Seine Gesichter spiegeln Zerbrechlichkeit

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INDRID VERSEN, Tegernsee – Übermorgen, 29. Januar, feiert der bekannte Tegernseer Maler Herbert Beck seinen 90. Geburtstag. Der aus Leipzig stammende Maler gilt als der letzte lebende Vertreter des Deutschen Expressionismus. Beck ist so bedeutenden Persönlichkeiten wie Emil Nolde oder der Frankfurter Galeristin Hanna Bekker vom Rath begegnet. Das größte Geschenk zum runden Geburtstag erhielt Beck allerdings schon Ende des vergangenen Jahres. Er wurde eingeladen, 120 seiner Aquarelle in der renommierten ArtMia Foundation in Peking auszustellen. Für drei Tage reiste der Maler nach China, um die Bilder in den hohen, lichtdurchfluteten Räumlichkeiten persönlich ins rechte Licht zu rücken. „Es war zwar anstrengend, aber ich habe die Eindrücke dieser anderen Hochkultur sehr genossen und mich bei dieser Gelegenheit auch noch einmal intensiv mit der Tuschpinselmalerei in China auseinander gesetzt,“ bekannte der Künstler. „Ich war beeindruckt, dass über zehn chinesische Kunstjournale über meine Ausstellung begeistert geschrieben haben.“ Eine Würdigung erhielt Beck jüngst auch in „WELTKUNST – Art of the World“, die Zeitschrift für Kunst und Antiquitäten, die seit 1930 erscheint. Ein Teil der Bilder, die einige Wochen in China ausgestellt waren, wurde inzwischen nach Seoul verschifft, wo sie in einer weiteren Ausstellung dem südkoreanische Publikum gezeigt werden. „Es ist ja das Bedeutendste was wir Menschen haben, der Blick in den Spiegel, in unser Gesicht“ – ist das Motto von Herbert Beck, der in den vergangenen sechs Jahren vor allem Gesichter malte. Die meisten dieser Antlitze spiegeln sein Verständnis der Welt wider. „In meinen Gesichtern soll sich diese Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit von uns Menschen widerspiegeln“, erklärt Beck. Die entstandenen Bilder finden in dem Werkkomplex „Faces of the World“ Niederschlag, der auch im Mittelpunkt der Pekinger Ausstellung stand. Doch das Malen kam für Beck nicht immer schon an erster Stelle. Zunächst machte der Jubilar eine Ausbildung. Erst im Anschluss daran besuchte er nach dem Krieg die Zeichenklasse von Professor Max Schwimmer an der Kunstgewerbeschule für Graphik und Design in Leipzig. In dieser Zeit entstanden erste freie Zeichnungen und Aquarelle. 1948 ließ sich Beck am Tegernsee nieder und widmete sich ausschließlich der Malerei. In den Folgejahren unternahm der Künstler mehrere Studienreisen nach Italien und Südfrankreich. 1952 hatte Beck schließlich seine erste Einzelausstellung in der Galerie Commeter in Hamburg. Hier traf er Emil Nolde, eine verschlossene Persönlichkeit, dessen Arbeiten Beck allerdings faszinieren. „Noldes Aquarellmalerei fand ich derart fantastisch, dass ich anfing, mich selbst auf diese Technik zu konzentrieren.“ Dabei habe er eine eigene Aquarellmaltechnik entwickelt: Im Gegensatz zu Nolde, der auf dünnem Japanpapier malte, arbeitete Beck mit eingenässtem dicken Bütten-Aquarellpapier, welches es möglich macht, die Bildideen noch expressiver umzusetzen. 1958 fand Herbert Beck im Hause der Sammlerin Meta Gadesmann in Rottach-Egern einen Kreis von Kunstinteressierten, die sich zu regelmäßigen Treffen zusammenfanden. Durch Gadesmann machte Beck die Bekanntschaft mit der Kunsthändlerin Hanna Bekker vom Rath aus Frankfurt, die seine Arbeiten sehr schätzte und ihm 1961 eine Ausstellung widmete. Auch traf Beck dort die Malerin Ida Kerkovius. „Ich hatte sogar die Ehre, mit einigen meiner Werke in ihre Privatsammlung zu gelangen, die dann im Zuge einer Ausstellungstournee in den bedeutendsten europäischen Museen, wie auch dem Prado in Madrid, Seite an Seite mit Klee, Jawlensky und Kirchner zu sehen waren.“ Am Tegernsee findet Beck immer noch Inspiration: „Ich genieße den Blick aus meinem Atelier auf den Tegernsee und in meinem Zweitwohnsitz Laigueglia (im italienischen Ligurien, Anm. d. Red.) auf die Endlosigkeit des Meeres“, so der Maler. Zufrieden ist der knapp 90-Jährige mit seinem Lebenswerk zwar schon, aber auch heute malt Beck noch täglich. Die Malerei ist sein Leben. Wenn aber die Enkel zu Besuch kommen, greift der Opa auch heute nach wie vor zu seinem geliebten Tennisschläger und erfreut sich am weißen Sport in der Tennishalle Kreuth. Repräsentiert wird Herbert Beck in Rottach-Egern durch die Galerie Hyna. Keine Frage, dass zum 90. Geburtstag des Tegernseer Künstlers auch dort eine Beck-Ausstellung zu bewundern sein wird.

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