Plakataktion nach Kranzniederlegung 

Neuer Ärger wegen Gedenkens am Schlierseer Weinbergkircherl

Die Landsmannschaft der Oberschlesier hat einen Kranz niedergelegt, das Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland daraufhin die Gedenktafel mit einem Plakat überklebt.
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Die Landsmannschaft der Oberschlesier hat einen Kranz niedergelegt, das Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland daraufhin die Gedenktafel mit einem Plakat überklebt.

Schliersee – Das Weinbergkircherl in Schliersee ist ein wunderschöner Ort. Doch die Idylle und die traumhafte Lage rücken schnell in den Hintergrund, wenn dieser besondere Ort beinah alljährlich für Ärger sorgt. Auch heuer wieder.

Und das in mehrerlei Hinsicht. Die Landsmannschaft der Oberschlesier hat im Juni einen Kranz niedergelegt, das Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland vermutet ein erneutes „Gedenken an das rechtsradikale Freikorps Oberland“. Und weil nach Auffassung des Bündnisses wenig zu sehen ist von einer historischen Einordnung der Gedenktafel in der Kirchenwand, wurden die Aktivisten selber tätig. Sie haben die Tafel mit einem Plakat überklebt, auf dem steht: „Willkommen zur Kultstätte der rechtsradikalen Bewegung“. Und weiter: „Hier trafen sich über viele Jahrzehnte Anhänger*innen der völkisch-nationalistischen Bewegung von NSDAP bis hin zu jungen Neonazis - sie huldigten ihren Kämpfern.“ 

Die Aktion wiederum kam bei Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer nicht gut an, er findet es „schade, dass jetzt wieder einseitig Stimmung gemacht wird“. Für ihn ist das ein Zeichen, dass seitens des Bündnisses kein Interesse bestehe an einer sachlichen Aufarbeitung. Dieser Herausforderung stellten sich eine Reihe Beteiligter. Unter Federführung des Kreisbildungswerks (KBW) fanden Vorträge, Exkursionen und Diskussionen statt, wie mit dem Gedenken umzugehen sei. Die Präsentation der Ergebnisse fand 2019 statt, an der Umsetzung wird weiter gearbeitet. Ein sichtbares Zeichen sind die seither stattfindenden feierlichen Maiandachten, zuletzt am 21. Mai dieses Jahres zum Jahrtag der Schlacht am Annaberg, an die die Gedenktafel erinnert. Gebete für den Frieden statt Gedenken an den Krieg ist das Motto. Wie KBW-Geschäftsführer Wolfgang Foit berichtet, wurde im Anschluss an die Andacht „wie schon 2019 das Lied der Schwarzen Madonna von Tschenstochau gespielt und gesungen als Zeichen der versöhnlichen Annäherung an Polen“. 

Von den baulichen Maßnahmen ist aber noch nichts zu sehen. 2021, zum 100. Jahrtag, sollte alles fertig sein. Daran habe sich nichts geändert, sagt Schnitzenbaumer. Das ursprüngliche Vorhaben, die Gedenktafel in der Wand zu belassen, aber durch eine davorgesetzte Scheibe zu stören, scheiterte am Denkmalschutz. Nun soll die Tafel aus der Wand entnommen und etwas abseits aufgestellt werden – inklusive historischer Einordnung. „Man soll sich damit beschäftigen“, erklärt Schnitzenbaumer. Pädagogisches Konzept, wissenschaftliche Aufarbeitung und die weiteren Ideen gerieten ebenfalls nicht in Vergessenheit, wie der Bürgermeister deutlich macht: „Das kommt alles!“ Den Aufarbeitungsprozess lobt auch das damals beteiligte Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland, fürchtet aber, dass jetzt alles beim Alten bleibt: „Aber wenn sich gar nichts bewegt, machen wir was.“     ft

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