„S“ schafft Möglichkeiten

Siegerentwurf für den Landratsamt-Ersatzbau überrascht mit seiner Form

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Der Ersatzbau fügt sich ein. Das Modell des Siegerentwurfs präsentierten Ludwig Karl (l.) und Luis Gutiérrez Següillo (r.) vom Architekturbüro „karlundp“ mit Landrat Wolfgang Rzehak.

Miesbach – Das Landratsamt hat seinen Siegerentwurf für seinen Neubau gefunden. Geliefert hat ihn das Architekturbüro „karlundp“ aus München, überzeugt hat er mit einer überraschenden Form. „Auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich“, gab Architekt Ludwig Karl zu. Die Form bezeichnet er als „S oder windradartig“. Diese Gestaltung ermöglicht ein unerwartet offenes Areal, das beim gesamten Preisgericht gut ankam.

Zwei Tage waren für die Bewertung der insgesamt 25 eingegangenen Entwürfe angesetzt. Doch schon nach einem Tag hatte die Jury ihren Favoriten gewählt. Trotzdem: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Landrat Wolfgang Rzehak bei der Präsentation am Donnerstag. Er zeigte sich angetan von den „vielen faszinierenden Ideen“, die eingereicht wurden. Deshalb gibt es für ihn auch keinen Zweifel mehr, dass es richtig war, einen Architektenwettbewerb zu starten. „Wir würden es wieder so machen“, bekannte er. Auch lobte Rzehak, wie alle anderen Beteiligten, die gute Atmosphäre im Preisgericht. „Wichtig ist immer, einen Konsens zu finden“, erklärte Jakob Oberpriller, der den Wettbewerb geleitet hatte. Und wie bei der Präsentation zu erkennen war, haben die Juroren mehr gefunden als einen Plan, mit dem „alle leben können“, wie Rzehak minimalistisch formulierte. „Städtebaulich deutlich über den anderen Entwürfen“, lobte Kreisbaumeister Werner Pawlovsky. Die außergewöhnliche Form nannte er sogar den „großen Wurf“. Dadurch öffne sich zum einen der Innenhof zur Münchner Straße hin, zum anderen sind die Gebäude niedriger geplant als bei den Konkurrenten. „Sie stufen sich nach hinten ab“, erklärte Oberpriller. Der an der Münchner Straße liegende Flügel hat vier Vollgeschosse, hinten sind es drei. „Alle anderen Entwürfe hatten vier oder fünf Geschosse“, sagte Pawlovsky.

Wie Architekt Ludwig Karl erklärte, erscheine der Entwurf seines Modells nicht wie ein, sondern wie zwei große Baukörper. Der an der Münchner Straße gelegene „artikuliere“ einerseits die Straßenkante und bilde zugleich einen Abschluss des gegenüberliegenden freien Klosterareals. Im schmalen Verbindungsbau entsteht ein großes Foyer, „wo sich die Öffentlichkeit gut orientieren kann“, erklärte Karl. Die bestehenden und die neuen Gebäude des Landratsamtes umgeben einen „großen Gartenhof, dem Hof des Landratsamtes“, wie Karl sagte. Der Baumbestand inklusive der prägenden Rotbuche bleibt weitestgehend unberührt.

Der Siegerentwurf in S-Form schafft eine Einheit des Landratsamtes. Die Gebäude umgeben einen großen Innenhof.

„Der Siegerentwurf“, erklärte Kreiskämmerer Gerhard de Biasio, „hat mit die geringsten Verkehrsflächen“. Somit dürfte er sowohl bei den Bau- als auch den Unterhaltskosten ebenfalls punkten. Insgesamt sind für den Neubau sowie für die nördlich geplante Wohnbebauung inklusive Tiefgarage 30 Millionen Euro vorgesehen. Größtenteils sei die Finanzierung „aus Eigenmitteln“ möglich, wobei de Biasio durchblicken ließ, dass vieles dafür spreche, den Bau auf einmal und nicht in mehreren Schritten durchzuziehen. Unter anderem spare sich der Kreis die mehrmalige Baustellen-

einrichtung. Die Entscheidung habe aber der Kreistag zu treffen. Ebenso ist noch nicht sicher, dass der Siegerentwurf und nicht doch Platz zwei realisiert werde. Zunächst sind detailliertere Planungen und europaweite Ausschreibungen nötig. „Aber natürlich hat der erste Preis jetzt einen Punktvorteil“, machte Wettbewerbsleiter Oberpriller klar. Als Einzugstermin ist 2022 anvisiert.

Wie dringend ein Ersatzbau nötig ist, hatte zuvor Landrat Rzehak nochmal deutlich gemacht. Derzeit ist seine Behörde auf acht Außenstellen verteilt. „Das ist für die Bürger verwirrend“, sagte er. Zugleich bedeute das schwierige Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Und wegen maroder Bausubstanz sind Teile des ehemaligen Landwirtschaftsamtes gar nicht nutzbar. Der Modernisierungsbedarf ist hoch, Barrierefreiheit häufig nicht gegeben. Angesichts der großen Mängel sei es nicht sinnvoll, zu sanieren. „Die einzig realistische Lösung ist ein Ersatzbau“, stellte Rzehak klar.

Das Team der „wittfoht architekten bda“ hat diesen in U-Form geplant, im rechten Winkel zur Münchner Straße. Diese klare Kante wurde aufgenommen, erklärte Petra Stojanik von dem Stuttgarter Büro. Wie beim Siegerentwurf würde viel mit Holz gearbeitet , allerdings wäre der Komplex durchgehend viergeschossig. Die Pläne landeten auf Platz zwei.

Hinter den beiden Siegerentwürfen erkannten die Juroren „eine gewisse Lücke“, wie Oberpriller sagte. Deshalb wurden auch nur zwei statt drei Preise – 100.000 Euro für den Sieger, 60.000 Euro für Platz zwei – vergeben. Für besondere Ideen wurden noch vier Entwürfe mit je 10.000 Euro als Anerkennungspreise honoriert.

Alle 25 eingereichten Pläne sind derzeit ausgestellt und noch bis zum morgigen Sonntag im Sitzungssaal in Haus H des Landratsamtes (Wendelsteinstraße 1) zu sehen. Geöffnet ist am heutigen Samstag von 9 bis 15.30 Uhr und am Sonntag von 9 bis 13 Uhr. 

ft

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