Robert Kopp stellt Statistik vor

„Leute werden aggressiver“: Wie die Corona-Pandemie die Polizeiarbeit verändert

Sicherheitslage im Landkreis Miesbach
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Das Zahlenwerk zur Sicherheitslage im Landkreis Miesbach stellte kürzlich Polizeipräsident Robert Kopp (2.v.r.) im Beisein von (v.l.) Landrat Olaf von Löwis, Katharina Schreiber (Leiterin der Polizeiinspektion Miesbach) und Rainer Kehrer (Leiter der Kripo Miesbach) vor.

Landkreis – Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeit der Polizei verändert. Polizeipräsident Robert Kopp berichtete jüngst, wie sicher der Landkreis Miesbach ist.

Polizeipräsident Robert Kopp referierte kürzlich bei einem Pressegespräch im Sitzungssaal des Miesbacher Landratsamtes über die statistische Sicherheitslage 2020. Außerdem gab er zu aktuellen Themen Auskunft.

Die gute Nachricht: Die Kriminalitätsbelastung der Landkreisbürger liegt mit 3.856 Delikten auf 100.000 Einwohner deutlich unter dem bayernweiten Durchschnitt und die Aufklärungsquote konnte mit 69,8 Prozent leicht gesteigert werden.

Die schlechte Nachricht: Die Corona-Pandemie wirkt sich zunehmend negativ auf die Einsatzbedingungen und die Akzeptanz der Einsätze aus. Zudem häufen sich Sexualdelikte, wohingegen Einbruchsdelikte und Gewaltkriminalität deutlich zurückgingen. Keine Erklärung hatte Kopp zur gestiegenen Zahl der Verkehrs­toten.

Corona-Pandemie verändert Polizeiarbeit

„Die Leute werden aggressiver und die Nerven liegen bei vielen blank“, stellte Kopp zur aktuellen Lage fest und versprach, dass die Polizei trotzdem weiterhin ruhig, gelassen und mit Fingerspitzengefühl ihre Arbeit machen werde. Schließlich seien die Beamten selbst außerhalb des Dienstes von den Corona-Einschränkungen betroffen und wüssten daher um die Stimmungslage.

Enge Zusammenarbeit mit dem Landrats­amt habe es bei der Kontrolle und Durchsetzung der von der Behörde verhängten Corona-Verordnungen gegeben. So führten alle Polizeidienststellen im Landkreis 2020 18.000 Kontrollen durch, wobei 1.194 Verstöße zur Anzeige gebracht wurden.

Verstöße gegen Corona-Regeln

Dabei beschäftigten die drei Dienststellen insbesondere Versammlungen, Demonstrationen und Verstöße gegen die Corona-Einschränkungen. So wurden 2020 beim Landratsamt 35 Versammlungen angezeigt, 17 sind es bisher bereits heuer. Im Vergleich dazu waren es 2017 nur 3 und ein Jahr zuvor lediglich 2.

Den deutlichen Anstieg bei den Sexualdelikten im Vorjahr von 65 auf 79 führte Polizeipräsident Robert Kopp mit auf die Verbreitung von Kinderpornografie zurück. Wie er sagte, gab es 50 Prozent weniger schwere Sexualdelikte wie Vergewaltigung, wobei hier alle sechs Fälle aufgeklärt werden konnten.

Rückgang bei Einbrüchen mit Diebstahl

Als erfreulich bezeichnete Kopp den Rückgang bei Wohnungseinbruchsdiebstahl von 44 auf 24 Fälle. Eine ähnliche Entwicklung gab es bei Geschäftseinbrüchen, die um gut 60 Prozent auf 11 fielen. Weniger Delikte gab es zudem im Bereich Gewaltkriminalität, wo die Quote um über 35 Prozent auf 84 Fälle sank.

Das sei, wie Kopp meinte, mit auf Corona zurückzuführen. Schließlich schrecke Homeoffice Einbrecher ab – und weil es praktisch keine Feste gab, flogen auch weniger Fäuste. Mit 414 Fällen gegenüber 418 in 2019 blieb die Statistik bei Rauschgiftdelikten hingegen nahezu unverändert.

Zahl der Verkehrstoten gestiegen

„Wir haben uns alle Fälle noch einmal ganz genau angeschaut, konnten aber keine Auffälligkeiten erkennen“, stellte Kopp betrübt zu der gestiegenen Zahl der Verkehrs­toten fest. Elf Menschen mussten 2020 auf den Straßen ihr Leben lassen, fünf mehr als noch 2019. Und dass, obwohl die Zahl der Unfälle um 563 auf 2.737 zurückging.

Als Hauptunfall­ursache wurden wie schon die Jahre zuvor Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren oder Ein- und Ausfahren sowie zu geringer Sicherheitsabstand ermittelt. Als Resümee des Zahlenwerks meinte Kopp: „Die Menschen im Landkreis Miesbach können sich sicher fühlen und auf ihre Polizei verlassen.“ hac

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