Glücksfall in Warngau

So können Verbraucher beim Einkauf die regionalen Metzger unterstützen

Metzger Josef Killer und Projektmanagerin Stephanie Stiller zeigen eine mobile Schlachtbox
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Metzger Josef Killer und Projektmanagerin Stephanie Stiller zeigen eine mobile Schlachtbox.

Warngau – Metzger Josef Killer aus Warngau und Projektmanagerin Stephanie Stiller für die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland erklären im Gespräch, wie Verbraucher durch ihr Einkaufsverhalten der Region helfen.

Fleischskandale verunsichern immer wieder Verbraucher. Auch die Nachfrage nach der Herkunft des Fleisches in Geschäften und Gaststätten nimmt immer mehr zu. Metzger Josef Killer aus Markhaus bei Wall und Projektmanagerin Stephanie Stiller für die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland erklären im Gespräch, wie Verbraucher durch ihr Einkaufsverhalten zum eigenen Vorteil auch das Wohl der Region unterstützen können.

Herr Killer, Sie sind bekannt für Ihre intensive Kooperation mit der heimischen Landwirtschaft und haben bei Ihren Kunden einen guten Ruf wegen ihrer Fleisch- und Wurstwaren. Inwiefern unterscheiden Sie sich von der Mehrheit der Metzgerbetriebe beziehungsweise der Supermärkte?
Wir führen die Schlachtungen im eigenen Haus durch, stellen alle Wurstwaren selbst her, haben einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb, in dem wir Fleischrinder mästen und angeliefertem Schlachtvieh vor der Schlachtung die notwendige Ruhe geben können, die für hohe Fleischqualität erforderlich ist. Wir führen auch Schlachtungen mit Weideschuss durch, der für die Tiere eine völlig angstfreie Schlachtmethode darstellt. Wir erledigen Lohnschlachtungen für unsere Bauern und erfüllen deren individuelle Zerlegungswünsche für die Direktvermarktung. Wir zahlen den Bauern im Vergleich zum Großhandel Viehpreise über Notiz, da wir ein gegenseitiges Vertrauen und langfristiges Handelsverhältnis erhalten wollen. In der handwerklichen Herstellung der Verkaufsprodukte arbeiten wir ähnlich wie eine Reihe anderer guter Metzgereibetriebe im Landkreis.
Sind aus Ihrer Sicht die Bedenken der Verbraucher gerade hinsichtlich der momentanen Skandale in diesem Gewerbe berechtigt?
Ja, der Verbraucher weiß inzwischen, dass bei vielen Industriebetrieben in unserem Gewerbe eine Ausbeutung der Arbeitnehmer und unwürdige Behandlung der Tiere an der Tagesordnung sind. Gerade jetzt möchte der Verbraucher, dass Lebensmittelproduktion nicht nur in Industriebetrieben stattfinden darf. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass bei industriellen Massenschlachtbetrieben ein unfairer Wettbewerb stattfindet. Diese zahlen einen Bruchteil unserer Kosten für die Fleischbeschau und Konfiskat, also Schlachtabfällen, durch die Verwertung aller Schlachtnebenprodukte im Gegensatz zu uns Handwerksbetrieben. Kleine Betriebe sind in vielerlei Hinsicht benachteiligt. Das gilt nicht nur für staatliche Gebühren wie Fleischbeschau- und Konfiskat, sondern auch für Energiekosten sowie technische und bürokratische Auflagen. Das Fleischerhandwerk ist in vielen Punkten durch Gesetze und Vorschriften stärker belastet als große Fleisch-Industriebetriebe. Spätestens jetzt müsste jeder Verbraucher erkennen, warum bei uns keine Dumpingpreise möglich sind und wird gerne für Fleisch- und Wurstwaren einen gerechten Preis zahlen. Unsere Kunden schätzen Lebensmittel aus der Region mit nachvollziehbarer Herkunft und verantwortungsvolle Tierhaltung mit kurzen Transportwegen.
Sehen Sie weitere Entwicklungsmöglichkeiten hinsichtlich regionaler Versorgung der Bevölkerung, der Gastronomie und landkreiseigener Einrichtungen?
Der Privatverbraucher wird immer sensibler und kritischer beim Einkauf, während die Gastronomie und öffentliche Einrichtungen noch erheblichen Nachholbedarf haben. Es kann nicht sein, dass wir handwerklichen Metzger oder Bauern nur ein Aushängeschild auf der Speisekarte sind, während der überwiegende Teil von den Großlieferanten kommt. Auch an dieser Stelle haben wir große Erwartungen an die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland.
Welche Erwartungen an die Politik haben Sie, um endlich regionale Tierhaltung, Fütterung und Schlachtung verbrauchergerecht gestalten zu können?
Bei diesem Preisdumping, beginnend bei den landwirtschaftlichen Großbetrieben über die Fleischindustrie bis hin zu den Preiskämpfen in den Supermarktketten können weder handwerkliche Metzgereien, noch kleinbäuerliche Betriebe bestehen. An oberster Stelle steht der Wunsch, nein, die Forderung, Rahmenbedingungen zu schaffen, die auch kleinbäuerlichen Betrieben die Zukunft sichern können, damit die Zahl der Hofaufgaben zurückgeht. Kleinere Betriebe sind eher bereit, regional zu schlachten, als Großbetriebe, die mit geringerem Aufwand die Schlachttiere auf dem Betrieb in größeren Chargen abholen lassen. Regionale und handwerkliche Produktion sollten stärker gefördert werden. Gesetze und Vorschriften, die die kleinen Strukturen stärker und unverhältnismäßig belasten, müssen geändert werden. Eine Maßnahme wäre schon mal, wenn es dem Landkreis wichtig ist, die Region herauszustellen, die Schlacht- und Konfiskat-Gebühren zu senken, um hier die genannten Wettbewerbsverzerrungen zu verringern.
Frau Stiller, inwiefern kann die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland unterstützend wirken?
Die Öko-Modellregion unterstützt die fleischproduzierenden und -verarbeitenden Betriebe zum Beispiel online mit dem Portal www.miesbacher-weidefleisch.de. Dort werden die Betriebe und Prozesse transparent dargestellt. Die Miesbacher Weidefleischbetriebe müssen Mindestkriterien in puncto Haltung, Fütterung, Schlachtung und Fleischreifung erfüllen und sich nicht gegenseitig unterbieten. Der Verbraucher beziehungsweise Kunde wird über alle Schritte informiert. Die Kunden zahlen beim Einkauf am Hof dem Landwirt und dem Metzger dafür einen fairen Preis. Auch Fleisch von alten und besonderen Rinderrassen wie Murnau-Werdenfelser, Miesbacher Fleckvieh und Pinzgauer sowie Weidefleisch von Schwein, Schaf, Ziege, Gans, Ente und Huhn sind im Angebot. Des Weiteren wollen wir, obwohl wir uns der Schwierigkeiten bewusst sind, die Direktvermarkter mit Netzwerkarbeit unterstützen, um in Zukunft noch mehr und besser Verarbeiter, Händler und Endverbraucher sowie Betriebe mit Außer-Haus-Verpflegung zusammenzubringen. Dabei steht immer der ökologische und regionale Gedanke im Vordergrund.

Gespräch: cam

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