Signal für Kunst

Warum Gmund einen örtlichen Kulturfonds einrichten will

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Gmund – Die Corona-Pandemie setzt vor allem auch Kunst und Kultur zu. Die Gemeinde Gmund plant daher nun, einen Kulturfonds zu etablieren.

„Kunst passiert auch in der Corona-Pandemie. Aber allein daheim. Alles, was den Zusammenhalt in der Gemeinde fördert, fällt weg.“ Kulturreferent Josef Stecher warb bei der jüngsten Sitzung des Gmunder Gemeinderats dafür, einen gemeindlichen Kulturfonds einzurichten, der gerade auch in Krisenzeiten ein Stück Hoffnung und Planungssicherheit schaffen könne für Kunst- und Kulturschaffende im Ort.

Die Idee für den Fonds stammt ursprünglich aus der Zeit vor der Pandemie, um die Diversität in Kunst und Kultur vor Ort zu fördern, betonte Stecher. Durch Corona habe der Gedanke nun an Brisanz gewonnen. Es gebe viele Veranstaltungsorte in Gmund, aber keine Planungssicherheit, weil sich die Rahmenbedingungen kurzfristig ändern können.

„Kunst und Kultur sind Teil unserer Ortsidentität“, stellte der Kulturreferent fest. „Wir können zwar keine Existenzen sichern mit dem Fonds, aber zumindest Hoffnung schaffen, dass möglichst schnell was in die Gänge kommt, wenn sich die entsprechenden Signale abzeichnen.“

Einen Antrag für eine Förderung zu stellen, soll möglichst einfach gehalten werden,. Es müsse mindestens eines von drei Kriterien erfüllt sein.

So funktioniert der Gmunder Kulturfonds:

Antragsberechtigt für Mittel aus dem Gmunder Kulturfonds sind laut Kulturreferent Josef Stecher Vereine und Institutionen, die kulturelle Veranstaltungen in Präsenzform oder während der aktuellen Corona-Pandemie auch digital oder virtuell planen und durchführen. Die Veranstaltungen müssen im Vorfeld bei der Gemeinde Gmund beantragt und mit einem entsprechenden Kostenrahmen belegt werden. Entscheidende Kriterien sind:

• Die Präsenzveranstaltung findet im Gemeindebereich Gmund statt mit Ausnahme einer digitalen Ausstrahlung.

• Der Veranstalter wohnt in Gmund oder kommt aus dem Tegernseer Tal und bietet die Veranstaltung für Gmund an.

• Der Antragsteller muss in Gmund beziehungsweise im Landkreis als Künstler tätig sein.

• Für alle privaten Kunstförderer und Sponsoren ist die Errichtung der Fördermaßnahme zudem ein Aufruf, die örtliche Kunst- und Kulturlandschaft zu unterstützen und ihre Mittel ebenfalls dafür einzusetzen.

Im Endeffekt sei der Fonds ein Versuch und ein Angebot für die Gmunder Künstler und Bürger. Josef Stechers idealistischer Ansatz ist es, ein Projekt pro Monat zu fördern. Für zwölf Monate sollen 12.000 Euro jeweils in den beiden Haushaltsjahren 2021 und 2022 bereit stehen. Mit dem Beschluss der Finanzierung könnte ein Signal mitgesendet werden, dass es nicht nur Kunst- und Kulturschaffende betrifft, sondern auch die Bürger, die solche Veranstaltungen nicht besuchen können, argumentierte Stecher weiter. „Sie lechzen nach Veranstaltungen in Präsenz.“

Bürgermeister Alfons Besel sprach von einem guten Zeitpunkt, weil der Fonds Perspektiven bieten könne. Zudem ließe sich damit werben und Spenden generieren. Daher sei der Beschluss nicht uneigennützig, da die Gemeinde von einer vielfältigen Kultur profitiere. Aus dem Gremium kamen ausschließlich vertrauensvolle Stimmen Richtung Stecher, der sich dennoch eine verdammt schwierige Zeit ausgesucht habe für eine solche Anschubfinanzierung.

Barbara von Miller (SPD) hofft daher auf eine Reißleine, wenn etwas nicht funktioniert, und wünschte sich einen jährlichen Rechenschaftsbericht. Martina Ettstaller (CSU) zeigte ebenfalls Vertrauen in den Kulturreferenten und zog Vergleiche mit dem Sozialfonds der Gemeinde. Schließlich beschloss der Gemeinderat einstimmig, einen örtlichen Kulturfonds einzurichten. sko

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