Marktgemeinderat Schliersee übt Kritik

Hotel-Projekt in Neuhaus ist vielen zu groß

Der Gemeinderat entschied sich gegen den Bebauungsplan für das Projekt in Neuhaus a n der Stolzenbergstraße. Größter Kritikpunkt: die Größe.
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Der Gemeinderat entschied sich gegen den Bebauungsplan für das Projekt in Neuhaus a n der Stolzenbergstraße. Größter Kritikpunkt: die Größe.

Schliersee - Das Hotelprojekt in Neuhaus steht wegen seiner Größe in der Kritik. Der Marktgemeinderat hat das Vorhaben deshalb vorerst abgelehnt.

In einer Sondersitzung des Schlierseer Marktgemeinderats in der Vitalwelt stellten Initiator Wolf-Dieter Roetzer und Architekt David Cook ihre Pläne für das Bio-Hotel-Projekt an der Stolzenbergstraße vor. Obwohl das nachhaltig geplante Vorhaben in Neuhaus wünschenswert wäre, kam viel Kritik.
Als Roetzer im Januar sein Projekt im Schlierseer Bauausschuss vorstellte, gefiel das Konzept. Hauptsächlich an der ausreichenden Anzahl der Parkplätze wurde damals gezweifelt. Die Anzahl der Betten wurde seit dem ersten Besuch im Schlierseer Bauausschuss 2019 bereits von 135 auf 105 Betten verringert. Jetzt stieß Roetzer im Gemeinderat auf mehr Gegenwind. 

Das Konzept mit Gästehaus, Biohotel, vier kleinen Holzchalets, Gesundhaus und Naturteich gefiel (wir berichteten). Dass das Projekt, sobald es einen Bebauungsplan gibt, an einen Investor aus der Region verkauft werden soll, verunsicherte die Gemeinderatsmitglieder jedoch. „Unsere Philosophie muss von Investor und Verpächter mitgetragen werden“, versicherte Roetzer. „Sie verkaufen nur das Konzept, da brauche ich eine Sicherheit“, forderte Gerhard Waas (Grüne). Astrid Leitner (CSU) war nicht allein mit ihrer Meinung, dass das Projekt zu groß für das Grundstück sei. „In dieser Größe und an dieser Stelle – nie im Leben“, wagte sie einen Blick in die Zukunft. Auch für Gabriele Murrisch (CSU) ist das Ganze zu mächtig mit zu wenigen Parkplätzen. Trotzdem sehe sie es als ein tolles Projekt. „Der Grundgedanke gefällt mir“, sagte sie. 

Auch die Anzahl der geplanten Parkplätze entspreche laut Bauamtsleiterin Birgit Kienast nicht der Schlierseer Stellplatzsatzung. Roetzer verteidigte sich mit dem Wunsch einen Vergleich mit anderen bereits bestehenden Projekten anzustellen. „Dagegen haben wir eher sehr viele Stellplätze“, sagte Roetzer. Außerdem sehe sein Mobilitätskonzept eine Anreise mit der Bahn vor. „Wir gehen erstmal davon aus, dass ein Drittel der Gäste mit der Bahn anreist“, erklärte er – der Bahnhof sei ja nur 400 Meter entfernt. In Neuhaus angekommen, sollen die Gäste dann auf eine Auswahl an E-Bikes und Elektroautos zugreifen können. Daran zweifelt Leonhard Markhauser (CSU), der selbst Urlaub auf dem Bauernhof anbietet. „Gerade Kurzurlauber reisen mit dem Auto an“, sagte er. Genau auf Kurzurlauber aber, soll laut David Cook das Hotel ausgerichtet werden. „Unterschiedliche Preisklassen für ein ruhiges und abgeklärtes Publikum“, sagte Cook. 

Für Leitner müsste für ein Projekt dieser Größe auch die Straße verbreitert werden. „Das gibt die Stolzenbergstraße nicht her“, zweifelte sie. Die Lösung dieses Problems gab Philipp Krogoll (Die Schlierseer) den Planern gleich mit auf den Weg: „Die Straßenbreite liegt an Ihnen selbst“, sagte er. Das Grundstück ist tatsächlich fast so lang, wie die entlanglaufende gesamte Stolzenbergstraße. Eine Verbreiterung auf „Hotelgrund“ wäre so durchaus denkbar. Nach den vielen Kritikpunkten stellte Waas klar, dass die Gesprächsbereitschaft aufrecht erhalten bleiben soll. „Das hört sich jetzt so an, als würden wir dem Projekt kritisch gegenüberstehen, das stimmt gar nicht. Es soll nicht an Kleinigkeiten scheitern“, sagte er. Für Rötzer ist ein Entgegenkommen bei der Größe des Projekts schwierig. „Eine gewisse Größe ist wirtschaftlich unumgänglich“, erklärte er. Der Marktgemeinderat stimmte, mit Ausnahme von Ernst Höltschl (SPD), gegen den vorliegenden Bebauungsplan. „Wir setzen uns nochmal zusammen und schauen, ob wir eine gemeinsame Linie finden“, sagte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer hoffnungsvoll.     jw

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