Für Frieden und Versöhnung

Neuen Platz für Annaberg-Gedenktafel in Schliersee gefunden

Annaberg-Gedenktafel am Weinbergkircherl in Schliersee
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Die Annaberg-Gedenktafel wird in eine künstlerisch gestaltete Formstein-Infowand integriert. Pfarrer Hans Sinseder, KBW-Geschäftsführer Wolfgang Foit, Brigitte Huber-Reinthaler (Kirchenverwaltung) und Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (v.l.) zeigten den künftigen Standort am Weinberg.

Schliersee – Immer wieder sorgt die Annaberg-Gedenktafel am Weinbergkircherl in Schliersee für Ärger. Nun soll das Problem endgültig gelöst werden.

„Es ist wichtig, die Tafel nicht einfach verschwinden zu lassen“, findet Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer. Nun ist der Platz gefunden, wo die noch in die Kirchenwand eingelassene Annaberg-Gedenktafel hinkommen soll. Sie wird etwa 30 Meter abseits des Kircherls

auf dem Schlierseer Weinberg in eine künstlerisch gestaltete Formstein-Informationswand eingefügt. Den Standort haben Schnitzenbaumer, Pfarrer Hans Sinseder, Wolfgang Foit, Geschäftsführer des Kreisbildungwerks Miesbach (KBW), und Brigitte Huber-Reinthaler von der Kirchenverwaltung vergangene Woche präsentiert.

Kirche und Gemeinde haben in einem mehrjährigen Prozess erarbeitet, in welcher Form Erinnerung und Gedenken an die Schlacht am Annaberg 1921 in Zukunft möglich sein sollen. „Das rechne ich der Gemeinde und der Pfarrei sehr hoch an“, lobte Foit. Auf demokratischem Weg sei eine Lösung gefunden worden. „Sie haben sich die Mühe gemacht“, sagte Foit – und weiter: „Das ist ganz hervorragend gelaufen in Schliersee.“

Der Weinberg war über viele Jahr Ort eines jährlichen Gedenkens und lockte auch zahlreiche rechte sowie nationale Gruppierungen an. Schließlich formierten sich Gegenbewegungen. „Die Tafel sorgt seit über zehn Jahren für ein Ärgernis“, blickte Schnitzenbaumer. „Es war keine Diskussion mehr, sondern nur Konfrontation“, sagte er und hofft, dass dies nun überwunden ist.

Das Kreisbildungswerk hat den Prozess übernommen, die Geschichte der Gedenktafel aufzuarbeiten und in eine von breiter Basis getragene Zukunft zu führen. Es fanden Vorträge, Workshops und Exkursionen – sogar zum Annaberg in Polen – statt. Jeder Interessierte war eingeladen, sich zu beteiligen, auch sämtliche an den Auseinandersetzungen beteiligten Vereinigungen. „Es war wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen“, erklärte Foit.

Die Vorstellungen, was mit der Gedenktafel passieren soll, waren entsprechend unterschiedlich. „Von komplett verschwinden lassen bis gar nichts tun war alles dabei“, erzählte Pfarrer Sinseder. Das Ergebnis war letztendlich, die Tafel an ihrem jetzigen Ort zu belassen, den Blick darauf jedoch zu stören und ihre Bedeutung in den historischen Kontext zu setzen. Dieser gestalterischen Veränderung stimmte jedoch die Untere Denkmalschutzbehörde nicht zu.

Vertreter des Pfarr- und Gemeinderates, der Kirchenstiftung und des Arbeitskreises einigten sich dann darauf, die Tafel aus der Wand zu entfernen und etwa 30 Meter östlich aufzustellen. Künstler Erwin Franz Wiegerling gestaltet eine Formstein-Informationswand, wo die Tafel eingefügt, kontextualisiert und kommentiert wird. Ein Gedenken des Versöhnens und des Friedens erhoffen sich die Beteiligten.

Bis zum 100. Jahrestag der Schlacht am Annaberg am 21. Mai 2021 soll die Umgestaltung abgeschlossen sein. Hinzu kommen ein pädagogisches Konzept für Schulklassen und Gruppen sowie Ortsführungen. In einer wissenschaftlichen Arbeit werden zudem die Erkenntnisse der Forschungen zusammengetragen. Und jährlich finden bereits am 21. Mai Friedensgedenken in Form von besonderen Maiandachten am Weinbergkircherl statt. ft

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