Getrennte Wege

Trotz Sperrung der Seepromenade: Bad Wiessee soll für Radfahrer attraktiv bleiben

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Die im Sommer 2017 erfolgte Freigabe der Bad Wiesseer Seepromenade für Radler wurde wieder einkassiert.

Bad Wiessee – Weil sich Beschwerden von Fußgängern über rücksichtslose Fahrradfahrer auf der Seepromenade gehäuft hatten, wurden im Sommer Verbotsschilder an den Zugängen zu der Flaniermeile aufgehängt. Viele Pedalritter hielten sich aber nicht daran, weshalb der Punkt in der jüngsten Gemeinderatssitzung ausgiebig debattiert wurde. Das Ergebnis: Die Seepromenade wird dauerhaft für Radler gesperrt, aber gleichzeitig nach Wegen gesucht, damit Bad Wiessee für Fahrradfahrer attraktiv bleibt.

Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD), der die Sitzung für den im Urlaub befindlichen Rathaus­chef Peter Höss leitete, sieht das Problem an der Seepromenade mit darin, dass der Anteil der E-Bikes erheblich gestiegen ist und der eine oder andere Nutzer damit schlicht überfordert ist: „Damit steigt das Unfallrisiko und die Gefahr für die Fußgänger erheblich. Wir mussten also handeln.“

Der Gemeinderat war darüber gespaltener Meinung. Für Klaudia Martini (SPD) stand fest, „dass die Seepromenade ein öffentlicher Raum ausschließlich für Fußgänger sein muss.“ Ähnlich äußerte sich Kurt Sareiter (CSU), der forderte, dass die Promenade eine Ruhezone für den Kurort bleiben soll: „Daher muss da unten mit dem Radeln Schluss sein.“ Die partei­freie Beate Meister und Ingrid Versen (CSU) sprachen davon, dass sie inzwischen zu hören bekommen haben, dass Senioren und Fußgänger schlicht Angst hätten, dort spazieren zu gehen. Zu der notwendigen Überwachung der Sperrung meinte Thomas Erler (CSU): „Ab und an sauber die Zähne zeigen spricht sich bei den Radlern schon rum.“ Von einer zeitlichen Freigabe hielt er indes nichts. Neben stichprobenartigen Kontrollen wird auch über bauliche Maßnahmen nachgedacht, die das Durchfahrtsverbot deutlich machen. Mit 10:4 Stimmen beschloss das Gremium dann, dass möglichst zeitnah Radverbotsschilder zwischen dem Strandbad Grieblinger im Norden und dem Zeiselbach im Süden aufgestellt werden sollen. Der Bereich der Seepromenade, der dazwischen liegt, ist somit ausschließlich für Fußgänger freigegeben. Südlich des Zeiselbachs soll es den Radfahrern hingegen weiterhin ermöglicht sein, den Parallelweg zur Seepromenade in Richtung Altwiessee zu befahren.

Gegenstimmen kamen von Bernd Kuntze-Fechner (SPD), Rolf Neresheimer (ranBW) und Fritz Niedermaier (Wiesseer Block). Sie wollen Bad Wiessee für Radfahrer attraktiv gestalten und der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) beitreten. Dieser Antrag wurde im Anschluss der Sperrung der Seepromenade behandelt und fand uneingeschränkte Zustimmung. „Natürlich ist die Rücksichtslosigkeit ein riesiges Problem geworden. Ich möchte auch nicht, dass mir jemand über die Füße fährt“, sagte Kuntze-Fechner und schlug stattdessen vor, sich zu überlegen, wo und wie Strecken gesperrt werden sollen und wo man stattdessen fahren könne. CSU-Bürgermeisterkandidat Florian Sareiter sieht hier eine gute Chance: „Wir haben den Riesenvorteil, dass wir uns relativ gut ausbreiten können.“ Dass die Fahrradfahrer unbedingt zur Gemeinde gehören, bekräftigte Birgit Trinkl (Wiesseer Block): „Sehr viele Gäste meiner Ferienwohnungen lassen ihr Auto stehen und nutzen das Fahrrad. Das ist doch genau die Zielgruppe, die wir als Urlauber hier haben wollen.“ Markus Trinkl (Wiesseer Block) schlug zudem vor, sich speziell in den Bergen eine klare Ausweisung zu überlegen, wer welche Wege nutzen darf: „In Tirol funktioniert das schon ganz gut, und wer weiß, vielleicht könnten wir so auch einen Mountainbike-Trail installieren.“ Einstimmig beschloss das Gremium schließlich, dem Antrag stattzugeben und mit der Erarbeitung eines entsprechenden Konzeptes zu beginnen. hac

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