Stadtrat setzt auf Evaluation

Wie gefällt der Miesbacher Marktplatz?

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Die geänderte Verkehrsführung am Marktplatz ist ein großer Kritikpunkt unter anderem bei der Regierung von Oberbayern.

Miesbach – Ein Jahr sollte vergehen, bis sich der Stadtrat wieder mit der Gestaltung des Marktplatzes beschäftigt.

Natürlich haben die Miesbacher währenddessen munter weiterdiskutiert, ob die neue Optik gelungen ist oder nicht. Nun ist die Frist um, das Thema kam auf den Ratstisch und sorgt gleich wieder für eine Menge Aufregung. Weil die Meinungen kontrovers sind – und eine Einschätzung von hoher Stelle das Engagement des Arbeitskreises Marktplatz ziemlich vernichtend trifft. „Egal, wie der Marktplatz wird, er soll Miesbach nicht spalten“, betonte CSU-Sprecher Franz Mayer in der jüngsten Stadtratssitzung. Da ging es darum, wie eine Evaluation zur Umgestaltung des Marktplatzes vonstatten gehen soll. Letztendlich einigte sich das Gremium darauf, dass zunächst Fachplaner, ein Vertreter aus der Verwaltung, der Arbeitskreis Marktplatz mit Dirk Thelemann (CSU), Paul Fertl (SPD), Astrid Güldner (Grüne) und Markus Seemüller (FWG), Bürgermeisterin Ingrid Pongratz sowie je ein Vertreter der GWM und der Initiative Marktplatz eine Bewertung vornehmen sollen. In einem zweiten Schritt sollen dann die Miesbacher Bürger einbezogen werden. Von ihnen findet laut Seemüllers Einschätzung ein Viertel den neuen Marktplatz gut, ein Viertel findet ihn schlecht, dem Rest ist es egal. An den divergierenden Meinungen besteht kein Zweifel. „Eigentlich haben wir einen 50-50-Patt“, glaubt Erhard Pohl (CSU). „Aber mit Halbe-Halbe kann ich nicht leben“, sagte er. „Wir wollen ja, dass sich die Mehrheit mit dem Marktplatz identifizieren kann.“ Das könnte ein langer Weg werden. Denn weder ist das Ziel klar, wie der Marktplatz aussehen und inwieweit er noch als Parkplatz zur Verfügung stehen soll, noch ist klar, wie mit den bisherigen Veränderungen umgegangen werden soll. Vize-Bürgermeister Fertl verwies auf ein „interessantes Feed- back“, nachdem er verschiedene Stellen angeschrieben hatte. Der Tenor der Antworten: „Ganz gut, aber ...“, berichtete Fertl. „Es war nie als endgültige Lösung gedacht“, sagte Manfred Burger (Grüne). 

„Es muss weitergehen“, sagte auch Burgers Fraktionskollegin Güldner und gab zu: „Optisch ist das jetzt nicht das Gelbe vom Ei.“ Allerdings habe der Arbeitskreis mit vergleichsweise wenig Geld auskommen müssen, erklärte sie. Auch Dirk Thelemann möchte „an dem Konzept weiterarbeiten“. Er ist überzeugt, dass durch eine höhere Aufenthaltsqualität mehr Menschen zum Marktplatz kommen und davon dann auch die Ladeninhaber profitieren. Dafür dass sie Einbußen hinnehmen mussten, sind viele Gründe denkbar, es liegt für Thelemann nicht an der neuen Gestaltung. Genau davon ist aber Markus Baumgartner (CSU) überzeugt. Er sprach von „deutlichen Verlusten an Frequenz und Umsatz“. Ein belebter Platz ist für ihn Träumerei: „Wir haben 300 Tage Winter, das ist keine südländische Piazza.“ Veränderungen gegenüber sei der Handel aufgeschlossen, sagte er. Aber eine Lösung müsse funktionieren. „Und wie es jetzt ist, funk- tioniert‘s nicht.“ So könne es „nicht bleiben“. Baumgartner sprach sich dafür aus, alte Planungen hervorzuholen, denn „es gibt Konzepte für die Innenstadt“. Gegen einen Kurswechsel sprach sich Michael Lechner (FWG) aus und würde das lieber dem neuen Stadtrat überlassen. Die Evaluation begrüßt er aber. Eine deutliche Meinungsäußerung hat bereits die Städtebauförderung der Regierung von Oberbayern abgegeben. Wie Bauamtsleiter Lutz Breitwieser berichtete, habe die zuständige Baudirektorin durchblicken lassen, dass für einen Rückbau Zuschüsse fließen könnten. Bei einem Rundgang im Zuge der Jahrestagung der Städtbauförderung in Miesbach war auch der Stadtplatz eine Station – und habe wenig Begeisterung entfacht. Im Gegenteil: Die Verkehrsführung sei unübersichtlich, der Platzcharakter durch die Zonierung in Verkehrsflächen zerstört. „Das hätte ich gern schriftlich“, sagte Seemüller (FWG). Das fordert inzwischen auch die Miesbacher SPD, wie sie in einer Pressemitteilung vom vergangenen Mittwoch deutlich macht. Mit dem Verweis auf frühere Stadtratsbeschlüsse erwartet der Ortsverband Aufklärung, „weshalb nun die Regierung von Oberbayern zu der Entscheidung gekommen sein soll, den Rückbau des Marktplatzes zu finanzieren und damit den Marktplatz wieder zu einem Parkplatz zu machen“. Dem zugrunde liegt die Frage, bei der die Meinungen so geteilt sind. Mehr oder weniger Autos auf dem Marktplatz? Da herrscht schon im Stadtrat keine Einigkeit. Bei der GWM hingegen zeigt sich laut einer Stellungnahme ein ziemlich deutliches Meinungsbild. Bei einer Umfrage unter Mitgliedern kam weder die neue Verkehrsführung (Reduzierung der Übersichtlichkeit) gut weg noch der Wegfall von Parkplätzen. „Die Zahl von Stammkunden, insbesondere von außerhalb Miesbachs, die insbesondere deswegen den Einkauf in Miesbach meiden nimmt zu“, schreibt die GWM. Sie würde auch zusätzliche Radlständer begrüßen. Positiv wird die Freifläche vor Wäsche Grabmaier gewertet, hier wünscht sich die GWM „die dauerhafte Installation von attraktiven Sitzgelegenheiten mit Sonnenschutz“. Aufenthaltsqualität also.        ft

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