Landratsamt: Ziel, am Donnerstag mit allen Häusern fertig zu werden / "Belastungsprobe für alle"

Schneelasten auf den Dächern: Keine Entspannung in Bayrischzell

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In Bayrischzell haben die Einsatzkräfte noch mit dem Schnee zu kämpfen.

Bayrischzell/Landkreis – Der in der vergangenen Woche gefallene Schnee taut langsam aber sicher wieder und wird weiter bergeweise abtransportiert. Die Katastrophenlage im Landkreis entspannt sich zusehends. Im ganzen Landkreis? Nicht ganz, wie das Landratsamtsamt erklärt: In der Gemeinde Bayrischzell bereitet die Schneelast auf den Dächern weiterhin große Probleme.

„Die Einsatzkräfte konzentrieren sich momentan schwerpunktsmäßig auf Bayrischzell. Dort liegt mehr Schnee als in vielen anderen Gemeinden“, erklärt Landratsamts-Sprecherin Sophie-Marie Stadler. Der Schnee ist extrem schwer und hat sich auf den Dächern festgefroren. Schwer wie Beton sei der Schnee, berichten die Einsatzkräfte. „Am Dienstag waren ungefähr 700 Helfer dort mit Schaufeln beschäftigt. Am Mittwoch sind es 800. Zum Vergleich: In Bayrischzell leben ungefähr 1600 Menschen“, sagt Stadler.

Zur Koordination der Einsatzkräfte wurde vor Ort eine extra „Einsatzleitung Bayrischzell“ eingerichtet. Dort entscheidet der Einsatzleiter nach Beratung mit den Baufachberatern des THW über die Abschaufel-Strategie. Dahinter steht ein riesiger logistischer Aufwand: „In Bayrischzell stehen ungefähr 800 Häuser. Viel wurde schon privat, in Nachbarschaftshilfe oder von Einsatzkräften in der vergangenen Woche abgeschaufelt“, sagt Stadler. Trotzdem: Es bleiben noch ungefähr 400 Häuser, die von der Dachlast befreit werden müssen. Darunter sind auch Ställe, die besonders schwierig zu evakuieren wären.

Die Einsatzleitung hat die Gemeinde in 20 ungefähr gleich große Parzellen eingeteilt. Mehrere Baufachberater-Teams sichten die Häuser dann parzellenweise. „Dabei wird pragmatisch vorgegangen: Wenn beispielsweise die ersten Häuser einer Parzelle alle als gefährdet eingestuft werden, gilt das erfahrungsgemäß auch für die nächsten Häuser“, erklärt Stadler. Anschließend verteilt der Einsatzleiter alle Kräfte auf die Parzellen. So schaufelten Bundeswehr-Soldaten aus Murnau beispielsweise die Dächer am unteren Teil der Schlierseer Straße frei. Das Feuerwehrhilfskontingent aus Dachau war in der Tiroler Straße beschäftigt. Drei der 20 Parzellen sind bereits komplett fertig, acht weitere in Arbeit. „Ohne die Hilfe aus ganz Bayern, die wegen des K-Falls anrückte, wäre diese Leistung schlichtweg nicht möglich“, macht Stadler deutlich.

Ein weiteres Problem: In den engen Straßen im Ortszentrum kann der viele Schnee nicht lagern. Er wird deshalb abtransportiert und von Pistenraupen auf die umliegenden Felder verteilt.

Zirka zwölf Prozent der begutachteten Häuser sind nicht gefährdet. „Wessen Haus in eine niedrige Gefährdungskategorie eingestuft wurde, muss sich auf eigenen Wunsch nach wie vor selbst um einen privaten Dienstleister kümmern“, sagt Stadler.

Trotz des enormen Aufwands läuft die große Räumaktion bisher reibungslos. „Alle Einsatzkräfte geben an Tag zehn dieser Ausnahmesituation noch einmal alles. Ziel ist es, am Donnerstag mit allen Häusern fertig zu werden. Es ist eine Belastungsprobe für alle“, betont Stadler. she

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