Durch PC ersetzbar

Studie: 19 Prozent der Jobs im Landkreis Miesbach von Digitalisierung betroffen

In Fabriken übernehmen Computer immer mehr Arbeiten
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In Fabriken übernehmen Computer immer mehr Arbeiten. Aber durch die Digitalisierung entstehen auch neue Arbeitsplätze, wenn Firmen rechtzeitig auf die Qualifizierung der Beschäftigten setzen.

Landkreis – Laut einer Regionalstudie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind 19 Prozent der Jobs im Landkreis Miesbach von Digitalisierung betroffen.

Wenn der Kollege Computer übernimmt: Der digitale Umbruch in der Arbeitswelt könnte im Landkreis Miesbach Tausende Jobs kosten. Davor warnt die Gewerkschaft NGG und verweist auf eine Regionalstudie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Danach sind im Kreis Miesbach 19 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in hohem Maße durch die Digitalisierung bedroht. Bei diesen Stellen könnten bereits heute mindestens 70 Prozent aller Tätigkeiten von computergesteuerten Maschinen erledigt werden. Grundsätzlich könne die Digitalisierung jedoch sowohl zur Aufwertung von Berufen führen als auch zu deren Abbau, so die Forscher.

Die NGG spricht von alarmierenden Zahlen, warnt jedoch vor Schwarzmalerei. „Vom Homeoffice bis zur Videokonferenz: Corona hat dem digitalen Wandel der Arbeitswelt einen zusätzlichen Schub gegeben. Ob Computer tatsächlich so viele Jobs ersetzen, das liegt auch an den Unternehmen und den Beschäftigten. Dort, wo Mitarbeiter für die digitale Zukunft fit gemacht werden, kann die Industrie 4.0 eine große Chance sein“, sagt Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG Rosenheim-Oberbayern.

Die Gewerkschaft appelliert an die Unternehmen in der Region, die Corona-Zeit für die Weiterbildung der Beschäftigten zu nutzen. Der Lockdown light im November biete vielen Kurzarbeitern die Chance für eine Fortbildung. Immerhin fließen hier hohe staatliche Zuschüsse. 2019 hatte die Bundesregierung das Qualifizierungschancengesetz eingeführt. Im Oktober wurden die Hilfen nochmals erhöht. „Doch die Mittel sind bislang kaum abgerufen worden“, erklärt die NGG mit Blick auf Zahlen der Arbeitsagentur. Demzufolge wurden nach dem Gesetz seit Anfang 2019 bis Mitte 2020 in ganz Bayern lediglich 10.574 Menschen mit einer beruflichen Weiterbildung gefördert. „Das ist eine ernüchternde Bilanz. Hier müssen die Firmen dringend nachlegen“, fordert die Gewerkschaft. Im ersten, von der Pandemie geprägten Halbjahr wurde laut Arbeitsagentur bayernweit die Weiterbildung von 2.457 Beschäftigten bezuschusst – das sind 15 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Schneider fordert, nun eine echte Qualifikationsoffensive in Angriff zu nehmen. Dabei sollten auch die Betriebsräte mitreden. „Sie wissen, wo der Bedarf in der Firma am größten ist.“ Das zeige sich etwa an der Ernährungsindustrie – mit rund 1.500 Beschäftigten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Kreis Miesbach: „In der Branche kümmern sich Arbeitnehmervertreter seit Jahren darum, dass Automatisierung und Digitalisierung nicht zulasten der Mitarbeiter gehen. In der Pandemie handeln sie Regeln aus, damit die Heimarbeit etwa in Verwaltungsjobs die Menschen nicht rund um die Uhr belastet“, erklärt Schneider. Viele Beschäftigte, die früher am Fließband standen, arbeiteten heute in der Qualitätskontrolle. Und Lagerlogistiker bauten auf die Unterstützung von vernetzten Computern, die Zutaten automatisch dann bestellen, wenn sie zur Neige gehen.

Nach Angaben des IAB hat die Digitalisierung in den vergangenen Jahren deutlich an Fahrt gewonnen: Allein zwischen 2013 und 2016 stieg der Anteil der Arbeitsplätze, die potenziell zu einem Großteil durch Maschinen ersetzbar sind, bundesweit von 15 auf 25 Prozent. Berufe in der Fertigung sind demnach besonders betroffen. Doch wie dramatisch die Folgen tatsächlich sind, das hängt laut IAB nicht nur von den Unternehmen und den Beschäftigten ab. „So wird es weiterhin Handwerksbäckereien geben, wenn Verbraucher ein handgebackenes Brot mehr wertschätzen als ein maschinell gefertigtes“, schreiben die Forscher in der Studie. ksl

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