Gemeinsam statt einsam!

Verrückter Pistenspaß beim 57. Hochfügener Seilrennen

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Seilschaft rund um Michaela Dorfmeister (Siegerseilschaft)

In Finnland werden Gummistiefel um die Wette geworfen, in England stürzen Wagemutige einem bis zu 100 km/h schnellen Käselaib den Abhang hinterher und versuchen ihn einzufangen – und in Österreich? In Österreich, genauer gesagt im Zillertal in Tirol, binden sich seit mehr als 50 Jahren jeweils drei Skifahrer mit einem Seil zusammen, um gemeinsam den Berg hinunter zu brettern.

Warum also in die Ferne schweifen, wenn das verrückte Skiabenteuer beim 57. Hochfügener Seilrennen am 28. und 29. März 2020 doch so nah ist. Ein einzigartiges Erlebnis für Teilnehmer und Zuseher!

Auf den Osthängen der Lamarklifte, die sich im knapp 1.500 m hohen Hochfügen befinden, wird es am letzten Samstag im März wieder spannend: Unter dem Motto „the legends are back“ gilt es beim Hochfügener Seilrennen, die Skipiste gemeinsam statt einsam zu bezwingen. Geschicklichkeit, Teamwork und der wortwörtliche Zusammenhalt sind mindestens genauso wichtig wie das Können auf zwei Brettern. Denn an einem Seil aneinandergebunden, gibt es für alle 3er-Seilschaften keine andere Möglichkeit als die Ziellinie miteinander zu überschreiten. Das bedeutet allerdings auch Pistengaudi mal drei! Und der Siegestaumel ist sowieso am schönsten, wenn man ihn mit den Teamkollegen und dem Publikum im Zielbereich teilt. Mehrere hundert Besucher sorgen dort für Jubelrufe und Motivation. Eine mitreißendere Stimmung findet man auf keinem Volksfest! Und sobald beim Anfeuern der Magen knurrt, ist das große Festzelt mit herzhafter Verpflegung zum Glück nicht weit. Für die Anreise zum Event bietet sich sowohl die öffentliche Busverbindung, der Lift über das Hochzillertal oder der eigene PKW an. Das Renngelände selbst ist ganz einfach fußläufig zu erreichen.

Hochfügener Seilrennen: Impressionen

 © Skigebiet Hochfügen
 © Skigebiet Hochfügen
 © Skigebiet Hochfügen
 © Skigebiet Hochfügen
 © Skigebiet Hochfügen
 © Skigebiet Hochfügen
 © Skigebiet Hochfügen
 © Skigebiet Hochfügen
 © Skigebiet Hochfügen
 © Skigebiet Hochfügen

Kunterbunt und etwas anders 

Eine Rennklasse speziell für Frauen, eine für Männer und ein „Gemischter 3er“ stehen übrigens genauso am Programm wie ein kunterbunter „Flotter 3er“. Ganze Familien, Firmen und kreative Mottoseilschaften mit schrillen Outfits gehen in dieser Kategorie an den Start. Und als ob das nicht schon außergewöhnlich genug wäre, gewinnt beim „Flotten 3er“ nicht, wie in den anderen drei Bewerben, das schnellste Team, sondern jenes, das der Durchschnittszeit am nächsten liegt. Am 29. März geht schließlich das große Highlight der Kleinen über die Bühne. Dann starten die jüngsten Skifans und stellen ihre Fähigkeit im Multitasking unter Beweis.

