Sondersitzung in Tegernsee

Neue Zahlen: Feuerwehrhaus wird wesentlich teurer als geplant

Die alte Feuerwehr an der Hochfeldstraße in Tegernsee muss abgerissen und neu gebaut werden.
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Die alte Feuerwehr an der Hochfeldstraße in Tegernsee muss abgerissen und neu gebaut werden.

Tegernsee – Seit 2015 wird am neuen Feuerwehrhaus an der Hochfeldstraße in Tegernsee geplant. Nun zeigt sich: Die Kosten schnellen in die Höhe.

Ein gewichtiges Projekt gewinnt weiter an Kontur: Die Planung des neuen Tegernseer Feuerwehrhauses. Der Stadtrat setzte für dieses Thema eigens eine Sondersitzung an.

Erster Punkt auf der Tagesordnung war die Planung eines Energiekonzepts. Projektleiter Jonas Schwall vom Planungsbüro g-tec in Siegen stellte zwei Varianten der Beheizung vor. Die erste Variante sieht eine Beheizung und Warmwasserversorgung über eine Photovoltaikanlage, einen zusätzlichen Gasheizkessel für Spitzenzeiten sowie eine Solar­thermieanlage vor. Die zweite Möglichkeit bestünde aus einer Photovoltaikanlage mit Wärmepumpe und einem Erdgaskessel.

Während die erste Variante auf Investitionskosten von etwa 119.000 Euro käme, wurde die zweite mit etwa 154.000 Euro beziffert. „Die zweite Variante würde allerdings eine CO2-Einsparung von etwa sechs Tonnen jährlich durch den geringeren Gasverbrauch bewirken“, rechnete Schwall den ökologischen Vorteil gegen die höheren Kosten. Das Gremium votierte schließlich einstimmig für die nachhaltigere zweite Variante, die bereits bei der Sitzung im März im Gespräch gewesen war.

Als eher kompliziert erwies sich das zweite Thema: Die Zahl und Gestaltung der Wohnungen, die in den beiden oberen Stockwerken entstehen sollen. Ursprünglich war die Konzeption einer kleinen Wohnung im ersten Stockwerk sowie vier weiterer Wohnungen im zweiten Stock vorgesehen. Um aber in den Genuss eines staatlichen Förderungsprogramms zu kommen, mussten erhebliche Änderungen vorgenommen werden. „Die Wohnungen waren zu groß“, erläuterte Bauamtsleiterin Bettina Koch.

Der Idee, Wohnraum für einheimische Familien zu schaffen, stand die Regierung ablehnend gegenüber: Man halte Wohnungen auf einem Feuerwehrhaus nicht für geeignet für Familien mit Kindern. Claudia Schreiber, die zuständige Architektin für das Projekt, präsentierte nun in der Sitzung einen neuen Entwurf. Statt vier sollen nun fünf kleinere Wohnungen im zweiten Obergeschoss des neuen Tegernseer Feuerwehrgebäudes untergebracht werden. Damit entstünden eine große Wohnung mit knapp 70 Quadratmetern Wohnfläche, zwei mit je 60 und drei mit 40.

„Damit konterkarieren wir unser eigenes Projekt, Wohnraum für Familien entsteht hier definitiv nicht mehr“, monierte Thomas Mandl (SPD). Auch weitere Ratskollegen zeigten sich befremdet, dass der Staat hier ein familienfreundliches Projekt offenbar torpediere. Bürgermeister Johannes Hagn wies an dieser Stelle auf den dringenden Bedarf auch an Ein-Zimmer-Wohnungen hin. Sein Stellvertreter Michael Bourjau (FWG) verwies auf die Höhe der Fördersumme: 450.000 Euro stünden der Gemeinde damit zur Verfügung. Mit lediglich zwei Gegenstimmen wurde der neue Entwurf letztlich abgesegnet.

Die Frage nach der Gestaltung der Fassade führte zu einer lebhaften Diskussion. Während einige ein traditionelles, ortstypisches Äußeres favorisierten, konnten sich andere durchaus mit einem modernen Bau anfreunden. 21 Varianten hatte Schreiber erarbeitet, wovon zwei in die engere Wahl genommen wurden. Letztlich wurden Grundlagen für die weitere Ausarbeitung festgelegt: Der Stadtrat entschied sich für eine Fassade aus Beton, Stein oder Putz für die Feuerwehr. Die beiden oberen Stockwerke, die auf den als L-förmigen Riegel konzipierten Unterbau aufgesetzt werden, sollen eine Holzfassade erhalten. Als Dachform entschied man sich für ein Satteldach.

Schließlich stand auf Antrag der Grünen die Kostenschätzung für das Projekt im Raum. Rund 11,4 Millionen würde die Feuerwehr bislang kosten – knapp drei Millionen mehr als in der Machbarkeitsstudie vom März 2019 angesetzt. Davon entfielen allein auf die Baugrube 1,3 Millionen. Die neu hinzugekommene Entsorgung der Altlasten ist mit gut 600.000 Euro angesetzt. Der Kostenanteil für die Wohnungen liegt mit 1,3 Millionen um knapp eine Viertelmillion über der Schätzung von 2019. Hinzu kommen etwa 428.000 Euro für die Interimslösung während der Bauarbeiten und 347.000 Euro für den Neubau des Spielplatzes, der an der Hochfeldstraße dem neuen Parkplatz weichen muss. ger

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