Gemeinde liebäugelt mit MVG-Rad

Trotz Bedenken: Otterfinger Gemeinderäte stimmen für neues Mietradsystem

MVG-Mietradsystem
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In München gehören die MVG-Räder schon lange zum Straßenbild. Nun hat auch Otterfing grundsätzliches Interesse geäußert, diese einzuführen. Dabei kommt es auch auf die Kosten an.

Otterfing – Das Mietradsystem der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) soll im Norden des Landkreises Miesbach etabliert werden. In Otterfing waren die Gemeinderäte eher skeptisch.

Im Landkreis München hat sich das MVG-Leihrad bereits etabliert. In 21 von 29 Gemeinden können die Räder bereits ausgeliehen werden. Nun nehmen die Miesbacher Nordgemeinden einen Anlauf, dieses System ebenfalls zu installieren. Neben Weyarn überlegen Holzkirchen, Valley, Warngau und Otterfing, dies einzuführen. Waakirchen hat sich bereits dagegen entschieden.

Kürzlich hatte der Otterfinger Gemeinderat das Thema auf der Tagesordnung und das Für und Wider ausgiebig diskutiert. Trotz Bedenken bekundete das Gremium mit einer Gegenstimme grundsätzliches Interesse.

Räder für touristische Ausfahrten ungeeignet

„Was soll das bringen?“, fragte Hubert Zellner vom Bauamt in die Runde und gab sogleich Antwort. So liege die Zielgruppe weniger beim touristischen Vergnügen für eine Ausfahrt ins bergige Oberland, weil die Räder dazu schlichtweg nicht geeignet seien. Vielmehr solle es ein Angebot für den letzten Kilometer vom Bahnhof zur Arbeit oder im innerörtlichen Verkehr sein. Gemeindeübergreifend könnten die Räder eine attraktive Alternative im Bahnhofsdreieck Otterfing–Kreuzstraße–Holzkirchen sein. Wäre damit auch ein Schritt zur Verkehrswende getan, um ein Angebot zu schaffen, das eine oder andere Mal aufs Auto zu verzichten.

„Das macht natürlich nur Sinn, wenn ein Verbund möglichst vieler Stationen entsteht. Voraussetzung ist außerdem, dass der Landkreis dazu sein Go und auch Geld gibt“, ergänzte Bürgermeister Michael Falkenhahn. Die Kosten für die Leihstationen würden laut Zellner zu 80 Prozent gefördert. Wenn der Landkreis Miesbach noch 10 Prozent übernehme, koste die Gemeinde die Luxusversion mit einer Stele und 15 Rädern rund 5.700 Euro. Die günstigste mit virtueller Stele für fünf Räder sei für rund 1.100 Euro zu haben. Das voraussichtlich anfallende jährliche Defizit solle zu gleichen Teilen auf Landkreis und Gemeinde aufgeteilt werden. Euro-Beträge dazu gebe es noch nicht, da sich das Projekt in einem frühen Stadium befinde und verfügbare Zahlen aus München nicht 1:1 übernommen werden könnten, wie Zellner sagte.

ÖPNV attraktiver machen

„Grundsätzlich ist das eine gute Idee“, meinte Robert Schüßlbauer (CSU) und bat darum, die Kosten im Auge zu behalten. Begrüßen würde das auch Vize-Bürgermeister Gerhard Heimerer (CSU), aber: „Wie lange läuft der Vertrag und kommen wir da wieder raus, wenn es nicht angenommen wird?“. Das werde wegen der hohen Förderung laut Zellner eher schwierig. Er schätzte die Vertragslaufzeit auf rund sieben Jahre. Ihre anfängliche Begeisterung wich, wie Ulrike Stockmeier (FWO) sagte, einer gewissen Skepsis: „Wird das auch im Winter genutzt?“. Davon geht der Rathauschef aus: „Wer das aus Überzeugung macht, fährt auch im Winter und bei schlechtem Wetter.“

Hubert Baldauf (Grüne) meinte: „Wenn der ÖPNV attraktiver werden soll, muss zuerst einmal die S-Bahn pünktlich fahren.“ Dass mit dem MVG-Leihrad der Autoverkehr merklich reduziert werde, könne er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Vielmehr wäre es sinnvoll, die Räder in Tegernsee für Tagesausflügler zu stationieren. Trotzdem könne man es mit geringem Kostenaufwand in Otterfing probieren.

MVG-Räder von Weyarn bis München möglich

Rundherum abgelehnt hat das Projekt Josef Killer (FWG). Er sehe nicht, dass sich die Gemeinde als Radverleih betätigen solle: „Wir wollten doch nach der Haushaltsberechnung an den Schräubchen drehen. Wenn der Landkreis das als Touristenattraktion will, soll er das auch zahlen.“ Außerdem sei das ÖPNV-Angebot mit S-Bahn, Bus und dem vom Kreis subventionierten Anruf-Sammel-Taxi (AST) gut: „Wir müssen sparen und das sind Wünsch-Dir-was-Träumereien.“

Das sah der Rest des Gremiums anders und gab sein Einverständnis, zumindest die Einführung des MVG-Rads zu unterstützen. Dann, so die Hoffnung von Hildegard Huil (Grüne), würde vielleicht auch Sauerlach nachziehen. Dort wurde der Beschluss bisher dreimal verschoben. Am Ende könne eine Durchgängigkeit des MVG-Rads von Weyarn bis München möglich sein. hac

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