernisiertes AST den ÖPNV attraktiv macht, sieht die Holzkirchner FWG nicht. Vielmehr sei das zum tatsächlichen Bedarf der Marktgemeinde ein Quantensprung nach unten.

Holzkirchen – Die Holzkirchner FWG-Fraktion lässt in Sachen Rufbus nicht locker und meldet Zweifel an am verbesserten Anruf-Sammel-Taxi.

Die Nachricht aus dem Kreistag, dass der mühsam erarbeitete Holzkirchner Nahverkehrsplan mit einem durch den Kreis modernisierten Anruf-Sammel-Taxi (AST) praktisch kassiert werden soll, löste im Marktgemeinderat Entsetzen aus. Die FWG Holzkirchen verlangte dazu nun in einer Mitteilung mehr Transparenz und eine engere Abstimmung mit dem Landratsamt Miesbach.

Die Vergleichbarkeit der Systeme Rufbus und AST sei schlicht und ergreifend nicht erkennbar und eklatant. Allerdings wären nach Meinung der FWG die Missverständnisse zwischen dem Landratsamt und dem Team um Bürgermeister Christoph Schmid vermeidbar gewesen.

Unterschiedlicher Zahlen für AST

Laut FWG-Fraktionssprecher Torsten Hensel weisen alleine schon die angenommen Zahlen der Fahrgastbewegungen eklatante Unterschiede auf. So geht das Landratsamt Miesbach für den gesamten Landkreis für das verbesserte AST von einer Nutzungszahl von 9.000 pro Jahr aus. Das von der Marktgemeinde beauftragte Büro „door2door“ habe hingegen alleine für Holzkirchen knapp 44.000 Buchungsanfragen prognostiziert. Auf den Landkreis hochgerechnet wären das rund 200.000 jährlich.

Zudem seien die Fahrtkosten des AST weit von denen weg, die Holzkirchen für einen attraktiven ÖPNV anstrebt. So kostet laut Hensel derzeit eine Fahrt mit dem AST von der Schule in Großhartpenning zum Bahnhof in Holzkirchen für einen Erwachsenen satte 7,50 Euro. Beim Holzkirchner Modell wären lediglich 2 Euro zu berappen.

FWG fordert vertiefte Machbarkeitsstudie

„Die Bürger erwarten eine gut begründete Entscheidung, ob für sie bald nur ein verbessertes AST oder ein moderner Rufbus fährt“, verlangte Hensel. Seine Befürchtung ist, dass der künftige ÖPNV in der Marktgemeinde weder günstiger wird, noch die erhoffte Verkehrs­entlastung bringt.

Diese missliche Situation wäre laut Hensel aber vermeidbar gewesen. Die FWG wollte sich von Anfang an nie auf nur ein Modell eines Bedarfssystems konzentrieren und habe für eine vertiefte Machbarkeitsstudie oder Modelle wie das MVV-Ruftaxi im Landkreis Fürstenfeldbruck oder das „Baxi“ im Landkreis Tirschenreuth geworben.

Credo „Tempo, Takt und Tarif“ in Gefahr

„Es war fahrlässig, keine Alternativen zu door2door auszuarbeiten“, stellt Hensel fest. Alleine deswegen schon, weil das Holzkirchner Modell nicht auf den gesamten Landkreis übertragbar ist und zwei parallel laufende Systeme kaum realistisch sind.

Die Umsetzung des von Bürgermeister Schmid oftmals angeführten Credos Tempo, Takt und Tarif sieht Hensel jedenfalls gefährdet: „Viel Zeit bleibt dem Bürgermeister nicht mehr, um nachweisen, dass er ÖPNV kann.“ Die FWG wolle sich aber gerne weiterhin für eine bestmögliche Lösung einsetzen. hac

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