Trinken tabu

Tegernsee entscheidet sich für Alkoholverbot im Kurgarten

Olaf-Gulbransson-Museum am Kurgarten in Tegernsee
+
Am Olaf-Gulbransson-Museum und im Kurgarten in Tegernsee soll ein Alkoholverbot gelten.

Tegernsee – Der Tegernseer Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung ein Alkoholverbot für den Kurgarten verabschiedet. Allerdings nicht ganz einstimmig.

Der Kurgarten ist ein beliebter Treffpunkt bei Jung und Alt. Nur hat es in den vergangenen Wochen immer wieder Probleme mit größeren Gruppen gegeben, die dort zusammensitzen und Alkohol konsumieren – trotz der geltenden Corona-Regeln. Nun geht die Stadt einen drastischen Schritt.

Über ein Alkoholverbot im Kurgarten hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung diskutiert. Die Meinungen dazu gingen auseinander. Jedoch: „Mund- und Nasen-Bedeckungen werden bei den Ansammlungen von bis zu zirka 20 Personen nur selten getragen, Mindestabstände ebenfalls nicht berücksichtigt“, erläuterte Geschäftsleiter Hans Staudacher. „Auffällig ist, dass sich in letzter Zeit vermehrt Personen aus anderen Gemeinden im Kurgarten treffen.“ Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass es dort bereits Alkoholverbote an beliebten Treffpunkten gibt.

Doch nicht nur die Corona-Pandemie animiert die Stadtverwaltung zu dem Schritt, sondern auch der neue Spielplatz, der ab sofort genutzt werden darf. „Hier gilt es, die Kinder und Familien sowie die neu errichteten Spielgeräte zu schützen“, erklärte der Geschäftsleiter. „In der jüngeren Vergangenheit gab es gehäuft Vorfälle zu beklagen.“ Unter anderem wurden Flaschen zerschlagen, sodass eine erhebliche Verletzungsgefahr bestand. Die Toiletten im Mehrzweckgebäude am Kurgarten 3 sind regelmäßig beschädigt oder stark verschmutzt. Unrat wie Flaschen und Verpackungsmüll werden ebenso hinterlassen wie Kurgäste und Anlieger durch laute Musik und Gegröle belästigt. Sogar Kurkonzerte sind bereits gestört worden.

Jedoch hat der Vorschlag nicht bei allen Stadträten Anklang gefunden. Er sei gegen das Alkoholverbot, weil er die Jugend nicht unter Generalverdacht stellen und kriminalisieren wolle, erklärte Marcus Staudacher (Grüne). Seiner Meinung nach seien die Corona-Regeln klar und das weitere Verbot unnötig. Ähnlich sah es auch Fraktionskollegin Ursula Janssen. „Das ist ein Schritt, den wir uns gut überlegen sollten“, sagte sie und schlug vor, die Situation den Winter über zu beobachten und erst dann zu reagieren. Zudem schlug sie vor, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und so die Lage zu verbessern.

Anders sahen das Anton Lengmüller und Andreas Obermüller (beide FWG). „Wir sollten das machen, weil der Anlass ist, dass sie es woanders nicht dürfen und deswegen zu uns kommen“, sagte Anton Lengmüller. Als gute Entscheidung, das Alkoholverbot für ein Jahr zu testen, bezeichnete Andreas Obermüller das Vorhaben. „Wir sollten das nicht in Tegernsees guter Stube dulden“, sagte er. „Für mich ist das der richtige Schritt.“

Einerseits dafür, andererseits auch dagegen zeigte sich Rudolf Gritsch (CSU). „Die jungen Leute sollen sich irgendwo aufhalten können“, sagte er und schlug vor, das Alkoholverbot für drei Monate auszutesten und dann zu evaluieren, ob sich an der Situation etwas geändert hat. „Über ein Jahr ist einfach zu lange.“

Jedoch gehe es nicht darum, aus dem Kurgarten eine No-go-Area zu machen, sondern darum, dass die Polizei eine Handhabe hat, wenn dort eine Gruppe zusammensitzt und sich nicht an die Regeln hält, erklärte Markus Schertler (CSU). Insofern sei das Alkoholverbot völlig in Ordnung. Auch Andreas Feichtner (CSU) sprach sich dafür aus.

Zu guter Letzt haben die Stadträte sich mehrheitlich mit drei Gegenstimmen für das Alkoholverbot entschieden. Dieses gilt ab sofort bis Ende 2021. Jedoch bestehe jederzeit die Möglichkeit, das Verbot vorzeitig mit einem Beschluss wieder zurückzunehmen, wenn die Stadträte dies wünschen, erklärte Bürgermeister Johannes Hagn. Drei Monate halte er jedoch für zu kurz, um die Situation neu zu bewerten. „Die Polizei braucht die Satzung, um tätig werden zu können“, sagte er zum Abschluss der Diskussion, bevor er die Stadträte um ihr Votum bat. ksl

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Edeka Riedel verabschiedet sich aus Bad Wiessee
Edeka Riedel verabschiedet sich aus Bad Wiessee
Coronavirus im Krankenhaus Agatharied: Patient auf Station positiv getestet
Coronavirus im Krankenhaus Agatharied: Patient auf Station positiv getestet
Medical-Park-Kliniken in Bad Wiessee ausgezeichnet
Medical-Park-Kliniken in Bad Wiessee ausgezeichnet
Hilferuf in Rottach-Egern: Demo und Petition gegen Corona-Lockdown in der Gastronomie
Hilferuf in Rottach-Egern: Demo und Petition gegen Corona-Lockdown in der Gastronomie

Kommentare