Schüler seit 16. März daheim

Schule in Zeiten von Corona: So geht Unterricht dahoam

Lernen am PC statt in der Schule – so sieht derzeit der Alltag für Tausende Schüler im Landkreis Miesbach aus.
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Lernen am PC statt in der Schule – so sieht derzeit der Alltag für Tausende Schüler im Landkreis Miesbach aus.

Landkreis – Auch in Zeiten der Corona-Krise müssen Bayerns Schüler weiter lernen – wenn auch vom heimischen PC aus statt in der Schule.

Seit dem 16. März müssen Bayerns Schüler zu Hause bleiben – so auch im Landkreis Miesbach. An der Referenzschule für Medienbildung konnten alle Schüler und Lehrer bereits zuvor auf digitale Plattformen zur Zusammenarbeit zurückgreifen, berichtet Tobias Schreiner, Leiter der Realschule Tegernseer Tal. Damit für längere Zeit den normalen Unterricht zu ersetzen, sei jedoch nicht geplant gewesen.

Worum geht es bei Schule dahoam?

„Die inhaltliche Weiterarbeit ist aus unserer Sicht nicht der wichtigste Aspekt“, erklärt Tobias Schreiner. Daher genüge es auch nicht, einfach Material einzuspeisen und die Schüler damit sich selbst zu überlassen. Schule lebt auch von Gemeinschaft, der Kommunikation und dem Kontakt miteinander. „Deshalb war auch die größte Herausforderung, von Anfang an diese Komponente ganz stark in den Mittelpunkt zu nehmen“, erklärt der Schulleiter. „Das erforderte von den Lehrkräften, sich ad hoc in die Nutzung der Chats und Videokonferenzsysteme einzuarbeiten und zeitgleich sinnvolle, möglichst offene und spannende Aufgaben zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen.“

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Auch die Kinder der Grundschule Otterfing bekommen täglich von ihren Klassenlehrern über Lern-Apps und Mails Aufgaben in verschiedenen Fächern. Die Kinder brauchen dafür zirka zwei Stunden. „Unser Lehrerteam ist in der täglichen Aufgabenerstellung sehr kreativ – auch Kunst und Sport dürfen dabei nicht fehlen“, erklärt die Gemeinde. So ist jüngst zum Beispiel Federballspielen eine Aufgabe gewesen, die genauso motiviert erledigt wurde wie Rechnen, Schreiben und Lesen.

Wie sieht das Zwischenfazit aus?

Der Unterricht der Realschule Tegernseer Tal ist vollständig abgedeckt. Es finden alle Fächer statt – nun halt digital. Lehrerkonferenzen und Fachsitzungen werden als Videokonferenz gehalten. Die Lehrkräfte sind per E-Mail, über den Chat sowie für Audio- und Videobesprechungen erreichbar und können so den Kontakt zu den Schülern und auch den Eltern halten. Auch Beratungsangebote sind ins System eingebunden. Um sich allgemein auszutauschen, gibt es eine virtuelle Aula und einen Bereich, in dem gelungene Schülerarbeiten ausgestellt werden. Ebenso ist ein „Frag die Schulleitung“-Raum vorhanden. Auch intern unterstützen sich die Lehrkräfte mit Tipps zum digitalen Unterrichten.

Was sagen die Nutzungszahlen?

In der ersten Woche wurden im digitalen Schulhaus über 50.000 Chatnachrichten und rund 15.000 E-Mails geschrieben, berichtet der Schulleiter. Die Lehrer haben rund 170 Gigabyte an Material eingespeist. Fast alle Mitglieder der Schulgemeinschaft nutzen das System aktiv. Täglich melden sich im Schnitt 720 Nutzer an – die Schule hat rund 680 Schüler und 50 Lehrkräfte.

Wo liegen noch Schwierigkeiten?

„Tatsächlich wohnen manche Familien so entlegen, dass weder DSL noch schnelles Internet über die Mobilfunknetze verfügbar ist“, erklärt Tobias Schreiner. Auch braucht es für die Aufgaben einen PC, da sich nicht alles übers Handy machen lässt. Zudem lassen Fächer wie Musik und Sport sich digital nur im Ansatz abbilden. Sich selbst strukturieren zu müssen, sei ebenso eine Herausforderung – für Schüler wie für Lehrer. Ununterbrochen erreichbar zu sein, sorge auf Dauer auch für Stress. „Hier Freizeit und Arbeit beziehungsweise Schule wieder zu trennen und in einen guten Rhythmus zu kommen, ist eine Herausforderung“, erläutert der Schulleiter.

Wie lange ist das noch machbar?

Die zunächst drei Wochen bis zu den Osterferien sind sicherlich gut machbar, lautet das Fazit des Schulleiters. Sollte es jedoch länger dauern, sei es eine große Herausforderung für alle Beteiligten, die Motivation zu behalten. „Unmöglich wäre es aber aus unserer Sicht nicht“, sagt Tobias Schreiner. ksl

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