Neujahrsempfang in Tegernsee

Bürgermeister beleuchtet sechs Jahre Amtszeit im Schnelldurchlauf

Im Spurt durch sechs Jahre Amtszeit: Bürgermeister Johannes Hagn (l.) erwähnte vor allem die bestimmenden Themen beim Tegernseer Neujahrsempfang am Freitagabend.
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Im Spurt durch sechs Jahre Amtszeit: Bürgermeister Johannes Hagn (l.) erwähnte vor allem die bestimmenden Themen beim Tegernseer Neujahrsempfang am Freitagabend.

Tegernsee – Im Schnelldurchlauf ging es durch sechs Jahre Amtszeit von Bürgermeister Johannes Hagn beim Neujahrsempfang in Tegernsee.

Die Zeit für lange Reden beim Neujahrsempfang im Café Kreutzkamm in Tegernsee war heuer etwas knapp. Weil just am selben Termin der Galaabend des Ludwig-Erhard-Gipfels stattfand und der eine oder andere Gast am Freitagabend bald rauf ins Hotel „Das Tegernsee“ musste, riss Bürgermeister Johannes Hagn kurzerhand die bestimmenden Themen der vergangenen sechs Jahre im Schnelldurchlauf an.

Zunächst aber verabschiedete er einige Weggefährten sowie Stadträte, die nach der Kommunalwahl ausscheiden. Darunter der Zweite Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste) sowie Bernhard Mayer und Norbert Schußmann (beide CSU). Alles brauche seine Zeit – das habe er nach seiner Wahl zum Bürgermeister lernen müssen, sagte Hagn. Almdorf und Westerhof sind immer noch nicht fertig, auch das Feuerwehrhaus und die zentrale Tiefgarage werden die Stadtspitze weiter beschäftigen. Bezahlbaren Wohnraum für Einheimische wie Gastronomiepersonal zu sichern und zu schaffen, ist ein weiteres dickes Brett, an dem der Stadtrat durch alle Fraktionen hindurch bohrt. Zu Beginn seiner Amtszeit lag der Fokus auf dem Bettenschwund in Tegernsee, erzählte Hagn. Dies habe sich langsam gewandelt. Entgegen aller Unkenrufe positiv angenommen wurden außerdem die Wohnungen im Tegernsee-Modell am Bahnhof.

Danach ging es auch schon los mit den Themen, die seit Hagns Amtsantritt am 1. Mai 2014 für Aufregung in Tegernsee sorgten: Angefangen mit dem Verkauf des alte Krankenhausgeländes und dem als U-Boot-Bunker gescholtenen Polizeibootshaus. Bei der Schwaighofbucht habe Hagn ebenfalls Lehrgeld bezahlt und sei viel kritisiert worden. Im Endeffekt lägen jedoch nun zwei Alternativen beim Wirtschaftsministerium. Den „Lieberhof“, der für 14 Millionen Euro online zum Verkauf stand, sicherte sich die Stadt dank der neuen Vorverkaufssatzung zum Preis des Schätzwertes. Belastend für die Bürgermeistergemeinschaft im Tal empfand er das Ringen um die Spielbankabgabe. „Die Einigung ist eingetreten, heute kräht kein Hahn mehr danach“, konstatierte Hagn. Auch kein Hahn krähe mehr nach der TTT. „Alle stehen hinter dem Unternehmen und der Laden läuft.“

Erster Aufreger im neuen Jahr: Weg zur Neureuth gesperrt

Viel Post bekommen habe Hagn, als die Zweitwohnungssteuer angehoben wurde. Die Satzung sei ebenfalls rechtskräftig und zeige bereits Wirkung: „Wir haben die Zunahme gestoppt und einen leichten Rückgang. Der neue Stadtrat wird entscheiden müssen, ob er sie weiter anhebt oder der momentane Zustand ausreicht.“ Einigen Staub aufgewirbelt habe auch der Brandschutz in St. Quirinus sowie das Bastenhaus als Asyl­unterkunft. Im Rückblick auf die Schneekatastrophe und die BOB verwies Hagn an Heino Seeger von der Tegernsee-Bahn, an der die Stadt mit 45 Prozent beteiligt ist. „Wenn wir tatsächlich den Halbstundentakt wollen, dann müssen wir die Bahn ausbauen und die Elektrifizierung bezahlen.“ Dass Business nicht alles darf, betonte der Bürgermeister in puncto Spielhalle im Ortszentrum. Hier habe die Stadt letztlich gerichtlich obsiegt, mit großem Aufwand, vor allem für die Bauamtsleiterin – und einzige Mitarbeiterin der Abteilung – Bettina Koch. Gleich mehrere Mitarbeiter beschäftigt hat dagegen ein tierischer Talbewohner. „Die einen haben den Hund von Baskerville, Tegernsee hat den Schwan vom Schwaighof“, witzelte Hagn.

Einen Aufreger im neuen Jahr gibt es freilich auch schon: Den gesperrten Forst- und Wirtschaftsweg auf die Neureuth, da der Hang ins Rutschen zu geraten droht. Die Stadt Tegernsee ist dort als Sicherheitsbehörde zuständig. „Wenn auch nur der Hauch einer Gefahr besteht, dann wird gesperrt und nicht befahren.“ Die Kehrseite der Geschichte sei das Wirtspaar, für das die Situation existenzgefährdend ist. „Aufgabe des Stadtrats ist es, sich zu überlegen, wie man mit solchen Situationen künftig umgeht, Rückgrat beweist und zeigt, wie ein so wichtiges touristisches Thema aufgearbeitet wird. Wir hoffen, dass wir da zu einem guten Ergebnis kommen“, sagte Hagn und brachte schließlich den Finanzhaushalt der Stadt aufs Tableau.

Überraschung für Tegernsee: Millionen Gewerbesteuer müssen zurückgezahlt werden

„Bei allen Themen, die wir anfassen, ist die Ressource Geld extrem begrenzt. Wir sollten nicht mehr ausgeben, als wir haben.“ Tegernsee verfüge über einen Vermögenshaushalt von 3,5 Millionen Euro. Angesichts des „Wahlgeschenks“ an die Kommunen fehlten der Stadt über 1 Million Euro an Straßenausbaubeitragsgelder, die woanders abgingen. Auch die Rückzahlung von rund 4,5 Millionen Euro Gewerbesteuer komme unvermeidlich auf Tegernsee zu, der komplette Finanzhaushalt eines Jahres. Umwerfen werde das die Stadt aber nicht. So wünschte Johannes Hagn kurzerhand gute Gespräche, bedankte sich bei den Stadträten und allen Vereinsvertretern für die gute Zusammenarbeit in der vergangenen Amtsperiode und hoffte persönlich auf weitere sechs angenehme Jahre. sko

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