Schutt und Asche einer Tragödie

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SELINA OSWALD, Neuhaus – Kleidung und Dekogegenstände liegen verstreut auf der Straße, die Hauswand an der nördlichen Gebäudeseite liegt in Schutt und Asche auf dem Grundstück.130 Einsatzkräfte tummeln sich um das zerstörte Haus an der Breitensteinstraße im Schlierseer Ortsteil Neuhaus, wo eine Familien- tragödie ihr schreckliches Ende nahm. Eine 35-jährige Frau hat vergangenen Donnerstag das Wohnhaus mit der Nummer 6a in die Luft gesprengt und sich dabei selbst getötet. Gegen 12.45 Uhr rief die Frau das Jugendamt Miesbach an und kündigte an, ihr Haus jetzt in die Luft zu sprengen. „Ein typischer Fall für einen erweiterten Suizid“, sagt ein Mitglied des Kriseninterventionsteams. Die Mitarbeiterin des Jugendamts versuchte im Gespräch auf die Frau einzuwirken und sie von der Tat abzuhalten, doch die 35-Jährige brach das Telefonat ab. Sofort verständigte die Jugendamtsmitarbeiterin die Polizei. Doch als die Rettungskräfte in der Breitensteinstraße eintrafen, stand die Haushälfte bereits in Flammen. Durch die Detonation hatte es die nördliche 36 Zentimeter dicke Hauswand weggesprengt. Die Feuerwehren aus Neuhaus, Schliersee und den umliegenden Gemeinden löschten zunächst den Brand, auch um weitere Explosionen zu verhindern. Denn nur wenige Meter neben dem Haus – die zweite Wohnhälfte stand leer – befand sich ein voller Gastank. Schritt für Schritt musste das Haus dann von einem Kran abgetragen werden, die Einsatzkräfte konnten wegen der starken Hitze und der Einsturzgefahr das Gebäude nicht betreten. Erst die Zustimmung eines Statikers machte es möglich, dass eine Suchmannschaft insbesondere in den Kellerbereich des Hauses eindringen konnte, wo die Einsatzkräfte auch die Leiche der 35-jährigen Frau fanden. Den 34-jährigen Ehemann fanden Ermittler gegen 18 Uhr bei Verwandten in Starnberg. Die gemeinsamen drei Kinder des Paares (zehn, elf und 15 Jahre) befanden sich zum Zeitpunkt des Geschehens in der Obhut des Jugendamtes. Nicht ohne Grund. Denn schon seit längerem kamen die älteren zwei Kinder nur noch am Wochenende zu den Eltern, am vergangenen Dienstag wurde schluss- endlich auch das jüngste Kind dem Jugendamt übergeben. Grund dafür waren familiäre Probleme, aber auch der missglückte Versuch des Ehepaares Ende Dezember, das Haus mittels Gas und Teelichtern explodieren zu lassen, während die Familie nicht zuhause war. Finanzielle Probleme hatten die beiden dazu getrieben. Zwischenzeitlich befand sich die Mutter freiwillig in stationärer psychischer Behandlung.

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