Stadtrat diskutiert

Einwände gegen Klinikprojekt an der Perronstraße in Tegernsee

Ein Sanatorium und eine Klinik sollen an der Perronstraße in Tegernsee entstehen.
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Ein Sanatorium und eine Klinik sollen an der Perronstraße in Tegernsee entstehen.

Tegernsee – Obwohl es sich nur noch um eine reine Formalität handelte, hat sich der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung ausführlich mit den Stellungnahmen zum Projekt Klinik und Sanatorium an der Perronstraße befasst.

Im Grunde war es nur noch eine Formalität, wie Bauamtsleiterin Bettina Koch anmerkte. Das Landratsamt hat bereits im Dezember den Bau von Sanatorium und Klinik an der Perronstraße in Tegernsee genehmigt. Dennoch hat das Durchgehen zahlreicher Einwände zu dem Bau den Stadtrat jüngst einige Zeit gekostet.

Mit zwei Gegenstimmen hat der Stadtrat letztlich dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nummer 58 „Sanatorium und Klinik, Perronstraße 7 und 9“ – so der offizielle Titel – zugestimmt. Zuvor sind alle eingegangenen Stellungnahmen von anderen Institutionen sowie Privatleuten ausführlich bearbeitet und abgewägt worden. Von Behördenseite sind keine gravierenden Einwände bei der Verwaltung im Rathaus eingereicht worden, sodass das Projekt noch ins Wanken geraten könnte. Unter anderem hat das Landratsamt Miesbach vorgeschlagen, ein sogenanntes städtebauliches Konzept zu erstellen, um künftige Großprojekte einzubinden. Die Stadt hingegen hält dies nicht für nötig. Die Kubatur der Gebäude wird als eine Art Kompromiss gesehen zwischen den verschiedenen Belangen.

Die mit Gauben und Giebeln gestalteten Gebäude werden nämlich anders auf dem 11.000 Quadratmeter großen Areal angeordnet, als die üblichen Riegel. Stattdessen werden die drei geplanten Gebäude eher locker auf dem Grundstück gebaut. Ein Sanatorium mit 19 Zimmern und 35 Betten sowie zwei Klinikgebäude mit 99 Zimmern und 108 Betten sollen auf dem Gelände an der Perronstraße errichtet werden. Zudem sind sieben Wohnungen geplant. Auch eine Tiefgarage mit 89 Stellflächen sowie 26 Parkplätze sollen entstehen.

Während die zuständigen Behörden den Lärmschutz generell als ausreichend ansehen, bemängelt die Untere Naturschutzbehörde den fehlenden Erhalt von Bäumen, berichtet Bauamtsleiterin Bettina Koch. „Im Rahmen der Planung wurde versucht, so viele Bäume wie möglich zu erhalten“, sagt sie. Es sei ein Kompromiss gefunden worden.

Die Stellungnahmen von Privatleuten sind umfangreicher ausgefallen und daher thematisch zusammengefasst worden. Hauptkritikpunkt war der noch immer fehlende Betreiber für die Anlage und daraus folgend die Sorge vor Leerstand oder dem Entstehen von Wohnungen an der Stelle. Das Verschandeln des Ortes und Zerstören der Villenlandschaft wurden ebenso als Einwände vorgebracht wie die Furcht vor einem Hangrutsch und einem Verkehrskollaps. Zudem sind mehrere der im Vorfeld erstellten Gutachten kritisiert worden. Jedoch ist die Stadt um Rechtssicherheit bemüht und hat daher erneut Gutachten eingeholt. Und: „Die Stadt hält es nicht für erforderlich, mit dem Bebauungsplan ein detailliertes Nutzungskonzept vorzulegen“, erklärte Bettina Koch.

Bürgermeister Johannes Hagn verteidigte die Pläne und erklärte, er gehe davon aus, dass Investor Klaus Dieter Burkhart, Geschäftsführer des Deutschen Zentrums für Zelltherapie, die Klinik betreiben werde. Immerhin steht diese auch als Ansprechpartner auf einer Tafel vor der Baustelle. Das Betriebskonzept sei Teil des Bebauungsplanes. Zudem merkte er an, dass bereits andere Anlagen auf dem Gelände geplant worden seien.

Auch Stadtrat Norbert Schußmann (CSU) kann „ruhigen Gewissens zustimmen, so wie es jetzt abgewogen ist“. Thomas Mandl (SPD) hingegen zeigte sich immer weniger überzeugt. „Da sind nochmal sehr viele Unwägbarkeiten aufgetaucht“, sagte er. Dennoch fiel der Beschluss am Ende mehrheitlich. Einfluss nehmen kann die Stadt sowieso nicht mehr auf das Projekt, da der Bau bereits genehmigt ist. ksl

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