Problem in Tegernsee

Hindernisse im Alltag für Rollstuhlfahrer – und was E-Autos damit zu tun haben

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Anton Grafwallner musste jüngst in Tegernsee von der Feuerwehr aus einer misslichen Lage befreit werden.

Tegernsee – Wenn Alltägliches zum Hindernis wird: In eine missliche Lage ist Anton Grafwallner jüngst mit seinem Rollstuhl in Tegernsee geraten.

Das Leben im Rollstuhl wird einem mitunter schwerer gemacht, als es müsste. Das hat Anton Grafwallner, Beauftragter für Menschen mit Behinderung des Landkreises Miesbach, jüngst in Tegernsee erfahren müssen. Und das nicht zum ersten Mal.

„Es ist wieder einmal passiert, dass ein sogenannter barrierefreier Zugang nicht funktioniert hat“, schreibt Anton Grafwallner unserer Redaktion. Er wollte im Dezember mit seiner Familie ins Café Aran in Tegernsee gehen, um einen erfolgreichen Tag bei Kaffee und Kuchen ausklingen zu lassen. „Leider hatte die Technik des Plattformliftes, die Stufenhöhe oder die Montagefirma etwas dagegen“, berichtet der Beauftragte für Menschen mit Behinderung des Landkreises Miesbach.

Laut Typenschild habe der Lift eine Tragfähigkeit von 300 Kilogramm. „Mein Hightech-Rollstuhl mit meiner Wenigkeit hat ein Gewicht von rund 250 Kilo“, sagt er. „Aufgrund meiner unliebsamen Erfahrungen als Behindertenbeauftragter vermute ich, dass der Lift bei der Inbetriebnahme mit 300 Kilo Ballast nicht ordnungsgemäß getestet wurde.“ Denn: Beim Hochfahren des Liftes sei die Plattform auf eine Stufe ge­schrammt und habe den Betrieb über Notaus abgeschaltet. Da ein Anruf bei der zuständigen Wartungsfirma nichts gebracht habe, habe am Ende nur noch die Freiwillige Feuerwehr Tegernsee helfen können.

„Durch die Kompetenz und Souveränität der Feuerwehr in Zusammenarbeit mit meinem Sohn konnte ich unfallfrei, langsam und zentimetergenau über eine Behelfsrampe die Plattform verlassen“, erklärt Anton Grafwallner und ist den Kameraden dafür sehr dankbar. „Wir freuen uns über jede Danksagung, die uns für einen Einsatz zukommt“, erklärt Wolfgang Winkler, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Tegernsee. „Dies ist in der heutigen Zeit leider selten geworden.“ Warum der Plattformlift nicht korrekt funktioniert hat und ob er mittlerweile repariert worden ist, ist nicht bekannt. Eine Anfrage unserer Redaktion an das Café Aran in Tegernsee ist bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet geblieben.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Anton Grafwallner mit seinem Rollstuhl auf ein Hindernis im Alltag trifft. Und diese können mitunter recht gefährlich werden. In einem offenen Brief hat er sich Ende 2019 an alle Politiker, Kommunen, Organisationen, Firmen und Privatleute, die ein Elektro- oder Hybridauto kaufen oder gekauft haben, gewandt. Der Grund: Beim Einkaufen wäre er auf dem Parkplatz beinahe mit einem rückwärts ausparkenden Elektroauto verunglückt. „Diese Autos bewegen sich bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h faktisch lautlos im Straßenverkehr“, schreibt er. „Diese Elektrofahrzeuge stellen für Fußgänger und Radfahrer eine höhere Unfallgefahr dar als herkömmliche Fahrzeuge.“ Er appelliert daher an alle Fahrer eines Elektro- und Hybridautos, ein sogenanntes Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) einzubauen, das beim Rückwärtsfahren ein Warngeräusch produziert. ksl

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