Schliersee im Wandel

Online-Angebote und kreative Ideen als Lösung für Einzelhandel?

Ein großer Verlust für Schliersee: Das Traditionsgeschäft „Schuhhaus Riepl“ schließt nach 90 Jahren.
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Ein großer Verlust für Schliersee: Das Traditionsgeschäft „Schuhhaus Riepl“ schließt nach 90 Jahren.

Schliersee – Nach 90 Jahren in Schliersee schließt das Schuhhaus Riepl im Herbst. Nur eines von vielen Beispielen in der Marktgemeinde.

Immer wieder ist in den sozialen Netzwerken zu lesen, dass Schliersee kein attraktiver Einkaufsort mehr ist. Wenn Traditionsgeschäfte schließen müssen, ist das für die Marktgemeinde besonders hart. Aber das hat vielleicht weniger mit der Entwicklung in Schliersee zu tun als mit dem Wandel der Zeit.

Das Schuhhaus Riepl wird nach dem Ausverkauf im Herbst seine Türen für immer schließen. Der Betrieb des klassischen Schuhgeschäfts mit fünf Arbeitsplätzen und zwei Existenzen ist wirtschaftlich nicht mehr rentabel. Ständiger Umsatzrückgang, dazu Corona: Familie Riepl zieht die Reißleine.

„Der Einzelhandel hat es schwer“, sagt Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer. Für große Einzelhandelsgeschäfte ist Schliersee mit seinen rund 7.000 Einwohnern zu klein. Schon als im Herbst 2019 das Trachtengeschäft Siebzehnrübl nach 140 Jahren zumachte, war das Entsetzen in Schliersee groß. „Aber man muss jeden Fall einzeln betrachten“, erklärt Schnitzenbaumer. Für das Traditionshaus Siebzehnrübl gab es einfach keinen Nachfolger, nicht zu wenig Kundschaft. „Nur wenige junge Leute wollen so viel Verantwortung und das Risiko eines eigenen Betriebs übernehmen“, sagt Schnitzenbaumer. Trotzdem gibt es junge Menschen, die diese Herausforderung annehmen und gut meistern.

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„Ich hätte schon früher meinen Laden in Schliersee aufmachen sollen“, lacht Ender Sarbalkan. Er hat während der Corona-Zeit mit seinem Modelabel Zeitlang einen kleinen Laden eröffnet und ist sehr zufrieden. „Schliersee ist ein Tourismus-Ort – das Glück haben wir“, sagt Julia Zilken vom Hoamatgfui Schliersee. „Die Menschen kommen gerne zu uns nach Schliersee, weil es hier schön ist“, erklärt sie. Gerade in der Corona-Zeit sei vieles entstanden. Sie ist immer auf der Suche nach Netzwerken in der Region, und diese Zusammenarbeit hilft ihr. „Schliersee ist im Wandel, es verändert sich“, sagt sie zuversichtlich. „Dafür braucht es kreative Ideen“, ergänzt sie.

Anders als in der Großstadt müssen die Läden hier in Schliersee individueller und persönlicher sein. Alternativ zum gemütlichen Einkauf mit Beratung in ihrem kleinen Laden kann man bei Julia Zilken vieles online bestellen und liefern lassen. Bei vielen gut funktionierenden Läden in Schliersee macht das Online-Geschäft einen großen Anteil aus.

„Es wird sehr viel online gekauft“, weiß auch Schnitzenbaumer. Trotzdem machen immer wieder neue Läden in Schliersee auf und glauben an den Tourismusstandort und vor allem an ihre eigenen Ideen. Die Aufgabe der Gemeinde sieht der Bürgermeister etwa bei der Verschönerung der Bahnhofsstraße, der Entwicklung der Ortsmitte und darin, den Bau eines Hotels zuzulassen, um noch mehr Übernachtungsgäste nach Schliersee zu holen und so den Standort zu festigen. jw

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