Dicke Luft im Stadtrat

Grünen-Antrag zum Feuerwehrhaus sorgt für heftige Diskussion

So könnte das neue Tegernseer Feuerwehrhaus aussehen. Kritik von der Grünen-Fraktion gab es wegen der schlechten Sicht an der Gebäudeecke zum Fußweg.
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So könnte das neue Tegernseer Feuerwehrhaus aussehen. Kritik von der Grünen-Fraktion gab es wegen der schlechten Sicht an der Gebäudeecke zum Fußweg.

Tegernsee – Mit dem Antrag, die Pläne für das neue Feuerwehrhaus zu überarbeiten, ist die Grünen-Fraktion im Tegernseer Stadtrat gescheitert.

Einmal mehr hat sich der Tegernseer Stadtrat intensiv mit dem neuen Feuerwehrhaus an der Hochfeldstraße beschäftigt. In einer wahren Mammutsitzung ist jüngst über das Thema diskutiert worden. Anlass dafür war auch ein Antrag der Grünen-Fraktion, die Pläne nochmals komplett zu überarbeiten, um Kosten einzusparen, da die finanzielle Situation der Stadt aufgrund der Corona-Pandemie derzeit schwierig abzusehen ist, und eine harmonische Gesamtgestaltung zu erreichen.

Bevor die Stadträte in die Diskussion gingen, erläuterte Ursula Janssen von den Grünen den Antrag ausführlich. Es gehe nicht um Verhinderungspolitik, sondern sei klar notwendig, dass die Feuerwehr gebaut werde, betonte sie. Es gehe vor allem darum, wie sich die Kosten entwickeln. Waren es 2015 zu Beginn der Planungen noch 6,2 Millionen Euro, sei man mittlerweile bei rund 13 Millionen Euro angekommen für die Feuerwehr mit zehn Garagen plus den Aufbau mit sechs Wohnungen. Dass es sogar noch um die 15 Millionen Euro werden könnten, hielt Ursula Janssen durchaus für realistisch.

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Die Zahl wurde später in der Sitzung noch von Architektin Claudia Schreiber relativiert. Sie habe nicht beschönigen, sondern die Kosten nach einer qualifizierten Schätzung auf den Tisch legen wollen, erklärte sie. Was das Feuerwehrhaus am Ende in Summe kostet, ist bei einem derart umfangreichen Projekt auch schwer abzuschätzen, da unter anderem nicht bekannt ist, wie sich die Preise weiter entwickeln und ob es bei Abriss und Neubau noch Überraschungen geben wird. Auch Kämmerer Jürgen Mienert hielt das Projekt nach aktuellem Stand für problemlos finanzierbar, da die Stadt in den vergangenen Jahren Überschüsse angesammelt habe. Dennoch sehen die Grünen eine Finanzierungslücke von 5 bis 6 Millionen Euro.

„Vor allem fragen wir uns, warum wir als kleinste Tal-Gemeinde das größte und teuerste Feuerwehrhaus bauen müssen“, sagte Janssen beim Vergleich mit anderen Feuerwehrhäusern im Tegernseer Tal. Der Vorschlag: Den Neubau um zwei Hallensegmente mit Keller an der Westseite verkleinern. In welchem Ausmaß dadurch Kosten eingespart würden, konnten die Grünen jedoch nicht sagen. Architektin Schreiber überschlug 1 bis 1,2 Millionen Euro. Der kleinere Bau hat laut Janssen noch einen weiteren Vorteil: Sie sehe an der Gebäudeecke, die direkt zum Fußweg abschließt, eine schlecht einsehbare Gefahrenstelle, vor allem für die benachbarte Grundschule und den Kindergarten. Diese werde zugleich entschärft.

Die übrigen Stadträte sahen die Kritikpunkte anders. „Der Antrag ist sehr hart an der Schmerzgrenze“, erklärte Rudolf Gritsch (CSU). Er hatte seine Stellungnahme schriftlich vorbereitet und bezeichnete die Grünen-Kritik als „Ignoranz“ und „Unverschämtheit“ – ein Vorwurf, den Janssen zurückwies. Gritsch, der bereits vor dieser Legislaturperiode im Stadtrat gesessen hat, stand zur sorgfältigen, transparenten und nahezu lehrbuchmäßigen bisherigen Planungsarbeit im Gremium.

„Der Neubau wird kein Vereinsheim, sondern ist für die Feuerwehr und die Bevölkerung von Tegernsee“, sagte Florian Widmann (CSU), weshalb die Kosten durchaus gerechtfertigt seien.

Manuela Brandl (Bürgerliste) zeigte sich enttäuscht, dass nach Bekanntwerden der Probleme am Feuerwehrhaus im Jahr 2007 nicht eher gehandelt wurde. Auch so hätten die hohen Kosten vermieden werden können, weil die Preise für die Arbeiten am Gebäude noch niedriger gewesen wären. „Ich bin auch nicht glücklich mit der Kostenentwicklung, aber es ist nun mal so“, sagte sie. „Und es gibt zahlreiche Beschlüsse dazu und dann muss man sich halt auch der Mehrheit beugen.“

Dass man die Verwaltung nicht für die Entwicklung der Preise im Baugewerbe verantwortlich machen könne, erklärte Vize-Bürgermeister Michael Bourjau. „Der Weg zurück bringt nichts.“ Diese Meinung vertrat auch die Verwaltung in einer Stellungnahme, die Bürgermeister Johannes Hagn vortrug. Die Zeit drängt.

So wurde rasch deutlich, dass Ursula Janssen und Marcus Staudacher von der Grünen-Fraktion im Gremium mit ihrer Meinung alleine dastehen. Am Ende lehnten die Stadträte den Antrag ab. Lediglich die beiden Grünen-Abgeordneten stimmten dafür. ksl

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