Umgehungsstraße oder Tunnel?

Staatliches Bauamt Rosenheim präsentiert neun Trassenvarianten für Waakirchen

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Präsentation der Machbarkeitsstudie: Rund 250 Bürger waren in die Waakirchner Turnhalle gekommen. Die Pläne der Trassenvorschläge hingen zur Information aus.

Waakirchen – Ober- oder unterirdisch? Wann wird die geplante Verkehrsentlastung von Waakirchen Realität? Antworten auf diese Fragen gibt es noch nicht. Allerdings liegt jetzt eine sogenannte „Machbarkeitsstudie“ mit neun Trassenvorschlägen – unter ihnen auch zwei Tunnelvarianten – vor, die das Staatliche Bauamt Rosenheim vergangene Woche präsentierte. „Was wir Ihnen nicht vorstellen, ist eine Vorzugsvariante“, betonte Stefan Högenauer, Leiter des Bereichs Straßenbau, gleich zu Beginn der Veranstaltung. Man befinde sich erst im Stadium der Voruntersuchung, informierte der Baudirektor die in der Waakirchner Turnhalle versammelten rund 250 Zuhörer. Diese hatten sich schon beim Betreten der Sportstätte einen ersten Eindruck der Trassenvarianten, dargestellt auf nebeneinander ausgehängten Plänen, verschafft.

Bürgermeister Sepp Hartl zeigte sich über das große Bürger-Interesse erfreut und hob hervor, es sei immer sein Wunsch gewesen, „dass die Pläne allen gemeinsam vorgestellt werden“. Einmal mehr versicherte das Gemeindeoberhaupt, dass in die Entscheidung selbstverständlich die Bürger miteinbezogen würden. „Es geht nur gemeinsam“, machte Hartl deutlich.

Wie Högenauer erläuterte, habe die Rosenheimer Behörde zur Anfertigung besagter Machbarkeitsstudie die eingebrachten Varianten geprüft. Im Rahmen der Studie sei ein Planungsbüro mit einer großräumigen Verkehrsuntersuchung beauftragt worden. Eine detaillierte Planung könne erst dann in Angriff genommen werden, wenn die Trassenvariante feststehe. Und dafür bedürfe es der Stellungnahme der Kommune. Högenauer: „Es ist wichtig zu wissen, wie sich die Gemeinde positioniert.“ Der Baudirektor räumte aber ein, dass die Stellungnahme nicht von heute auf morgen erfolgen müsse.

Mit einem „kurzen, komprimierten Abriss“ wandte sich Bernhard Bauer, Leiter der Projektgruppe Straßenplanung, an die Bevölkerung und wies darauf hin, dass bei der Anfertigung der Machbarkeitsstudie eine Abschichtung (Vorauswahl) der vorgeschlagenen Varianten vorgenommen worden sei. Heißt: Dass Varianten, die nicht mit den Zielen des Bundesverkehrswegeplanes (BVWP) in Übereinstimmung stehen, nicht weiter untersucht wurden. Laut Bauer geht es dabei um Verlegungen der Tegernseer Straße, eine innerörtliche Verlegung der Bundesstraße, eine gemeinsame Trassenführung von Bahn und Straße sowie um eine Null-Lösung. Nach diesen Ausführungen stellte Bauer die einzelnen Varianten vor. Drei davon sehen eine Südumfahrung, vier eine Nordumfahrung Waakirchens vor.

Bevor der Planer zu den beiden Tunnelvarianten überging, stellte er klar, dass diese auf ausdrücklichen Wunsch der Gemeinde in der Studie berücksichtigt worden seien. „Ein Tunnelprojekt wäre schon alleine wegen seiner Kosten bei der Aufstellung des BVWP 2030 eigens zu bewerten gewesen“, machte Bauer deutlich.

Nach etlichen Fragen aus dem Publikum – es ging dabei unter anderem darum, welche Häuser und Grundstücke bei den vorgestellten Varianten betroffen seien, ob es finanzielle Entschädigungen für die Grundstücksbesitzer gebe oder ob man denn nicht heute schon etwas gegen den Verkehrslärm tun könne – plädierten Dritter Bürgermeister Rudi Reber, Gemeinderätin Gisela Hölscher (FWG) und ABV-Gemeinderat Balthasar Brandhofer einmal mehr für eine Tunnelvariante. Reber wies erneut auf den Flächenfraß bei einer Ortsumfahrung hin und gab negative Auswirkungen in puncto Verkehr für den Ortsteil Schaftlach zu bedenken: „Wir wollen den Verkehr nicht von Waakirchen auf Schaftlach verlagern.“

Hölscher stellte dar, dass mit einem Tunnel keine neue Fläche versiegelt werden müsse und hielt mit ihrer Meinung über eine Ortsumfahrung nicht hinterm Berg: „Hier schmeißen wir zehn Hektar besten landwirtschaftlichen Grund zum Fraß vor.“ Brandhofer kam auf die Unterschriftensammlung zu sprechen, bei der die Bürger eine klare Entscheidung pro Tunnel getroffen hätten. Dem konnte eine Zuhörerin nur beipflichten: „Eigentlich haben wir mit der Unterschriftenliste schon unseren Willen kundgetan.“ 

Zum Thema: Neun Trassenvorschläge

Variante 1 (Südumfahrung): Bei der dem Bundesverkehrswegeplan zugrunde liegenden Trasse handelt es sich um den Neubau einer zweistreifigen Ortsumfahrung im Süden von Waakirchen. Sie hat eine Gesamtlänge von 2,140 Kilometern. Es müssen drei Brücken gebaut werden. Der Flächenbedarf beträgt 9,6 Hektar. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 7,67 Millionen Euro.

Variante 2 (Südumfahrung mit Einhausung): 2,140 Kilometer, drei Brücken, eine Einhausung, 11,2 Hektar, 12,92 Millionen Euro.

Variante 3 (weiträumige Südumfahrung mit Einhausung): 2,915 Kilometer, vier Brücken, eine Einhausung, 11,5 Hektar, 15,15 Millionen Euro.

Variante 4 (Nordumfahrung mit zwei Einhausungen): 3,230 Kilometer, zwei Brücken, zwei Einhausungen, 11,1 Hektar, 16,92 Millionen Euro.

Variante 5 (Nordumfahrung ohne Einhausungen): 3,230 Kilometer, vier Brücken, 13,3 Hektar, 11,75 Millionen Euro.

Variante 6 (weiträumige Nordumfahrung bahnparallel): 3,980 Kilometer, drei Brücken, 18,1 Hektar, 19,43 Millionen Euro.

Variante 7 (weiträumige Nordumfahrung Bahnkreuzung): 4,210 Kilometer, sieben Brücken, 18,5 Hektar, 21,76 Millionen Euro.

Variante 8 (Ortstunnel): Gesamtlänge 2,265 Kilometer, davon 1,590 Kilometer Tunnel, Flächenverbrauch vier Hektar, Gesamtkosten 116,8 Millionen Euro.

Variante 9 (Südtunnel): 2,710 Kilometer, davon 1,720 Kilometer Tunnel, 7,8 Hektar, 69,91 Millionen Euro.

Infos: www.stbaro.bayern.de.

rei

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