Diskussion um Wegepflege

Streit um Kurbeitrag in Schliersee: DAV München mit neuem Vorschlag

Der DAV pflegt Wanderwege. Die Sektion München sucht nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten in Schliersee.
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Der DAV pflegt Wanderwege. Die Sektion München sucht nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten in Schliersee.

Schliersee – Die DAV-Sektion München wehrt sich gegen den Kurbeitrag für Hüttengäste in Schliersee. Ein neuer Vorschlag soll nun die Lösung bringen.

Seit der Kurbeitrag im Herbst 2017 auch auf Alpenvereinshütten ausgeweitet wurde, wehrt sich die DAV-Sektion München dagegen. Mit einer Plakataktion am Spitzingsee rief sie kürzlich dazu auf, sich im Rathaus Schliersee über den erhobenen Kurbeitrag zu beschweren. Nun hat die Sektion einen weiteren Vorschlag ausgearbeitet: Einen Fonds zum Wegeerhalt einrichten, finanziert durch alle Schlierseer Übernachtungsbetriebe mit 10 Cent pro Gast.

„Pflege, Sanierung und Markierung bestehender Wege und Steige ermöglicht allen Bergsportlern risikoarme Naturerlebnisse ohne unnötige Belastungen für die Natur“, heißt es auf der Internetseite des Deutschen Alpenvereins (DAV). Aber der Sektion München geht diese Wegepflege nun zu weit. Vor allem seitdem in Schliersee auch die Übernachtungsgäste der Alpenvereinshütten den Kurbeitrag leisten müssen.

Die Sektion fordert, die jährlichen Aufwendungen für Markierung, Pflege, Instandhaltung sowie Sanierung der Wege in ihrem Arbeitsgebiet zwischen Spitzingsattel und Rotwand mit den Kurbeiträgen für die Übernachtungsgäste auf den Hütten der Sektion München am Spitzingsee zu verrechnen. Der Alpenverein sieht den Kurbeitrag als Doppelbelastung für seine Mitglieder. „Wenn die Gemeinde Schliersee schon die Kurbeitragspflicht vom Orts- auf das Gemeindegebiet ausdehnt, dann sollten diese Mehreinnahmen auch für den Wegeunterhalt am Berg und nicht nur für die Infrastruktur im Tal verwendet werden“, fordert der Vorsitzende der Münchner Sektion, Günther Manstorfer.

Der Alpenverein könne sich, um die Wegepflege zu finanzieren, auch vorstellen, einen unabhängigen Fonds einzurichten. „Alle Beteiligten – Hotels, Pensionen, Privatvermieter und Alpenvereinshütten – sollten hierzu einen Beitrag von 10 Cent pro Gast und Übernachtung einzahlen. Dieses Geld wird dann zweckgebunden zum Unterhalt sämtlicher alpiner Wanderwege im Gemeindegebiet Schliersee genutzt“, erklärt Manstorfer.

Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer ist verärgert, von dem neuen Vorschlag des Alpenvereins aus der Presse zu erfahren. „Das ist keine Art, miteinander umzugehen“, sagt er. Einen Fonds einzurichten, überzeugt ihn nicht.

Zum einen sei der Mitgliedsbeitrag des DAV teilweise für den Wegeerhalt gedacht, zum anderen gebe es Zuschüsse vom Staat. „Der DAV wirbt damit, sich um die alpinen Wege zu kümmern“, sagt Schnitzenbaumer. Auch den Kurbeitrag für DAV-Mitglieder auszusetzen, steht für ihn nicht zur Diskussion. „Den Kurbeitrag bezahlt nicht der Alpenverein, sondern der Gast“, verdeutlicht der Bürgermeister. Alpenvereinsmitglieder, die in Schliersee übernachten, nutzen die Infrastruktur und haben Vorteile durch die Gästekarte. Schnitzenbaumer erinnert dabei besonders an den Winter, denn die Gemeinde kümmere sich unter anderem um die kostenlosen Loipen für die Gäste. Beispielsweise die Albert-Link-Hütte, die sich als Langlaufstützpunkt bezeichnet, profitiere davon.

„Außerdem kann man über Einzelfälle, die über die normale Wegepflege hinausgehen, selbstverständlich mit uns reden“, ergänzt der Rathaus­chef. Mit anderen Sektionen im Gemeindegebiet gebe es diese Probleme nicht. „Wir haben immer unterstützt“, sagt er. Unterhalb von 1.000 Metern sei sowieso die Gemeinde Schliersee zuständig.

Ein Lösungsansatz für Schnitzenbaumer wäre, dass die Gemeinde alle Wege selbst pflegt: „Dann muss aber der Alpenverein einen Anteil seiner Mitgliedsbeiträge und die staatlichen Förderungen zur Wegepflege uns zukommen lassen.“ jw

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