Viel Schnee, ein Seil und jede Menge Stars 

In die Liste der Seilrennfahrer reihen sich neben lokalen Skiprofis und begeisterten Hobbysportler übrigens auch wahre Promis und Größen des Weltcup-Zirkus. Im vergangenen Jahr konnte Michaela Dorfmeister die Legendenklasse vor Martina Ertl-Renz und Stephan Eberharter für sich entscheiden. Spannung pur ist garantiert, wenn es um die Titelverteidigung geht! Oder gibt es heuer etwa jemanden, der in die Fußstapfen der Letztjahressieger tritt? Die ehemaligen Spitzensportler Tatjana Mittermayer, Florian Eckert, Katharina Gutensohn und Regina Häusl, die bereits Fixstarter beim diesjährigen Rennen sind, werden auf jeden Fall ihr Bestes geben. Egal, wer den Wettkampf schlussendlich für sich entscheidet, für viele Zuseher ist eines klar: So nah wie beim 57. Hochfügener Seilrennen kommen sie ihren Idolen selten. Wer weiß, vielleicht ist beim Anfeuern direkt neben der Piste oder aber bei der After Race Party im Zielgelände das ein oder andere Autogramm zu ergattern.

Stephan Eberharter (Platz 3), Michaela Dorfmeister (Platz1), Martina Ertl-Renz (Platz 2)

Spektakel abseits der Piste 

Gelegenheit zum gemeinsamen Analysieren der Rennleistungen und Hoppalas gibt es außerdem am 28. März beim BMW Mountains Event Snowlicious®. Dann wird im Zielbereich nämlich Verpflegung auf Haubenniveau geboten. Im PRINOTH Foodtruck, einem umgebauten Pistenfahrzeug, zaubert TV-Koch Alexander Fankhauser Gaumenfreuden in handgerechter Größe. Während diese von Innen wärmen, sorgen live DJ-Acts am Dach des 430 PS-starken Trucks für aufgeheizte Stimmung. Bleibt zwischen den Rennen Zeit, lohnt sich am Rennwochenende ein Abstecher auf den Almmarkt mit all seinen regionalen Produkten. Wissbegierige erfahren dort alles über die sogenannten Doggln – traditionelle Zillertaler Filzpatschen – oder über die beeindruckende Federkielstickerei, wie sie etwa auf den Ranzen der Tiroler Tracht vorkommt. Auch edle Tropfen der heimischen Schnapsbrennereien gibt es zu verkosten und zu erwerben.

Alpine Tradition 2.0 für alle 

All jene, die beim Seilrennen ihre Ski-Leidenschaft miteinander ausleben und ihre Teamfähigkeit damit auf das nächste Level heben, fügen auch der Bergsteiger-Geschichte des Zillertals ein weiteres Kapitel hinzu. Denn das ausgefallene Rennen ist keine Erfindung der Neuzeit, es ist tief in der Alpin-Geschichte des Tales verankert. Das Seil, mit dem sich die Schneebegeisterten heute aneinanderbinden, geht auf die Seilschaften von Bergsteigern im vergangenen Jahrhundert zurück. Seit jeher ist das Seil treuer Begleiter der Gipfelstürmer. In regelmäßigen Abständen, gemeinsam an einem Tau gesichert, wird bei Gletscherquerungen einerseits der Absturz in tiefe Spalten verhindert, andererseits schützt es in hohen Felswänden vor dem tiefen Fall. Gegenseitiges Vertrauen ist am Berg das Um und Auf. Gleiches gilt seit 1961 für die Skipiste. Denn seither stürzen sich Schneefans in 3er-Teams – die ersten beiden Sportler sind aneinandergebunden, der dritte hält das lose Ende des Seils fest – die Piste in Hochfügen hinunter. Die Kameradschaft am Berg hat also bis heute nichts an ihrer Bedeutung verloren.

Die Lust am Seilrennen ist geweckt? Dann aber Vorsicht, denn alle, die schon einmal ein Hochfügener Seilrennen im Zillertal miterlebt haben, wissen: Es ist ein Event mit Suchtpotenzial. Wenig verwunderlich, denn wo sonst gibt es ein Wochenende voller Pistengaudi, Skilegenden, Haubenküche, Traditionshandwerk und nicht zuletzt einem Seilrennen, das verrückter nicht geht. 

Hier geht’s zur Anmeldung.

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