Gutachten vorgestellt

Südumfahrung Holzkirchen: Risikoanalyse des Straßenbauamts birgt Zündstoff

Südumfahrung Holzkirchen
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Die Grafik zeigt alle im Februar 2020 vorgestellten Varianten für eine Südumfahrung für Holzkirchen.

Holzkirchen – Das Staatliche Bauamt Rosenheim rät bei der Südumfahrung für Holzkirchen von den Trassen 2 und 3 ab. Eine faunistische Risikoanalyse erklärt, warum.

Das Staatliche Bauamt Rosenheim hat jüngst die faunistische Risikoanalyse zur Ortsumfahrung Holzkirchen veröffentlicht. Diese wurde vom Marktgemeinderat im Februar 2020 in Auftrag gegeben und besagt, dass die Varianten 2 und 3, die Kurzenberg und Großhartpenning im Süden umfahren und etwas abgerückt am Waldrand des Tannholz verlaufen, hohes artenschutzrechtliches Konfliktpotenzial haben. Die Behörde rät daher davon ab, diese Trassen weiter zu verfolgen. Die Reaktionen der im Marktgemeinderat vertretenen Fraktionen fiel konträr aus.

Bereits bei der Sitzung im Februar 2020 hat die vom Straßenbauamt Rosenheim vorgestellte Machbarkeitsstudie zur Ortsumfahrung gezeigt, dass es bei den Trassenvarianten 2 und 3 ein hohes Risiko gibt. Daher wurde eine Risikoanalyse in Auftrag gegeben, die die tatsächliche artenschutzrechtliche Beeinträchtigung abbilden sollte.

Das kürzlich veröffentlichte Ergebnis der Studie hat nun das hohe Konfliktpotenzial bestätigt, weshalb empfohlen wird, von den Varianten 2 und 3 abzusehen. Laut Untersuchung würden die Trassen wichtige Flugrouten und Jagdgebiete ansässiger Fledermausarten zerschneiden. Zudem müsse davon ausgegangen werden, dass der Bau einer Bundesstraße, vor allem in dem wassersensiblen Bereich südlich von Kurzenberg, ein Ende der dortigen überregional bedeutsamen Amphibienvorkommen zur Folge hätte.

Südumfahrung Holzkirchen: Fünf Varianten zur Auswahl

Die Varianten 1, 4 und 5 wurden keiner zusätzlichen faunistischen Risikoanalyse unterzogen. Variante 1 verläuft auf nahezu kompletter Länge durch das Tannholz. Deshalb wurde schon früh empfohlen, diese Variante aufgrund ihrer erheblichen Eingriffe in den Wald nicht weiter zu verfolgen. Die Variante 4 umfährt Kurzenberg und Großhartpenning in einem relativ konfliktarmen Korridor im Westen und schwenkt dann nördlich von Kurzenberg nach Osten ab, wo sie in einem ähnlichen Trassenverlauf wie Variante 3 nördlich an Sufferloh vorbei zur B 318 verläuft. Die Variante 5 stellt die Möglichkeit einer reinen Ortsumfahrung von Holzkirchen dar und entspricht der im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans enthaltenen Trasse einer Ortsumfahrung Holzkirchen.

Ergebnisse erschüttern Holzkirchner Grüne

Wie CSU-Fraktionssprecher Sebastian Franz feststellt, zeige das Gutachten, dass eine ortsferne Südumfahrung südlich von Großhartpenning grundsätzlich möglich ist und insbesondere die Variante 3 weiterhin präferiert wird. Dazu müsse lediglich der Trassenverlauf auf einer kurzen Distanz überbrückt werden. „Wir stehen für eine ortsferne Südumfahrung aus einem Guss für alle drei Ortsteile und somit für eine Verkehrs­entlastung für Holzkirchen, Hartpenning und Kurzenberg“, fasst Franz den Standpunkt der Fraktion zusammen.

Von dieser Einschätzung zeigt sich Robert Wiechmann (Grüne) erschüttert: „Die CSU hat die klare Ansage der Bauverwaltung in das glatte Gegenteil verkehrt und ist offensichtlich weder Willens noch fähig, sich den Realitäten zu stellen.“ Wie der stellvertretende Grünen-Fraktionssprecher sagt, dürfe man den Bürgern kein X für ein U vormachen: „Wer die Südumfahrung will, der redet ausschließlich von der Variante 5, eventuell mit der Option auf die Erweiterung um Variante 4.“ Wobei Wiechmann aber auch klarstellt, dass die Grünen weiterhin gegen eine Südumfahrung sind.

Südumfahrung Holzkirchen: Vorschlag vom Bund Naturschutz

Für die SPD steht fest: Die Schäden an der Natur, die die Umfahrung südlich von Großhartpenning mit sich bringt, sind nicht zu verantworten. Auf ihrer Internetseite ist zu lesen, dass das große Wahlkampfthema Südumfahrung ins Leere läuft. Holzkirchen brauche stattdessen andere verkehrsberuhigende Maßnahmen, wie den massiven Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und des Radwegenetzes. Dies, so die Meinung der SPD-Fraktion, sind Maßnahmen, welche keinen neuen motorisierten Verkehr anziehen und Holzkirchen noch lebens- und liebenswerter machen.

Ähnlich äußert sich Fred Langer, Vorsitzender der Ortsgruppe Holzkirchen im Bund Naturschutz (BN): „Als Gegner aller Trassen freuen wir uns natürlich über das Ergebnis des Gutachtens.“ Auch Langer schlägt vor, Fuß- und Radverkehr sowie ÖPNV zu fördern und Tempo-30-Zonen inner- und – wo möglich – auch außerorts zu schaffen. „Die Gemeinde hat genügend Vorschläge bekommen, sie müssen nur endlich umgesetzt werden”, sagt er. hac

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