Bergwacht bei unzähligen Einsätzen

Mädchen (8) rutscht am Spitzingsee steilen Abhang hinunter und landet im eisigen Dürnbach

Landung des Rettungshubschraubers „Christoph 14“ am Stümpfling-Parkplatz
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Maßarbeit war die Landung des Rettungshubschraubers „Christoph 14“ am Stümpfling-Parkplatz.
  • vonKatja Schlenker
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Schliersee – Das schöne Wetter am Wochenende war trügerisch, denn die Hänge waren zum Teil stark vereist. Mehrere Skitourengeher und Rodler mussten am Spitzingsee von der Bergwacht versorgt werden.

Das Problem ist nicht neu: Die Skilifte sind geschlossen und die Menschen drängen ins Freie, um sich von Arbeit und Schule zu Hause zu erholen. So wurde auch das klassische Münchner Naherholungsgebiet Spitzingsee in den vergangenen Tagen von Wintersportlern stark frequentiert.

„Hunderte von Skitourengehern waren unterwegs“, sagt der stellvertretende Bergwachtleiter Lorenz Haberle. „Darunter viele Neueinsteiger, die mit der Technik des Skibergsteigens und der alpinen Herausforderungen außerhalb präparierter Pisten nicht vertraut sind.“ Eine relativ geringe Schneedecke sowie der Wechsel zwischen Tauwetter und strengem Frost führten zu stark vereisten Passagen und bergen somit weitere Tücken.

Ansturm am Spitzingsee: Bergwacht im Dauereinsatz

So stürzte ein 79-jähriger Münchner im Steilstück des Unteren Lochgrabens, nicht weit oberhalb des Taubenstein-Parkplatzes. Da er aufgrund starker Schmerzen im Oberschenkel ohne fremde Hilfe das Tal nicht mehr erreichen konnte, wurde die Bergwacht alarmiert. Ein Rettungsteam versuchte mit dem kettenbetriebenen Quad (ATV) zu dem Verletzten vorzudringen.

Allerdings musste dieser Versuch aufgrund der starken Vereisung abgebrochen werden. Die Helfer mussten sich ganz klassisch mit Steigeisen und Grödeln nach oben arbeiten. Ein zweites Team war inzwischen mit dem Akja von oben her in den Unteren Lochgraben eingefahren. Der Verletzte wurde mit einem Vakuumbett versorgt und fixiert.

Für den Taltransport musste der Akja allerdings über die steile und vereiste Tourenabfahrt abgeseilt werden. Der Patient – selbst früher Facharzt – war sich sicher, dass er sich lediglich eine schwere Oberschenkelprellung zugezogen hätte. Im Krankenhaus wurde jedoch zudem eine Bruch des Oberschenkelhalses festgestellt.

Schwerer Sturz am Taubensteinsattel

Eine 32-jährige Skibergsteigerin zog sich bei einem Sturz am Taubensteinsattel eine stark blutende Schnittverletzung am Gesäß zu. Die Grafingerin wurde nach der Erstversorgung mit dem ATV nach Spitzingsee-Ort gebracht und zur Weiterbahndlung ins Krankenhaus transportiert.

Unfall von Skitourengeher am Taubenstein

Nahezu zeitgleich ereignete sich ein weiterer Skitourenunfall auf der Abfahrt vom Taubenstein. Bei einer rasanten Schussabfahrt, um Schwung für ein Flachstück zu nehmen, übersah ein Rosenheimer einen Graben. Er stürzte schwer und blieb benommen liegen. Eine Notärztin und Rettungskräfte der Bergwacht Schliersee und München stellten einen Unterarmbruch und den Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma fest. Da kurzfristig kein Rettungshubschrauber zur Verfügung stand, wurde der 45-Jährige mit dem Akja zur Schwarzenkopfhütte und dann weiter mit dem Bergrettungsfahrzeug zur Besenreiser Hütte gebracht. Zwischenzeitlich war der Rettungshubschrauber Christoph 14 aus Traunstein frei und konnte den Patienten übernehmen.

Auch das Rodeln erfreut sich in Corona-Zeiten neuer Beliebtheit. Dabei stellten sich die vereisten Abfahren ebenso als unfallträchtig heraus:

Ein 33-Jähriger zog sich bei einem Rodelunfall an der Oberen Firstalm einen äußerst schmerzhaften Unterarmbruch zu und musste zur Schmerzbekämpfung notärztlich versorgt werden, bevor er ins Krankenhaus transportiert werden konnte.

Mädchen (8) kommt beim Rodeln vom Weg ab

Weitaus gravierender erschien das Meldebild eines anderen Unfalls: Ein achtjähriges Mädchen war bei der Abfahrt mit dem Schlitten vom Bodenschneidweg abgekommen, rund 50 Meter einen steilen Abhang hinuntergefallen und schließlich im eisigen Dürnbach gelandet. Sofort wurden die Einsatzkräfte der Bergwachten Schliersee, Hausham und Bayrischzell sowie der Bergwachtnotarzt zur Unfallstelle beordert, zudem ein Hubschrauber mit Winde und das Kriseninterventionsteam der Bergwacht angefordert.

Beim Eintreffen der Rettungskräfte stellt sich heraus, dass das Kind bereits von den Eltern aus dem Wasser gezogen worden war. Aufgrund einer Unterkühlung, einigen Prellungen und dem traumatischen Erlebnis wurde die junge Freizeitsportlerin zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht.

„Die Kleine ist wie durch eine Wunder von schwereren Verletzungen verschont geblieben – da ist offenbar ein Schutzengel mitgefahren“, sagt Günter Riedl, der Einsatzleiter der Bergwacht Schliersee. Die Eltern, die den Sturz ihrer Tochter mit ansehen mussten, wurden vom Kriseninterventionsteam betreut. Der Rettungshubschrauber, der nicht mehr nötig war, konnte sofort zu einem Notarzteinsatz nach Bayrischzell weiterfliegen. ksl

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