Endlose Geschichte

Debatte um verlandende Schwaighofbucht am Tegernsee geht in nächste Runde

Die Schwaighofbucht am Tegernsee verlandet zunehmend. Mehrere Initiativen fordern, etwas dagegen zu tun.
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Die Schwaighofbucht am Tegernsee verlandet zunehmend. Mehrere Initiativen fordern, etwas dagegen zu tun.

Tegernsee – Zu einer endlosen Geschichte entwickelt sich das Thema verschlammte Schwaighofbucht. Nun ist die Debatte im Stadtrat in die nächste Runde gegangen.

Die Schwaighofbucht – ein ehemals idyllischer Badeort am Tegernsee – ist seit Längerem Gegenstand einer schwierigen Debatte. Das Areal am Zufluss der Rottach verschlammt zunehmend. Auf einen Umgang damit kann man sich nur schwer einigen.

Zum einen geht es bei der Debatte grundsätzlich darum, wer überhaupt verantwortlich ist. Zum anderen geht es um die Frage, ob der Prozess ein natürlicher ist oder etwas dagegen getan werden muss. Als zuständig bezeichnete Bürgermeister Johannes Hagn in der jüngsten Sitzung des Stadtrats die bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Sprecherin Ines Holzmüller von der Seenverwaltung teilt jedoch mit: „Die Koordinierung der Angelegenheit übernimmt seit Jahren die Stadt Tegernsee.“

Noch deutlicher wird Andreas Holderer, Abteilungsleiter für den Landkreis Miesbach beim Wasserwirtschaftsamt: Aus wasserwirtschaftlicher Sicht sei es nicht notwendig, den natürlichen Verlandungsprozess zu unterbrechen. Außerdem handle es sich um einen kontinuierlich fortschreitenden Vorgang, sodass eine Reduzierung des Schlammes immer nur kurzzeitig erreicht werden könne. Sinnvoll sei daher lediglich, den Mündungsbereich der Rottach regelmäßig zu räumen, um ausreichend Abfluss bei Hochwasser zu garantieren. Das Wasserwirtschafts­amt sei hingegen bereit, Maßnahmen zu treffen, um die Entwicklung von Schilf zu fördern, und den verlandeten Bereich, der für großen Artenreichtum sorgen könne, ökologisch aufzuwerten.

Auch der Verein „Rettet den Tegernsee“ kümmert sich um das Thema und hat dem Tegernseer Stadtrat bereits das Angebot einer Firma vorgelegt, erklärt Andreas Holderer. Die Firma bietet an, die Sedimente mittels einer chemischen Verbindung durch Oxidation aufzulösen. Bürgermeister Hagn bemerkte dazu, dass die Wirksamkeit dieser Methode nicht erforscht sei und so auch unerwünschte Nebeneffekte möglich seien, etwa ein verstärktes Algenwachstum. Die Stadt Tegernsee könne daher nicht darüber entscheiden.

Auch Andreas Holderer betont, dass die Wirkung nicht vorhersagbar sei, da der alpine Zufluss des Tegernsees auch anorganische und mineralische Schwebstoffe mitführe. Erfolgreich durchgeführt und vom Umweltministerium geprüft worden seien solche Maßnahmen bereits, etwa am Kleinen Rußweiher in Eschenbach in der Oberpfalz, erklärt Andreas Scherzer, Vorstand von „Rettet den Tegernsee“. Dort kämpfe man aktuell damit, wie von Andreas Holderer auch am Tegernsee vermutet, dass sich die Sedimente zum wiederholten Male rückbilden.

Bürgermeister Hagn jedenfalls forderte mehr Initiative von anderen Stellen: „Wir haben genug Geld und Zeit investiert, die Entscheidung liegt jetzt nicht mehr bei uns.“ Stadtrat Andreas Obermüller (FWG) erklärte: „Mit meinem bescheidenen chemischen Wissen möchte ich doch hinzufügen, dass ich die Einbringung irgendeiner chemischen Substanz im Tonnenmaßstab nicht im Mindesten für zielführend halte.“ Eine endgültige Lösung des Problems steht also weiterhin aus. mfi

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