1. dasgelbeblatt-de
  2. Lokales
  3. Miesbach

Sporthalle in Tegernsee wird Notunterkunft für Flüchtlinge

Erstellt:

Von: Fridolin Thanner

Kommentare

Eingang der Sporthalle am Gymnasium Tegernsee
Die Landkreis-Sporthalle am Gymnasium Tegernsee wird zur Notunterkunft für Geflüchtete umfunktioniert. © Thanner

Tegernsee – Die Landkreis-Turnhalle in Tegernsee wird wieder Notunterkunft für Geflüchtete. Bis zu 200 könnten dort demnächst unterkommen.

Die Sporthalle am Gymnasium Tegernsee wird wieder Notunterkunft. Das Landratsamt sieht keine Möglichkeit, die Vielzahl an Flüchtlingen anderweitig unterzubringen. Gleichzeitig hofft die Behörde, größere Gebäude anmieten zu können. Containerlösungen sind ebenfalls in Planung, aber nicht schnell umsetzbar.

Von „enormen Flüchtlingszuweisungen der vergangenen Monate“ berichtet das Landratsamt. Demnach wurden dem Landkreis in den vergangenen Herbst-Wochen mehr als 500 aus der Ukraine Geflohene sowie 200 aus anderen Ländern geflohene Menschen zugewiesen. Sie müssen registriert, versorgt und untergebracht werden. Für den Landkreis sei das „kaum mehr stemmbar“, erklärt Sprecherin Sophie-Marie Stadler.

Mit Beginn des Kriegs in der Ukraine habe sich die Lage deutlich verschärft. So lagen davor im Februar rund 450 Geflüchtete aus anderen Ländern im Verantwortungsbereich des Fachbereichs Ausländer- und Asylangelegenheiten, bis Anfang Oktober kamen 1500 Geflüchtete aus der Ukraine hinzu. Und der Zustrom hält an.

Während zuvor, nach der Flüchtlingskrise 2015/2016, zu Hochzeiten maximal 35 Personen wöchentlich dem Landkreis zugewiesen wurden, sind es derzeit wöchentlich 50 bis 100 Personen. „Obwohl alle Kapazitätsgrenzen im Landkreis bei weitem überschritten sind, werden dem Landkreis weiterhin Geflüchtete zugewiesen“, berichtet Stadler. So kamen vergangene Woche 50 Menschen an, für Donnerstag, 1. Dezember, sind weitere 100 angekündigt. „Mit weiteren Zuweisungen ist jede Woche zu rechnen“, erklärt Stadler. „Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, so viele Menschen noch zielführend unterbringen zu können“, macht sie klar. Alle verfügbaren Asyl-Unterkünfte seien voll belegt, die Akquise zusätzlicher bringe nur mäßigen Erfolg.

Auch die zusätzlich im Kontext der Ukraine-Krise angemieteten Unterkünfte sind voll belegt. Rund 200 Menschen sind in der Gymnasiums-Turnhalle in Miesbach untergebracht. Die Berufsschul-Turnhalle in Miesbach dient als Erstaufnahmeeinrichtung, seit kurzem auch zusätzlich als Notunterkunft und ist als solche ebenfalls regelmäßig belegt.

Da ständig weitere Geflüchtete ankommen bleibe „nichts anders übrig, als eine weitere Landkreis-Turnhalle zur Flüchtlingsunterbringung umzunutzen“, erklärt Stadler. Alle würden hinsichtlich der Größe, Lüftung und Sanitäranlagen geprüft und priorisiert. Die Wahl fiel auf die Turnhalle am Gymnasium Tegernsee, sie wird für die Unterbringung von bis zu 200 Geflüchteten vorbereitet. Wann sie belegt wird, steht noch nicht fest.

„Der Fachbereich Ausländer- und Asylangelegenheiten verwendet weiter alle Kräfte in die Bereitstellung alternativer Unterkünfte“, erklärt Stadler. Denn Ziel sei es weiter, die Hallen so schnell wie möglich wieder für den Sport freizugeben. Für Landrat Olaf von Löwis ist es „ein Unding, Geflüchtete in Turnhallen unterzubringen. Erstens, weil unsere Schülerinnen und Schüler genauso wie unsere Sportlerinnen und Sportler nach der langen Corona-Pause nun erneut nicht in ihre Hallen können. Zweitens, weil die Unterbringung in Turnhallen einfach nicht geeignet ist“. Aber auch von Löwis macht klar: „Bei dieser extrem hohen Anzahl an unterzubringenden Personen ist es einfach nicht möglich, andere Lösungen zu finden.“

Zudem sei es „sehr mühsam, die erforderlichen Kostenübernahmen des Freistaats zu erhalten“, heißt es aus dem Landratsamt. Die Flüchtlinge unterzubringen ist Aufgabe des Freistaats, die Landkreisverwaltung agiert nur als dessen verlängerter Arm. Der Landkreis benötigt für alle Schritte die Freigabe der Regierung von Oberbayern. Die hat inzwischen die Kostenübernahme für eine Containeranlage in Holzkirchen am Moarhölzl genehmigt, „nach mehrmonatiger Diskussion auf verwaltungs- und politischer Ebene“, wie das Landratsamt mitteilt.

In der Anlage können bis zu 220 Geflüchtete untergebracht werden, allerdings dauert das noch. Denn erst geht es nun an nun die Detailplanung, dann ist eine europaweite Ausschreibung erforderlich. „Es werden also noch einige Monate vergehen, bis die Containeranlage tatsächlich in Betrieb genommen und belegt werden kann“, erklärt Stadler. Eine weitere Containeranlage für etwa 100 Geflüchtete soll in Hausham entstehen. Hierfür liegt die Kostenübernahme aber noch nicht vor. Ganz allgemein klagt von Löwis: „Ich habe schon unzählige Gespräche mit verschiedensten Politikern geführt, aber es ist sehr ärgerlich, dass es so langsam vorwärts geht.“

Die Unterkunftsverwaltung des Landratsamtes bittet inzwischen weiter alle Bürger um Unterstützung bei der Flüchtlingsunterbringung: Gesucht werden leerstehende Hallen oder größere Gebäude, die mindestens drei Jahre zu Verfügung stehen. Alle Angebote sollen per E-Mail an unterkuenfte@lra-mb.bayern.de gemeldet werden.

Weitere Informationen zur Ukraine-Hilfe im Landkreis Miesbach gibt‘s hier.

Auch interessant

Kommentare