Leben in Tegernsee

Stadtrat diskutiert über neues Konzept für Bauland und bezahlbares Wohnen

Der Platz in Tegernsee ist rar. Wo noch gebaut werden kann, wurde kürzlich im Stadtrat diskutiert. Thema war unter anderem die sogenannte Amerikanerweise an der Leebergstraße.
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Der Platz in Tegernsee ist rar. Wo noch gebaut werden kann, wurde kürzlich im Stadtrat diskutiert. Thema war unter anderem die sogenannte Amerikanerweise an der Leebergstraße.

Tegernsee – Wie kann zusätzliches Bauland gewonnen werden, ohne unnötig Grünflächen zuzupflastern? Über diese schwierige Aufgabe hat der Stadtrat jüngst diskutiert.

Bereits im Dezember 2019 haben die Stadträte nach einem Antrag der CSU-Fraktion die Mitarbeiter der Verwaltung damit beauftragt, ein Konzept für die Wohnbaulandentwicklung zu erstellen. „Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen heißt nicht nur, Flächen zur Verfügung zu stellen, sondern diese auch so zu bebauen, dass die Investitionen mit bezahlbaren Mieten erwirtschaftet werden können“, erläuterte Bauamtsleiterin Bettina Koch.

In manchen Fällen müsse zudem der Flächennutzungsplan geändert werden, um neue Bauflächen auszuweisen. Dieser Punkt sei auch im Stadtrat nicht unumstritten. Das Problem: „Die Flächen, die nicht bereits im Flächennutzungsplan als Wohnbauflächen ausgewiesen sind, liegen im Landschatzschutzgebiet, die wenigsten geeigneten Flächen stehen im Eigentum der Stadt“, erklärte die Bauamtsleiterin. „Für Flächen im Außenbereich, die bereits als Wohnbauflächen dargestellt sind, müsste ein Bebauungsplan aufgestellt werden.“ Dies betreffe zum Beispiel die Amerikanerwiese an der Leebergstraße. Der Stadt gehört ein rund 11.700 Quadratmeter großer Teil davon. Die Tegernseer Räte haben sich mit dem Thema bereits 2019 befasst.

„Für bezahlbaren Mietwohnungsbau kommt aus Sicht der Verwaltung nur Geschosswohnungsbau in Betracht, wenn dieser kostengünstig realisiert werden kann“, sagte Bettina Koch. „Dies hängt aber eng mit dem Aufwand von Hangsicherungsmaßnahmen zusammen.“ Dafür müssten vorab jedoch zahlreiche Fragen geklärt werden, zum Beispiel wie dicht und hoch das Grundstück bebaut und wie dieses erschlossen werden soll, ob Tiefgaragen notwendig sind, wie teuer Hang-sicherungen würden und vieles mehr.

Fazit: Andere Grundstücke der Stadt wären einfacher zu bebauen. „Zielführender und erfolgversprechender scheint es, für die Schaffung und Sicherung von bezahlbarem Wohnraum den bereits eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen“, erklärte Bauamtsleiterin Bettina Koch.

Das bestehende Konzept sieht folgende sechs Punkte vor:

  • Bebaute Grundstücke erwerben, wenn sich die Gelegenheit bietet.
  • Prüfen, ob sich bereits bebaute städtische Grundstücke eignen, zum Beispiel ob die Gebäude an der Max-Josef-Straße 14 bis 16 abgerissen und vergrößert neu gebaut werden können.
  • Leerstände beseitigen, zum Beispiel im Dachgeschoss am Bahnhofsplatz 5, wo dies bereits umgesetzt wird.
  • Bauwerber beim Schaffen von bezahlbarem Wohnraum unterstützen, indem eventuell alte Hotelstandorte aufgegeben werden. Bei Schandl und Guggemos ist das bereits der Fall. Dort plant das Herzogliche Brauhaus einen Umbau.
  • Wohnungen mit dem Neubau der Feuerwehr realisieren, wie es bereits passiert.
  • Zusätzliche Bebauung auf dem Courts-Mahler-Grundstück oder südlich des Bahnhofs in Erwägung ziehen.

Anhand dieses Fazits empfehlen die Mitarbeiter der Verwaltung, eher im Innenbereich nachzuverdichten, statt im Außenbereich neue Bauflächen auszuweisen. Zudem sollten die eigenen Immobilien besser ausgenutzt und neue Grundstücke primär im Innenbereich hinzugekauft werden. Zu guter Letzt müssten die Konzepte finanzierbar sein.

Bürgermeister Johannes Hagn sprach sich dafür aus, die angestoßene Diskussion abzuschließen und in ein Votum zu gießen, wonach der eingeschlagene Weg weiter gegangen werden soll. Die Meinungen unter den Stadträten gingen auseinander: Heino von Hammerstein (Bürgerliste) war grundsätzlich für den Maßnahmenkatalog und betonte nochmals, dass die Konzepte finanzierbar sein müssen. Florian Kohler (Bürgerliste) plädierte dafür, dass sich der neue Stadtrat mit Hochdruck um das Bahnhofsgelände kümmern sollte, da der Grund der Stadt gehöre und es dort großes Potenzial für Wohnungen gebe. Dem Vorschlag widersprach Rudolf Gritsch (CSU), der in dem Bereich die Priorität eher beim Entwickeln des ÖPNV sieht. „Die Stadt solle dafür werben, dass Privatleute auf ihren Grundstücken bezahlbaren Wohnraum stellen“, sagte er. Laura Mandl (SPD) warb für einen Blick über den Tellerrand und regte sogenannte Tiny-Houses und Mehrgenerationenwohnen sowie Wohntauschprojekte an. Am Ende sprachen sich die Stadträte einstimmig dafür aus, den eingeschlagenen Kurs zunächst beizubehalten. ksl

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