Staatsministerin Aigner besucht Arzneimittelwerk / Förderung für Neubau wichtig

AMW will wachsen

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Etwas zögerlich drückte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner das stäbchenförmige Goserelin-Implantat mittels der von der AMW patentierten Spritze in ein Gelkissen.

Warngau – „Es ist immer wieder beeindruckend, wenn man die Unternehmen von innen sieht. Das hier ist eine der Perlen im Landkreis, die man manchmal einfach noch nicht kennt“, zeigte sich Bayerns Wirtschaftsministerin und CSU-Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner beim Besuch des Arzneimittelwerks AMW beeindruckt.

Das 100 Mitarbeiter starke Unternehmen in Warngau entwickelt und vertreibt mit Wirkstoffen beladene Pflaster und Implantate und stellt diese auch selbst her. Bald soll sogar in unmittelbarer Nähe ein Neubau entstehen, der 30 weiteren Beschäftigten Platz bieten soll. Doch es hapert an der Finanzierung.

Das Arzneimittelwerk wächst beständig: Allein während der vergangenen zwölf Monate seien 60 neue Mitarbeiter am Standort in Warngau eingestellt worden, erklärte Geschäftsführer Wilfried Fischer beim Besuch der Ministerin. Bislang lag der Fokus hauptsächlich auf der Entwicklung von Nachahmerprodukten, sogenannten Generika. Diese erste Stufe des Geschäftsmodells sollte „schnell Geld generieren“, wie Fischer sagte. Die Einzigartigkeit des Unternehmens wurde hier durch „anspruchsvolle Darreichungen, an denen andere Entwickler bereits gescheitert sind“ herausgestellt. So bietet das Arzneimittelwerk zum Beispiel eine Art Spritze an, um bis zu zwei Zentimeter große, stäbchenförmige Goserelin-Implantate, die Tumore am Wachsen hindern sollen, unter die Haut von Prostata- und Brustkrebspatienten zu bringen. Wie das funktioniert, davon konnte sich Aigner selbst überzeugen. „Cool!“, kommentierte sie, als sie ein Implantat mittels der patentierten Spritze in ein Gelkissen schob.

In der zweiten Stufe allerdings, in der sich das Unternehmen derzeit befindet, sollen auch neue, eigene Produkte entwickelt und große Pharmaunternehmen als Entwicklungspartner gewonnen werden. Die AMW verspricht sich so eine um den Faktor zehn höhere Wertschöpfung als durch die Entwicklung von Generika. Laufende Projekte beschäftigen sich unter anderem mit den Themen Bluthochdruck, Verhütung, Krebsbehandlung und Reisekrankheit.

Doch für seine Zukunftspläne braucht das Unternehmen mehr Platz, schon 2018 sollen die Kapazitäten ihre Grenzen erreichen. Nur 200 Meter vom Standort entfernt hat die AMW daher ein Grundstück im Warngauer Gewerbegebiet gekauft. Im darauf geplanten Bau sollen die Verwaltung, die Produktion und die Qualitätskontrolle untergebracht werden. 30 neue Arbeitsstellen könnten so geschaffen werden. Die Baugenehmigung ist erteilt, schon im Dezember könnte der Spatenstich erfolgen. Doch dazu braucht das 2008 als Start-Up gegründete Unternehmen Geld. Daher hat die AMW bei der European Investment Bank (EIB) einen Antrag auf Finanzierungsmittel bis zu 25 Millionen Euro gestellt. Diese sollen zu 80 Prozent in klinische Studien, zu etwa 20 Prozent in Anlagen zur Produktionserweiterung fließen. Doch das könnte noch dauern, eine Zusage erwartet sich die AMW für Ende Juli: „Die EIB prüft Businesspläne und Präsentationen zur Geschäftsstrategie sowie den Entwicklungsprojekten und bespricht das intern. Bei einer großen Instanz wie der EIB ist je nach Verfügbarkeit der internen Ressourcen eine monatelange Antrags- beziehungsweise Entscheidungszeit nicht ungewöhnlich“, erklärte der Leiter der Geschäftsentwicklung, Thomas Ohlenbostel, auf Anfrage. Bei der Regierung von Oberbayern wurde zudem ein Antrag auf Zuschuss für bis zu zehn Prozent der Bausumme (diese beträgt insgesamt rund 7,5 Millionen Euro) eingereicht. Bekommt die AMW die Gelder nicht, wird es knapp für den Ausbau. Deshalb baten die Verantwortlichen Staatsministerin Aigner um Hilfe. „Wir kommen nicht zum Bauen wegen der Finanzlücke“, sagte Petra Menter. Aigner sagte zu, ein gutes Wort für die AMW zum Beispiel bei der Invest in Bavaria, der Ansiedlungsagentur des Freistaats, einlegen zu wollen.

she

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